Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Integrationsstudie sorgt für Wirbel

Opposition und FDP sprechen von Populismus

Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich in  Potsdam (picture alliance / dpa / Bernd Settnik)
Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich in Potsdam (picture alliance / dpa / Bernd Settnik)

Innenminister Hans-Peter Friedrich hat mit einer Studie zum Integrationswillen junger Muslime eine Debatte ausgelöst. Der CSU-Politiker zeigte sich besorgt über die "überraschend hohe" Zahl integrationsunwilliger Muslime in Deutschland.

"Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben", erklärte Friedrich am Donnerstag in Potsdam. Der Studie zufolge sind knapp ein Viertel der Muslime zwischen 14 und 32 Jahren ohne deutschen Pass offenbar nicht geneigt, sich zu integrieren. Bei jungen deutschen Muslimen liegt der Anteil bei 15 Prozent. Es sei besonders diese Aussage der Studie, die für politischen Streit sorgt, berichtet Gudula Geuther im Deutschlandradio Kultur.

Memet Kilic, Bündnis 90/Die Grünen (Memet Kilic)Memet Kilic, Bündnis 90/Die Grünen (Memet Kilic)

"Mit Scheuklappen versehene Kommentare"

Die Grünen werfen der Bundesregierung eine populistische Darstellung durch die Erstveröffentlichung in der "Bild"-Zeitung vor. Die "mit Scheuklappen versehenen Kommentare von Unionspolitikern" zielten auf eine Spaltung der Gesellschaft ab, kritisiert der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Memet Kilic.

Ähnlich sieht es die SPD. "Wer sich seriös mit der Abschottung und Gewaltbereitschaft von Jugendlichen befassen will, sollte dies nicht mit der offensichtlichen Intention tun, ganze Religionsgemeinschaften dem Populismus preiszugeben", erklärt die SPD-Integrationsbeauftragte Aydan Özogun.

Kritik auch von den Freien Demokraten

Auch Politiker vom Koalitionspartner FDP distanzierten sich von der Studie. "Ich warne davor, aus einer wissenschaftlichen Studie nur Schlagzeilen zu produzieren", sagte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. "Ich muss mich schon wundern, dass das Innenministerium erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse", kritisierte auch der integrationspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Serkan Tören.

Der Studie zufolge gebe es eine Gruppe Integrationsunwilliger, die als "streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz" in Deutschland leben. Mehrheitlich wollen sich Muslime aber in die deutsche Gesellschaft einfügen und lehnen Terrorismus und Fanatismus ab, so die Studie weiter. 78 Prozent der deutschen Muslime und 52 Prozent der nichtdeutschen Muslime zeigten sich in Interviews mit den Wissenschaftlern weltoffen.

Allerdings weisen die Wissenschaftler selbst darauf hin, dass die in der Studie genannten Inhalte nicht repräsentativ sind. Sie bilden nur einen Ausschnitt der Lebenswelt basierend auf den im Interview angesprochenen Themen darstellen, heißt es in der Studie.

Seyran Ates (Müjgan Arpat)Seyran Ates (Müjgan Arpat)Die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates hält die Studie für derzeit überflüssig. Derartige Studien gebe es bereits "zuhauf", kritisierte Ates im Interview mit Deutschlandradio Kultur: "Ich habe den Eindruck: Da ist wieder eine Studie gemacht worden, nur um Aktion zu zeigen."

Studie: Lebenswelten junger Muslime in Deutschland

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

Henning Beck, NeurowissenschaftlerGeistesblitze – Wie tickt unser Gehirn?

"Kreativer Kopf" (imago/Ikon Images)

Wie entstehen Gedanken? Was passiert bei einem Geistesblitz? Wie kommt unser Gehirn immer wieder auf neue Ideen? – Diese Fragen faszinieren den Neurowissenschaftler Henning Beck.

Psychometrie in den Sozialen Medien"Den Menschen wird die Information eingespielt, die sie hören wollen"

(dpa)

Donald Trump sei auch durch den Einsatz sozialer Medien an die Macht gekommen, sagt Roman Maria Koidl. So könne man "heute eigentlich als Einzelkämpfer ohne eine Parteistruktur in höchste Ämter kommen". Koidl fürchtet, das könne in einer technokratischen Diktatur enden.

"Pelléas und Mélisande" in BochumGrandioser Auftakt der Ruhrtriennale

Barbara Hannigan als Mélisande und Leigh Melrose als Golaud (Ben van Duin/ Ruhrtriennale 2017)

Krzysztof Warlikowsky ist mit Claude Debussys Oper "Pelléas und Mélisande" eine großartige Eröffnung der Ruhrtriennale gelungen. Er zeigt die Tragödie mit radikaler Konsequenz und spannend wie einen Psychothriller.

BundestagswahlDie fiesen Tricks der Hacker

Eine Hand bedient eine Computermaus. (AFP / Robyn Beck)

Könnte es Hackern gelingen, die Bundestagswahl am 24. September zu stören oder zu manipulieren? Das haben Security-Spezialisten untersucht und gleich sieben Unsicherheitsfaktoren gefunden: Die Nutzung öffentlicher Leitungen und menschliche Nachlässigkeit sind nur zwei davon.

Vormarsch der künstlichen ExistenzMenschen könnten die neuen Affen sein

Menschenhand in Roboterhand am 24.04.2017 auf der Industriemesse in Hannover. (imago stock&people)

Viele Experten sind sich einig: Bald sind Roboter und Computer so weit entwickelt, dass sie die menschliche Intelligenz übertrumpfen könnten. Wir Menschen wären dann im Vergleich zu der intelligenten Technologie quasi auf dem Stand von Schimpansen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Madrid  Festgenommener Autor Akhanli kommt wieder frei | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller Akhanli kommt unter Auflagen frei  | mehr

 

| mehr