Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Integrationsgipfel: Mehr Migranten sollen im öffentlichen Dienst arbeiten

Bundeskanzlerin Merkel kündigt Nationalen Aktionsplan an

Der Polizeibeamte Nihat Demir - die Bundesregierung will nun, dass künftig mehr Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst arbeiten. (Sascha Schuermann/ddp)
Der Polizeibeamte Nihat Demir - die Bundesregierung will nun, dass künftig mehr Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst arbeiten. (Sascha Schuermann/ddp)

Die Bundesregierung will sich dafür einsetzen, dass mehr Migranten im öffentlichen Dienst beschäftigt werden. Das ist ein Ergebnis des Integrationsgipfels in Berlin. An der Veranstaltung im Kanzleramt nahmen rund 120 Vertreter von Politik, Wirtschaft und Verbänden teil.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach dem Spitzentreffen, mit Hilfe eines Nationalen Aktionsplanes sollen die Integrationsziele gemessen und auch überprüft werden. Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Staatsministerin Maria Böhmer (ebenfalls CDU), betonte, mit dem Plan sollten die Chancen jedes einzelnen Migranten in Deutschland auf gleiche Teilhabe in der Gesellschaft vergrößert werden. "Der Aktionsplan ist ein Gemeinschaftswerk, bei dem alle an einem Strang ziehen."

Konkret sollen Städte und Gemeinden größere Anstrengungen für die Integration unternehmen. Vorgesehen sind finanzielle Hilfen für strukturschwache Stadtteile. Zudem soll das Angebot für Sprachkurse ausgebaut werden. Ferner sind Förderprogramme für den Vereinssport vorgesehen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich forderte junge Migranten auf, sich für Stellen im öffentlichen Dienst zu bewerben. Der CSU-Politiker kündigte an, eine Internetseite über Ausbildungsangebote freizuschalten. Ziel sei es, "Jugendliche mit Migrationshintergrund besser zu erreichen".

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger fordert neue Gesetzgebung für Einwanderung

Die Freien Demokraten fordern Regeln für die Zuwanderungen qualifizierter Fachkräfte. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich für ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild aus. "Die guten Erfahrungen mit einem solchen System, das auf Kriterien wie Sprachkenntnis, Ausbildung und Arbeitsplatzangebot beruht, bestärken die FDP", sagte die FDP-Politikerin dem "Hamburger Abendblatt".

Opposition fordert von Regierung konkrete Maßnahmen

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz hatte vor dem Treffen gewarnt, es nur bei Konzepten zu belassen. "Die beschlossenen Maßnahmen zur Integration müssen auch in Regierungshandeln umgesetzt werden", sagte Özoguz im Deutschlandfunk und beklagte, dass Menschen mit fremd klingenden Namen in Deutschland immer noch Schwierigkeiten hätten, einen Arbeitsplatz oder eine Wohnung zu finden. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt monierte, ein weiterer Gipfel sei nicht nötig. Sie warb für eine gesteuerte Zuwanderung. Notwendig sei ein Punktesystem zur Aufnahme von ausländischen Fachkräften.

Bundesagentur moniert schlechtes Arbeitsumfeld für Ausländer

Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, mahnte größere Anstrengungen bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte an. "Deutschland ist in Zugzwang". Nach wie vor gebe es Vorbehalte. "Ausländische Fachkräfte gelten in Deutschland leider als wenig attraktiv", sagte Arlt.

Um die Anwerbung von hochqualifizierten zu verbessern, sollten die Auflagen geändert werden. Als Beispiel nannte Alt die Aussetzung der Vorrangprüfung, eine Absenkung der Einkommensgrenze sowie eine einfachere Anerkennung von Abschlüssen.

Betrug mit staatlich geförderten Integrationskursen

In Nordrhein-Westfalen ermitteln das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen einen Anbieter von Integrationskursen. Wie das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtet, werden sie verdächtigt, Abrechnungen und Sprachstest manipuliert zu haben. Einige Schüler sollen mit den Bescheinigungen einen Einbürgerungsantrag gestellt haben.

In Deutschland leben rund 16 Millionen Zuwanderer und ihre Kinder. Allein rund 2,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik haben türkische Wurzeln.


Links auf dradio.de:

Interview Aydan Özoguz: Weniger Konzepte, mehr Handeln - SPD-Integrationsbeauftragte bezweifelt Erfolg des 5. Integrationsgipfels im Kanzleramt

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:30 Uhr Vollbild

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Afrikanische AkademikerAus der Not eine Tugend machen

Der Chemiker Derek Ndinteh, aufgenommen in seinem Büro an der Universität Johannesburg (Südafrika).  (picture alliance / dpa / Anja Bengelstorff)

Zahlreiche afrikanische Akademiker verlassen wegen schlechter Bedingungen für Bildung und Forschung den Kontinent. Derek Ndinteh ist geblieben. Er will beweisen, dass in Afrika gute Wissenschaft möglich ist. Und er ist überzeugt, dass er eines Tages den Chemie-Nobelpreis bekommt.

Insekten in KörperöffnungenKein Grund zur Panik

Spinnen im Mund, Kakerlaken in der Nase - ja, alles möglich. Ist aber sehr selten und meistens überhaupt kein Grund zur Sorge. "Das sind eher Schreckensmärchen, das passiert so gut wie nie", sagt Notfallarzt Dr. Johannes Wimmer.  Und selbst wenn.

Europa im UmbruchZerbricht die Demokratie?

Marine Le Pen, Vorsitzende des rechtsextremen Front National, steht bei einem Kongress der Partei im südfranzösischen Frejus mit ausgebreiteten Armen auf der Bühne. (AFP / Franck Pennant)

Rechtsruck, Brexit, EU-Krise: Auf der Demokratie lastet ein enormer Druck, sagt Philipp Blom. Ob sie überlebe, sei noch nicht entschieden. Philipp Albrecht entgegnet: Die Zivilgesellschaft ist stärker, als wir manchmal denken.

175 Jahre Karl MayDie Lust am Reisen in Gedanken

Der französische Schauspieler Pierre Briece als Winnetou und der britisch-amerikanische Schauspieler Stewart Granger (r) in der Rolle des Old Surehand in einer Karl-May-Verfilmung Anfang der 60-er Jahr in Jugoslawien (picture alliance / dpa / rialto)

Er unternahm fiktive Reisen an reale und imaginäre Orte, reiste als Old Shatterhand nach Nordamerika und als Kara Ben Nemsi in den Orient: Der Erfolg von Karl Mays Romanen lag in der Kombination von real Möglichem mit Imaginärem und starken Charakteren, sagt der Literaturwissenschaftler Werner Nell.

Schleswig-HolsteinStreit um Ölförderung im Wattenmeer

Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate in der Nordsee vor der Küste bei Büsum (Schleswig-Holstein), aufgenommen am 21.05.2014. (picture alliance / dpa - Christian Charisius)

Die Deutsche Erdöl AG will im im schleswig-holsteinischen Wattenmeer noch mehr Öl fördern - bekommt dafür aber bislang keine Genehmigung. Jetzt sprach sich SPD-Wirtschaftsminister Reinhard Mayer für die Bohrungen aus - und stellte sich damit mitten im Wahlkampf gegen die eigene Regierung.

Gewitter-Jäger Dennis OswaldDas perfekte Gewitter kommt allein

Dennis Oswald ist auf der Suche nach guten Gewittern. Gut im Sinne von: fotogen. Dafür reist er viel herum und arbeitet akribisch Pläne aus, wann er welches Gewitter wo fotografieren kann. Denn ein Gewitter, von dem er gute Aufnahmen machen kann, muss gewisse Bedingungen erfüllen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Agenda 2010  Merkel kritisiert Reformpläne von Schulz | mehr

Kulturnachrichten

Beschwerde aus Ungarn über Berlinale-Siegerin Enyedi  | mehr

Wissensnachrichten

Mondmission  Bemannte Mond-Umrundung schon 2019? | mehr