Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Islamisten wollen Verfassung vorziehen

Proteste in Ägypten gegen Mursi halten an

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / Romain Beurrier)
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / Romain Beurrier)

Im Machtkampf in Ägypten gehen Gegner und Anhänger von Präsident Mohammed Mursi weiter auf Konfrontation. Beide Seiten kündigten für die kommenden Tage Großkundgebungen an. Unterdessen plant Mursi offenbar einen Coup.

Es war eine große Überraschung, die der Vorsitzende der ägyptischen Verfassungsgebenden Versammlung, Hossam al-Ghariani, gestern Abend verkündete: Schon heute soll die Versammlung über eine neue Verfassung abstimmen. "Das wird ein großartiger Tag", erklärte al-Ghariani. Präsident Mursi könnte dann ein landesweites Referendum über die Verfassung abhalten, noch bevor das Oberste Verfassungsgericht am Sonntag über die Auflösung der von Mursis Islamisten dominierten Versammlung entscheidet.

In den vergangenen Wochen hatten 25 Liberale und Christen das Verfassungskomitee unter Protest verlassen. Sie warfen den Islamisten vor, diese gingen nicht auf ihre Vorschläge ein und seien nur daran interessiert, die Vormachtstellung ihrer Parteien über eine maßgeschneiderte Verfassung abzusichern. Die Sprache in dem Verfassungsentwurf sei zum Teil unklar und es gebe Verweise auf das islamische Recht, die Scharia. Dadurch könnten Frauen- und Bürgerrechte ausgehebelt werden, fürchten Kritiker. Ägypten ist seit dem Sturz von Hosni Mubarak im Februar 2011 ohne Verfassung

Regierung: Verfassung ist bester Weg aus der Krise

Beobachter vermuten, dass die Islamisten hoffen, bei einem vorgezogenen Referendum eine Mehrheit zu bekommen, indem sie den Bürgern die neue Verfassung als Alternative zur umstrittenen Verfassungserklärung von Präsident Mursi präsentieren. Amr Darrag, der Generalsekretär des Verfassungskomitees, sagte nach Angaben lokaler Medien, eine Beschleunigung des Verfassungsprozesses sei der beste Weg aus der aktuellen Krise.

Unterdessen bleibt die Lage auf den Straßen angespannt. Gestern setzten sich die Straßenschlachten fort, die Opposition rief nach einer Massenkundgebung am Dienstag mit bis zu 300.000 Demonstranten für morgen zu weiteren massiven Protesten gegen den Präsidenten auf.

Mursis Muslimbruderschaft und andere islamistische Parteien wollten ihrerseits am Samstag eine Gegenkundgebung abhalten, und zwar am zentralen Tahrir-Platz in Kairo, wo Gegner Mursis bereits seit Tagen aus Protest ausharren. Beobachter rechneten damit, dass es dort zu blutigen Unruhen kommen könnte, wenn die beiden Seiten aufeinanderprallen.


Mehr zum Thema:

Mursi will "klare Entscheidungsstrukturen" in Ägypten herstellen
Der Politologe Perthes sieht nicht die Gefahr einer neuen Diktatur
Mursi beschneidet Macht der Justiz
Gewaltsame Proteste gegen den ägyptischen Präsidenten
"Mursi ist der Pragmatiker"
Ägyptische Politologin kritisiert ambivalente Politik der Muslimbrüder

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Sprechstunde

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Behinderteneinrichtung im WestjordanlandNächstenliebe in Nahost

Orthopädieschuhmachermeister Rudolf Schöning aus Hamburg mit seinem palästinensischen Schützung Elias Abu-Aita. (Deutschlandradio / Silke Fries)

Schätzungen zufolge besucht nicht einmal jedes zweite behinderte Kind im Westjordanland die Schule. Geschätzt 80 Prozent werden nie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Ein Lichtblick bei der Förderung von Behinderten ist die Einrichtung lifegate in Bait Dschala bei Bethlehem. Geleitet wird sie von von einem Deutschen.

Vor 175 Jahren: Premiere der Wiener Philharmoniker"Euch liebt die Heimat und euch ehrt die Welt"

HK Gruber beim Dirigieren (dpa / picture alliance / epa Keystone Urs Flueeler)

Die Wiener Philharmoniker gehören zu den besten Orchestern der Welt. Tickets für ihre Konzerte im Goldenen Saal des Musikvereins sind heiß umkämpft. Die Geburt des Ensembles war ein Konzert am 28. März 1842.

Theorie zur Entstehung der ErdtrabantenMondfusionen in der Umlaufbahn

Vielleicht ist der Mond durch viele Kollisionen entstanden – oder ganz anders (künstlerische Darstellung). (Perets)

Womöglich kreiste einst nicht ein großer Mond um die Erde, sondern ein gutes Dutzend kleiner Monde. Raluca Rufu vom Weizman-Institut in Israel und ihr Team gehen davon aus, dass im jungen Sonnensystem etliche Brocken von rund eintausend Kilometern Durchmesser die glühend heiße Erde gerammt haben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Medienrecherchen  Türkischer Geheimdienst bespitzelte Oppositionelle in Deutschland | mehr

Kulturnachrichten

Gemälde Da Vincis restauriert  | mehr

 

| mehr