Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Irland bittet um Finanzhilfe

Juncker sieht keine Alternative zu beträchtlichen Sparmaßnahmen

Die Iren brauchen Hilfe. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Die Iren brauchen Hilfe. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Das hoch verschuldete Irland wird als erstes Land offiziell um Finanzhilfe aus Mitteln des Rettungsschirms der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds bitten. Die irische Regierung sagte, es gehe um mehrere zehn Milliarden Euro. Irlands Staatshaushalt braucht etwa 50 Milliarden Euro zur Stützung des kollabierten Bankensystems.

Nach einer Krisensitzung des irischen Kabinetts hatte Premierminister Brian Cowen am Sonntagabend die Hilfe beantragt. Experten rechnen mit einer Summe von 80 bis 90 Milliarden Euro. Über die genaue Höhe der Kredite und die Rückzahlungsbedingungen wird derzeit noch verhandelt. Der EU-Rettungsfonds war im Frühjahr als Reaktion auf die Krise in Griechenlandgeschaffen worden.

Wenn die Iren nicht wie geplant in den kommenden vier Jahren 15 Milliarden Euro ihres Haushaltes einsparten, werde es nicht möglich sein, dem Land mit einem europäischen Begleitprogramm zu helfen, sagt der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker zur Irland-Krise im Deutschlandradio Kultur. Allerdings gehe er davon aus, dass die Schuldenkrise nicht auf Portugal übergreifen werde. Die Situation beider Länder sei nicht vergleichbar.

"Irland hat sich zu sehr geziert", kritisiert der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff das späte Hilfegesuch der Iren im Deutschlandfunk. Er hält weniger die öffentliche Verschuldung als vielmehr den Bankensektor für das Problem der irischen Volkswirtschaft.

Die Hilfe für Irland ist in den Augen des Finanzexperten Thomas Straubhaar zwiespältig, aber alternativlos. Da Irland kein Einzelfall sei, müssten klare Auflagen gelten und Sanktionen drohen, fordert der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts im Deutschlandfunk.

"Strenge Auflagen"

Die EU-Finanzminister stimmten dem Hilfegesuch umgehend zu und begründeten ihr Votum mit der "finanziellen Stabilität in der EU und der Eurozone". Wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte, sei die Unterstützung von EU und IWF an "strenge Auflagen" gebunden. Das irische Reformprogramm müsse auch die niedrige Körperschaftssteuer auf die Agenda setzen, ließ die Bundesregierung verlauten. Irland könne in Zukunft kein Niedrigsteuerland mehr bleiben, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Das irische Kabinett einigte sich bereits am Sonntag auf einen Vierjahresplan, der das Defizit von derzeit 32 Prozent auf die in der EU geforderten drei Prozent senken soll. Einsparungen soll es unter anderem bei den Sozialausgaben geben wie eine Senkung des Mindestlohns. Darüber hinaus werden die Kreditgeber eine grundlegende Sanierung des irischen Bankensektors verlangen, der für die Notlage hauptverantwortlich ist.

Die irischen Bürger machten ihrer Wut über die Entscheidung der Regierung, die zunächst versprochen hatte, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen, mit Demonstrationen Luft. Einige von ihnen empfinden das Hilfeersuchen an die internationale Gemeinschaft als Demütigung und als Angriff auf die Souveränität ihres Landes. Als der Euro eingeführt wurde, herrschte in Irland Hochkonjunktur.

Das, was in Irland passiere, sei nur ein Vorspiel für das, was in Spanien wahrscheinlich passieren werde, prognostizierte der Finanzwissenschaftler Joachim Starbatty in der vergangenen Woche im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Marktplatz

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

CDU und doppelte Staatsbürgerschaft"Ein Parteitag der Angst"

Grünen-Parteichef Cem Özdemir  (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Grünen-Chef Cem Özdemir hat CDU-Parteitagsbeschluss zur doppelten Staatsbürgerschaft kritisiert. Die Grünen wären nicht bereit, die bisherigen Regeln dazu rückgängig zu machen, sagte der Parteivorsitzende Özdemir mit Blick auf eine mögliche schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl.

Regisseur Richard FleischerDer Meister der B-Movies

Der Regisseur Richard Fleischer (1916-2006) während Dreharbeiten hinter der Filmkamera (undatiert) (picture alliance / dpa / Bert Reisfeld)

"Die phantastische Reise", "Conan der Zerstörer", "20.000 Meilen unter dem Meer": Richard Fleischers Filme verströmen schon im Titel den Willen zum Entertainment. Er war ein besessener Handwerker Hollywoods und zeigte, dass auch Unterhaltungsfilme zur Gesellschaftskritik taugen.

BürokratieWoher kommt diese Wut?

Stempel in einer Amtsstube (dpa/Robert B. Fishman)

Woher kommt diese Wut, die uns nicht nur in den Internetforen und auf Demonstrationen, sondern auch im Alltag begegnet? Das psychologische Konzept der Selbstwirksamkeit bietet da Erklärungsansätze, sagt die Pädagogin und Psychotherapeutin Astrid von Friesen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Hamburg  Steinmeier eröffnet OSZE-Konferenz | mehr

Kulturnachrichten

Barenboim-Said-Akademie wird in Berlin eröffnet  | mehr

Wissensnachrichten

Rauchvergiftung  Medizin gegen Kohlenmonoxid | mehr