Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Indien entsetzt über Vergewaltigung einer Fünfjährigen

Debatte über Gewalt gegen Frauen hält an

Auch in der nordindischen Stadt Jammu kam es zu Demonstrationen (picture alliance / dpa / EPA / Jaipal Singh)
Auch in der nordindischen Stadt Jammu kam es zu Demonstrationen (picture alliance / dpa / EPA / Jaipal Singh)

In Indien sorgt erneut eine Vergewaltigung für Schlagzeilen. Ein fünfjähriges Mädchen wurde in Neu-Delhi über Tage misshandelt. Mittlerweile wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Doch die Kritik an der Polizei wächst.

Nach der Vergewaltigung einer Fünfjährigen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi fordern Demonstranten den Rücktritt des Polizeipräsidenten der Stadt und Gerechtigkeit für das Opfer. Bereits am Wochenende hatten Hunderte wütende Demonstranten die Hauptpolizeiwache und das Regierungskrankenhaus belagert, in dem das Kind behandelt wird, berichtete Kai Küstner im Deutschlandfunk.

Der Zustand des Mädchens soll nach einer Notoperation stabil sein. Es Kind war am vorigen Montag im Keller seines Wohnhauses vergewaltigt und schwer misshandelt worden. Zwei Tage nach der Tat wurde das Kind von Nachbarn entdeckt. Die Eltern des Mädchens erheben schwere Vorwürfe. Sie hätten umgehend eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatten, doch die Polizei hätte nichts unternommen. Die Beamten hätten vielmehr versucht, sie zu bestechen, behauptet der Vater des Mädchens. Ihnen seien 2000 Rupien, umgerechnet etwa 28 Euro angeboten worden, wenn sie "ruhig bleiben" würden.

Innenminister Sushil Kumar Shinde sagte, die Rolle der Polizei werde untersucht. Zwei Polizisten sind mittlerweile vom Dienst suspendiert worden. Delhis Polizeichef Neeraj Kumar erklärte, er denke nicht an einen Rücktritt. "Ich bin bereit, tausendmal zurückzutreten, wenn das hilft. Aber das verringert das Problem nicht", sagte er.

Premierminister Singh: Land muss noch große Fortschritte machen

Unterdessen hat die Polizei einen zweiten Tatverdächtigen festgenommen. Fahnder hätten den jungen Mann heute nach Hinweisen aus Neu-Delhi im Haus eines Verwandten im Bundesstaat Bihar verhaftet, teilte die Polizei mit. Es soll sich dabei um einen Nachbarn des Mädchens handeln. Ein bereits am Wochenende gefasster Beschuldigter soll diese Woche vor Gericht gestellt werden. Ein erstes Verhör habe ergeben, dass der Verdächtige davon ausgegangen sei, dass das Kind tot war, als er es zurückließ.

Premierminister Manmohan Singh gab am Wochenende zu, das Land müsse noch große Fortschritte machen, was die Sicherheit und die Stellung von Frauen angehe: "Der schreckliche Übergriff von vor ein paar Tagen erinnert uns einmal mehr daran, dass wir gemeinsam gegen diese Verdorbenheit vorgehen müssen."

Vergewaltigungen sind in Indien an der Tagesordnung, werden aber selten angezeigt und nur schleppend verfolgt. Laut Polizeistatistik wird in dem Land mit seinen 1,2 Milliarden Menschen alle 18 Stunden ein Sexualverbrechen verübt. Die Regierung wollte nach der Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen im Dezember zahlreiche Maßnahmen auf den Weg bringen. Schärfere Gesetze seien aber nicht genug, meinte Oppositionsführerin Sushma Swaraj. Die Fälle zeigten eine "geistige Krankheit", die sich in der Gesellschaft breitmache.


Mehr zum Thema:

Was sich für Indiens Frauen verbessern muss - Der Autor Raj Kamal Jha über die soziale Lage in seinem Land
"Es geht zu allererst um unsere Mentalität" - Indien diskutiert nach Gruppenvergewaltigung offen wie nie über Gewalt an Frauen
Der neue Schrei nach Gerechtigkeit - Ethnologe über die kulturellen Hintergründe für Frauenfeindlichkeit in Indien
Tief verwurzelte Frauenfeindlichkeit - Der Vergewaltigungsfall von Neu Delhi

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Vinyl-Box: "The Beatles: The Christmas Records"Weihnachtsgrüße der Beatles

Die Beatles 1967 (imago/ZUMA/Keystone)

Von 1963 bis 1969 verschickten die Beatles an die Mitglieder ihres Fanclubs Weihnachtsbotschaften, die die Bandgeschichte erzählen: vier junge Musiker starten voller Elan, haben überraschend Erfolg und werden sich schließlich fremd.

Radikalisierung in DeutschlandWenn aus Nazis Islamisten werden

Der Angeklagte Sascha L. kommt am 20.09.2017 in Handschellen zum Prozessauftakt in die Staatsschutzkammer des Landgerichts Braunschweig (Niedersachsen). Dem Hauptangeklagten wird die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat sowie der unerlaubte Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vorgeworfen. Die drei weiteren Angeklagten sind wegen Beihilfe angeklagt. (Angeklagte auf Anweisung des Gerichts unkenntlich gemacht)  (dpa / Swen Pförtner)

Im Hass vereint: Die Radikalisierung von Islamisten und Rechtsextremen scheint ähnlichen Mustern zu folgen. Ein Fall in Braunschweig lässt aufhorchen: Dort ist ein mutmaßlicher Islamist angeklagt, der vor drei Jahren noch zur rechtsextremen Szene gehört haben soll.

Anita Rée-Ausstellung in Hamburg Die Menschen-, die Frauen-Malerin

"Selbstbildnis" der Malerin Anita Rée  (picture alliance/dpa/Foto: Georg Wendt)

Die Künstlerin Anita Rée stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, zeitlebens wehrte sie sich aber dagegen, dass ihre Arbeiten als jüdische Kunst gelte. Ihre sensiblen Portraits sind noch bis Februar in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Germanistin Sandra Richter"Deutschsprachige Literatur wird global wahrgenommen"

Eine junge Frau betrachtet im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar eine Porträtbüste von Johann Wolfgang Goethe. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Rockstars und Jeansdesigner nutzen Rilke-Verse als Kontext. Und es gibt viele weitere Bespiele für den weltweiten Einfluss deutscher Literatur. Die Germanistin Sandra Richter hat ein Buch über deren Weltgeschichte veröffentlicht – "eine Geschichte des kulturellen Austauschs".

Antisemitismus in Deutschland"Wir brauchen eine gesellschaftspolitische Offensive"

Volker Beck (Grüne) spricht am 03.06.2016 im Deutschen Bundestag in Berlin. (dpa)

Auf Demonstrationen in Berlin wurden kürzlich israelische Flaggen verbrannt. Volker Beck von den Grünen fordert deswegen mehr Aufklärung über Antisemitismus. Allein mit ordnungspolitischen Maßnahmen ließe sich das Problem nicht lösen, sagte er im Dlf.

80 Jahre Bunker in WünsdorfNazis, Russen und Touristen

Ein Bunker im Wald nahe dem brandenburgischen Ort Wünsdorf. (Philipp Buder/Thomas Klug)

1937 wurde im brandenburgischen Wünsdorf mit dem Bau streng geheimer Bunker begonnen – das Oberkommando der Wehrmacht sollte von dort den Zweiten Weltkrieg dirigieren. Die Bunkeranlagen sind mittlerweile ein Mahnmal und locken viele Touristen an.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

CSU-Parteitag  Die Doppelspitze steht | mehr

Kulturnachrichten

Edgar Reitz hofft auf einen Generationenaufstand | mehr

 

| mehr