Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Iran schränkt Internet ein

Angeblich als Reaktion auf das Schmähvideo

Google-Dienste: Im Iran derzeit nur beschränkt nutzbar (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Google-Dienste: Im Iran derzeit nur beschränkt nutzbar (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Der Iran koppelt sich vom weltweiten Internet ab. Der Zugang zum Google-Emaildienst Gmail wurde gesperrt, auch die Google-Suche funktioniert nur noch eingeschränkt. Dies seien erste Schritte auf dem Weg zu einem eigenen, nur noch Iran-weiten Internetsystem, hieß es aus Teheran.

"Aufgrund der wiederholten Forderungen der Menschen werden Google und Gmail landesweit gefiltert", hieß es in einer SMS der Behörden. Die Einschränkungen gelten demnach "bis auf Weiteres". Die iranische Nachrichtenagentur ISNA meldete, die Google-Blockade stehe im Zusammenhang mit dem jüngsten Mohammed-Schmähvideo.

Teheran wirft dem Westen vor, die iranische Regierung über das Internet schwächen zu wollen. Das westliche Ausland führe einen "nicht-erklärten Krieg". Ein staatseigenes Internetsystem soll deshalb von ausländischen Servern und Rechercheseiten unabhängig aufgebaut werden.

Internetseiten werden regelmäßig gesperrt

Der Zugang zu den Google-Seiten sowie auf soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter wird im Iran regelmäßig gesperrt. Auch das Online-Videoportal YouTube unterliegt immer wieder der Zensur. Begründet werden die Sperrungen offiziell mit anstößigen oder kriminellen Inhalten von Seiten.

Viele Iraner sehen darin jedoch eine Einschränkung der Meinungs- und Informationsbeschaffungsfreiheit. Sie befürchten, dass es sich bei dem jüngsten Eingriff um einen weiteren Schritt zur Kontrolle der Regierung über den Internet-Verkehr der Bürger handelt.

Unternehmer besonders betroffen

Bewohner der Hauptstadt Teheran sagten der Nachrichtenagentur AFP, dass sie nur noch über ein geschlossenes VPN-Netz auf ihre Gmail-Konten zugreifen könnten. VPN-Netze werden häufig von computererfahrenen Iranern genutzt, um die Zensur im Internet zu umgehen. Die Einschränkungen treffen vor allem iranische Geschäftsleute: Viele von ihnen kommunizieren über Gmail mit ausländischen Firmen.

EU plant Verschärfung der Sanktionen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)Bundesaußenminister Guido Westerwelle (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)Unternehmer im Iran dürften außerdem in Kürze weitere Strafmaßnahmen gegen ihr Land zu spüren bekommen: Deutschland, Frankreich und Großbritannien plädieren für schärfere EU-Sanktionen gegen den Iran. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf ein gemeinsames Schreiben der Außenminister Guido Westerwelle, Laurent Fabius und William Hague an ihre Amtskollegen.

In dem Brief fordern die Minister weitere Sanktionen in den Bereichen Energie, Finanzen, Handel und Transport. Eine Entscheidung über den Vorschlag soll angeblich bereits Mitte Oktober auf dem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg herbeigeführt werden.

Diese seien von besonderer Bedeutung für das iranische Atomprogramm. Die bisher erzielten Verhandlungsfortschritte im Atomstreit mit dem Iran seien nicht befriedigend, sagte der Westerwelle (FDP) der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf. Daher sei es notwendig, die Maßnahmen zu verschärfen.


Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

China und Iran sind "echte Feinde des Internets" <br> Vorstandsmitglied von "Reporter ohne Grenzen" über digitale Zensur (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Kontrovers

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:07 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Merkel-Besuch"Die Türkei fällt nicht als Partner aus"

Alexander Graf Lambsdorff, stellvertretender EU-Parlamentspräsident (AFP/Romeo Gacad)

Der FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff fordert die Türkei auf, die Zehntausenden an der Grenze wartenden Syrer ins Land zu lassen. Man müsse den Menschen helfen, sagte der Parlamentspräsidentsvize im DLF. Grundsätzlich aber habe Ankara schon viel getan. 

Integrationsbeauftragte Aidan Özoguz Brauchen wir ein Einwanderungsministerium?

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), spricht am 16.12.2014 in Berlin bei einer Pressekonferenz über die Kampagne "Ein Leben, zwei Pässe". (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Streit um das Asylpaket II: Die Abstimmung zwischen den Einzelressorts macht in der Flüchtlingspolitik immer wieder Probleme. Ob ein Bundesministerium für Migration Abhilfe schaffen könnte, fragen wir Aydan Özoguz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.

FlüchtlingspolitikDGB-Chef Hoffmann: Integration kann gelingen

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (Imago)

DGB-Chef Reiner Hoffmann hält die Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt für "leistbar". In den Betrieben habe man gute Erfahrungen mit der Eingliederung von Migranten, sagte Hoffmann im Deutschlandfunk. Wichtig sei aber, dass Flüchtlinge und Menschen mit Abstiegsängsten nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften.

Die ISS am Himmel über MitteleuropaStrahlende Raumstation am Abend

Es bleibt ruhig: Die ISS bekommt Besuch von drei Profi-Astronauten (NASA)

In den kommenden knapp zwei Wochen ist die Internationale Raumstation wieder am Himmel zu sehen. Sie zieht in den Abendstunden über das Firmament und ist dabei so hell, dass sie selbst aus dem Zentrum einer Großstadt spielend leicht zu erkennen ist.

"Taxi Driver" von Martin ScorseseDer Referenzfilm für den postmodernen Stil

Der US-Schauspieler Robert de Niro als Travis Bickle im Film "Taxi Driver" von Martin Scorsese aus dem Jahr 1976 (imago/United Archives)

Die Uraufführung war ein Überraschungserfolg: Nach Problemen bei der Finanzierung kam "Taxi Driver" vor 40 Jahren ins Kino. Der Film machte den jungen Robert de Niro zum Schauspielstar und Martin Scorsese zum Kultregisseur.

StudiumSkurrile Stipendien für jede(n)

Stipendien bekommen nur Streber oder Hochbegabte? Von wegen! Wir stellen euch skurrile Stipendien vor: vom Anti-Streber-Stipendium bis zum Förderprogramm für Kamelforscher.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlingsfrage  Merkel trifft türkische Regierung | mehr

Kulturnachrichten

Kölner Rosenmontagszug trotz Sturmwarnungen gestartet  | mehr

Wissensnachrichten

Frankreich  Kurzgeschichten-Automat gegen Langeweile beim Warten | mehr