Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Israel trotzt UN-Anerkennung Palästinas

3000 neue Wohnungen in jüdischen Siedlungen genehmigt

Ein palästinensisches Mädchen schubst einen israelischen Soldaten bei einer Demonstration gegen Israels Siedlungsausbau. (picture alliance / dpa / Abed Al Hashlamoun)
Ein palästinensisches Mädchen schubst einen israelischen Soldaten bei einer Demonstration gegen Israels Siedlungsausbau. (picture alliance / dpa / Abed Al Hashlamoun)

Nach der offiziellen Anerkennung des Staates Palästina bei der UNO hat Israel den Ausbau jüdischer Siedlungen im besetzten Palästinensergebieten genehmigt. Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem dürfen 3000 neue Wohneinheiten gebaut werden - weitere Tausende sind angeblich in der Planung.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach vor der UN-Vollversammlung stolz von einer "Geburtsurkunde des Staates Palästina". Dieses nun anerkannte zerstückelte Staatengebilde besteht aus dem Gazastreifen, dem Westjordanland und Ost-Jerusalem. In letzteren beiden Regionen will Israel nun die mit jüdischen Siedlungen besetzten Gebiete weiter ausbauen: Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu genehmigte unmittelbar nach dem UN-Votum den Bau von 3000 neuen Wohnungen. Außerdem sei angeordnet worden, für "weitere tausende" Neubauten Bauland vorläufig abzustecken und zu planen, sagte ein Regierungssprecher.

Damit verstößt Israel erneut gegen internationale Bestimmungen. Im jüngsten Nahost-Friedensplan von 2002 war Israel der Siedlungsbau untersagt worden. Seitdem hat sich nach Angaben der Stiftung für Frieden in Nahost die Zahl der Bewohner in den rund 160 Siedlungen auf rund 530.000 Menschen fast verdoppelt.

Widerstand von Abbas und aus dem Weißen Haus

Bau jüdischer Siedlungen in Ostjerusalem (picture alliance / dpa / Jim Hollander)Löst Proteste aus: der Bau jüdischer Siedlungen in Ostjerusalem. (picture alliance / dpa / Jim Hollander)Israels engster Verbündeter, die USA, verurteilte die neuerlichen Siedlungspläne - wie schon bei vorherigen Ankündigungen. Diese Reaktion sei "kontraproduktiv", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Auf diese Weise werde es noch schwieriger, Israelis und Palästinenser für Friedens- und Waffenstillstandsgespräche an einen Tisch zu bringen. Der US-Regierungssprecher betonte, für beide zerstrittene Nationen sei es das Gebot der Stunde, alles zu tun, um direkte Verhandlungen zu ermöglichen.

Palästinenserpräsident Abbas kritisierte die Entscheidung Israels scharf. Es gebe "nicht weniger als 15 UN-Resolutionen", die die "illegale Besiedlung" als Hindernis für den Frieden bezeichneten, sagte Abbas in New York. "Warum stoppen sie (die Israelis) die Besiedlung nicht?"

Schärfere Worte kommen aus der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), der Abbas vorsitzt. Hanan Aschrawi vom PLO-Exekutivkomitee bezeichnete die Ankündigung des Wohnungsbaus als "israelische Aggression gegen einen Staat". Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Verantwortung wahrnehmen und darauf reagieren, sagte Aschrawi in Ramallah im Westjordanland. In einer historischen Entscheidung hatte die Weltgemeinschaft Palästina am Donnerstag als Staat anerkannt - mit einer überwältigenden Mehrheit von 138 Ja-Stimmen bei 9 Gegenstimmen und 41 Enthaltungen. Auch Deutschland hatte sich enthalten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:10 Uhr Deutschland heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Mays Bündnis mit der DUP"Diese Regierung wird lange bestehen"

Die britische Premierministerin Theresa May mit der Vorsitzenden der nordirischen DUP-Partei Arlene Foster vor Downing Street Nummer 10 (26.6.2017). (AFP / Daniel Leal-Olivas)

Für ihre Minderheitsregierung ist die britische Premierministerin Theresa May ein Bündnis mit der nordirischen Partei DUP eingegangen. Der britische Historiker Brendan Simms ist optimistisch, was den Bestand dieses Bündnisses angeht: " Ich rechne damit, dass diese Regierung relativ lange bestehen wird", sagte er im Dlf.

Türkei verbannt Charles Darwin aus den Schulen "Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben"

Die Evolution des Menschen (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)

Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von "Borniertheit" in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

ETHEREUMCrash bei der Cyberwährung

Ethereum ist eine Kryptowährung, die in den vergangenen Wochen einen sagenhaften Aufstieg hinter sich. Doch jetzt gab es einen Crash. Die zeigen ziemlich deutlich, wo die Gefahren dieser Währung liegen.

WohnprojektFlüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge unter einem Dach

Sharehaus Refugio - mit Flüchtlingen leben. (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Flüchtlinge sollen nicht abgeschottet in Asylbewerberheimen leben. Das ist die Grundidee des Share-Hauses "Refugio". Das mächtige Gründerzeithaus in Berlin-Neukölln gehört der Evangelischen Kirche – genauer: der Berliner Stadtmission. Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge wohnen unter einem Dach. Funktioniert das?

Religion und WirtschaftUmverteilen mit Luther

Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)

Allzu oft werde übersehen, dass es bei Luthers Kritik am Ablasshandel auch ums Geld ging, meint der Theologe Christoph Fleischmann. Gottes Gnade sei umsonst - und das habe auch Konsequenzen für die Verteilung von Geld und Ressourcen in der Gesellschaft.

Vor 10 Jahren: Mumie identifiziertHatschepsut - die mächtigste Frau Ägyptens

Büste des weiblichen Pharao Hatschepsut im Terrassentempel im Tal der Königinnen in Theben-West. (imago / Harald Lange)

Von 1479 bis 1458 v. Chr. regierte die Pharaonin Hatschepsut als mächtigste Frau Ägyptens. Ihre Mumie galt über 3.000 Jahre als verschollen. 2007 gelang es ägyptischen Wissenschaftlern, eine bereits 1903 entdeckte Mumie als die der Pharaonin Hatschepsut zu identifizieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Kommission  Rekordstrafe gegen Google | mehr

Kulturnachrichten

Diskussion um Institut für Islamische Theorie  | mehr

 

| mehr