Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Israel rechnet mit 30-tägigem Krieg gegen den Iran

Scheidender Minister spricht von konkreten Maßnahmen

Eine F-16 in der Negevwüste
Eine F-16 in der Negevwüste (picture alliance / dpa / Landov Yin Bogu)

Plant Israel tatsächlich einen Präventivschlag gegen den Iran? Neuen Informationen zufolge sind schon sehr konkrete Kalkulationen angestellt worden - 30 Tage Krieg, 500 Tote auf israelischer Seite. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, schätzt US-Verteidigungsminister Leon Panetta.

Die Planungen für einen Waffengang sind offenbar schon weit fortgeschritten. Der scheidende Minister für Zivilverteidigung, Matan Vilnai, betonte, alles sei bereit. "Die Schätzungen gehen von einen Krieg aus, der 30 Tage dauert und an mehreren Fronten stattfindet", sagte er der Zeitung "Maariv". Dabei werde mit etwa 500 Toten gerechnet. Grund für Hysterie sieht Vilnai, künftiger Botschafter Israels in Peking, aber nicht. "Die Heimatfront ist so gut vorbereitet wie nie zuvor", betonte er. "Mit aller Bescheidenheit sage ich, dass ich dabei (...) eine wichtige Rolle gespielt habe".

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak befürworten einen Schlag gegen den Iran noch vor der US-Präsidentenwahl im November, berichtete die Zeitung "Jedioth Ahronoth" am Freitag. Israel hat nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta aber noch nicht über einen Angriff auf Atomanlagen im Iran entschieden. Es gebe "noch Raum zum Aushandeln" einer diplomatischen Lösung, sagte er in Washington.

Druck auf die USA

US-Präsident Obama und der israelische Premierminister beraten über Schritte gegen das iranische AtomprogrammUS-Präsident Obama und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu (picture alliance / dpa / Amos Ben Gershom)Das israelische Fernsehen berichtete unterdessen, US-Präsident Barack Obama könne die Ankündigung eines militärischen Eingreifens der USA eventuell noch klarer als bisher formulieren, um Netanjahu doch noch zu stoppen. Regierungsvertreter beider Seiten planten ein Treffen Obamas mit Netanjahu im September oder Oktober in den USA. Dabei solle Obama verbindlich zusagen, dass die USA spätestens bis Juni kommenden Jahres militärisch gegen das iranische Atomprogramm vorgingen, falls Sanktionen und diplomatischer Druck Teheran nicht zum Einlenken bewegt haben sollten. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Bericht gab es nicht. Barack Obamas Gegenkandidat Mitt Romney hatte hingegen angekündigt, im Falle seines Wahlsiegs im November einen israelischen Angriff auf Iran zu tolerieren.

Der US-Sicherheitsexperte John Hulsman, ein Berater der US-Regierung, hält hingegen einen Angriff auf Irans Atomanlagen noch im September für wahrscheinlich. Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl im November sei "der Druck, Israel um jeden Preis politisch zu unterstützen, in der amerikanischen Öffentlichkeit extrem hoch", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Internetaufruf zur Befehlsverweigerung

Mehr als 400 Unterzeichner einer Petition haben bis Mittwoch israelische Kampfpiloten zur Befehlsverweigerung im Falle eines Iran-Angriffs aufgerufen. Der "verhängnisvolle Befehl" könne schon bald kommen, heißt es in dem Internet-Aufruf: "Ihr habt aber die Option, nein zu sagen." Eine Bombardierung iranischer Atomanlagen gefährde Israelis und Iraner, könne einen globalen Finanz-Crash auslösen und den Piloten drohe der Abschuss.

Die internationale Gemeinschaft verdächtigt den Iran, sein Atomprogramm zum Bau von Nuklearwaffen zu nutzen. Israel betrachtet Atombomben in den Händen der Führung in Teheran als eine Bedrohung seiner Existenz. Der Iran betont, das Programm habe nur friedliche Ziele. Die USA hatten erst Ende Juli ihre Sanktionen gegen den Iran weiter verschärft, um den Ölhandel des Landes zu behindern.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Nahost-Experte erwartet Erstschlag Israels gegen den Iran - Michael Lüders: Netanjahu und andere Hardliner sind zum Krieg entschlossen
Säbelrasseln im Nahen Osten - Syrien und Iran werfen Israel Verschwörung vor
Gauck: Israel plant keinen Präventivschlag gegen Iran - Bundespräsident betont Berlins Eintreten für Existenzrecht Israels
"Übertrieben, hysterisch, populistisch" - Nach Grass' Israel-Gedicht ist nun Israels Reaktion darauf in der Kritik



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Kosmische VersuchslaboreBurnout am Schwarzen Loch

Eine Aufnahme des Weltraumteleskops "Hubble", die am 9.3.2004 veröffentlicht wurde.

Anhand der extremen Bedingungen an Schwarzen Löchern versuchen Physiker auf die grundlegende Struktur des Universums zu schließen. Sie sind auf der Suche nach dem geheimen Code des Universums.

Kakao aus der ElfenbeinküsteWie Kinder für unsere Schokolade schuften

800.000 Kinder und Jugendliche arbeiten auf den Plantagen. 

Schokolade macht bekanntlich glücklich – bloß nicht diejenigen, die den Rohstoff ernten. Auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste arbeiten Kinder und Jugendliche unter prekären Bedingungen.

Ausstellung "Die Augustus-Revolution"Des Kaisers Polit-Marketing

Die Kopfplastik des römischen Kaisers Augustus wurde 1961 bei Ausgrabungsarbeiten in Mainz gefunden. Undatierte Aufnahme.

Kaiser Augustus, Adoptivsohn von Julius Cäsar, sorgte während seiner Amtszeit für viel Wirbel in Rom: So realisierte er etwa den von Cäsar eingeführten julianischen Kalender. Eine Ausstellung in Rom zeigt nun, welche Bereiche er noch revolutionierte und wie er seine Familie politisch nutzte.

Nach UrteilSteuergewerkschaft wirbt für Neugestaltung der Erbschaftssteuer

Die Erbschaftssteuer soll nach dem Willen der Steuergewerkschaft neu ausgearbeitet werden

Als "deutliches Warnzeichen" für den Bund bezeichnet der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, die Karlsruher Entscheidung zur Änderung der Erbschaftssteuerregelung für Unternehmen. Im DLF-Interview riet er der Großen Koalition zu einer grundsätzlichen Neugestaltung der Erbschaftssteuer.

Handelsexperte kritisiert Streik "Amazon schafft ordentlich bezahlte Arbeitsplätze"

Streikende vor einer Betriebsstätte von Amazon in Leipzig am 8. Dezember 2014

Ein Streik bei Amazon sei "Unsinn", Verdi solle sich lieber an anderen Unternehmen "abarbeiten", sagt der Handelsexperte Thomas Roeb. Für Amazon spreche, dass das Unternehmen Arbeit in Gegenden bringe, wo es sonst keine Arbeit gebe.

Nobelpreisträgerin Herta Müller"In Apfelkernen ist der Tod drin"

Nobelpreisträgerin Herta Müller zu Gast bei Deutschlandradio Kultur

In ihrem neuen Buch erzählt die Schriftstellerin Herta Müller, wie sie die Kindheit und Jugend in der rumänischen Diktatur erlebte und überlebte. Ohne diese Erfahrungen wäre sie "bestimmt was anderes geworden", sagte die Literaturnobelpreisträgerin.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Merkel: EU-Investitionspaket  ist kein Kurswechsel | mehr

Kulturnachrichten

Bayerischer Filmpreis:Ehrenpreis für Kameramann Gernot Roll  | mehr

Wissensnachrichten

Mobilfunk-Netz  Sicherheitslücke entdeckt | mehr