Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Israelische Luftangriffe in Syrien forderten mehrere Todesopfer

Syrische Presse nutzt Raketenbeschuss für Propaganda

Israelischer Kampfjet vom TypF15 (picture alliance / dpa / Oliver Weiken)
Israelischer Kampfjet vom TypF15 (picture alliance / dpa / Oliver Weiken)

Die offenbar von Israel durchgeführten Luftangriffe auf Syrien haben die Sorge vor einer Eskalation wachsen lassen. Nach Oppositionsangaben kamen bei den Attacken am Wochenende mindestens 15 syrische Soldaten ums Leben. Syriens Staatsmedien nutzen dies für Propagandazwecke. China mahnt zu Zurückhaltung.

Bei den Luftangriffen auf ein militärisches Forschungszentrum nahe Damaskus sind nach Informationen der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 15 syrische Soldaten getötet worden. Dutzende würden vermisst, sagte der Leiter Rami Abdel Rahman in London. Andere Oppositionelle sprechen sogar von mehr als 40 Toten. Die syrischen Behörden gaben bislang keine Zahlen bekannt. Laut Abdel Rahmans Erkenntnissen wurden drei Militäranlagen beschossen. Darin hielten sich zu normalen Zeiten 150 syrische Soldaten auf. "Es ist aber nicht klar, ob sie alle zur Zeit der Angriffe dort waren", sagte er.

Am Wochenende hatte es zwei Luftangriffe gegeben. Beide wurden nach anonymen Angaben aus Geheim- und Regierungskreisen in mehreren Länder von der israelischen Armee geflogen. Offizielle Bestätigungen von der Regierung in Jerusalem gibt es nicht. Ein israelischer Verantwortlicher sagte der Nachrichtenagentur AFP, beide Attacken zielten auf Waffenarsenale, die für die israelfeindliche Hisbollah-Miliz im Libanon bestimmt gewesen seien.

"Israel stützt die bewaffneten Terrorgruppen im Land

Die Luftangriffe werden von den syrischen Staatsmedien propagandistisch ausgenutzt. "Der Angriff beweist, dass die bewaffneten Terrorgruppen im Land von Israel gestützt werden", schreibt die regimetreue Zeitung Al Thawra: "Ganz offensichtlich hat Israel grünes Licht von den USA bekommen." Darüber hinaus werden die Angriffe offenbar instrumentalisiert, um die Kampfmoral der eigenen Truppen zu beschwören: "Sie sind eine Reaktion auf die endlosen Erfolge der syrischen Armee", führt die syrische Zeitung "Al Thawra" aus, die in unserer Internationalen Presseschau zitiert wird neben weiteren Stimmen unter anderem aus Iran und Israel.

Unterdessen warnt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), dass die Konfliktgegner immer grausamer vorgingen und sich kaum noch um Verletzte und Tote kümmerten. Für humanitäre Helfer werde es zudem gefährlicher, heißt es in einem in Genf veröffentlichten Bericht. Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen sollen die syrischen Rebellen Giftgas eingesetzt haben. "Nach den Aussagen, die wir gesammelt haben, haben die Rebellen Chemiewaffen eingesetzt und auf das Gas Sarin zurückgegriffen", sagte Carla del Ponte, Mitglied der UN-Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien. "Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen." Der Sprecher der Freien Syrischen Armee, Luai al-Mekdad, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir besitzen kein Sarin-Gas, und wir streben auch nicht danach, es in unseren Besitz zu bringen." Rebellen und syrische Regierung werfen sich seit einigen Wochen gegenseitig den Einsatz von Giftgas vor.

China: "Souveränität eines jeden Staates muss respektiert werden

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten zu äußerster Zurückhaltung auf. Auch China rief zum Gewaltverzicht auf. "Wir sind der Meinung, dass die Souveränität eines jeden Staates respektiert werden soll", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, in Peking. China verlange, jegliche Handlungen zu vermeiden, die die Lage weiter eskalieren lassen könnten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird heute in Shanghai erwartet und will am Mittwoch zu Gesprächen mit der chinesischen Führung nach Peking reisen

Die auflagenstarke israelische Tageszeitung "Jediot Ahronot" berichtet, das israelische Kabinett habe über diplomatische Kanäle noch am Sonntag dem syrischen Staatschef Baschar al-Assad eine Geheimbotschaft zugestellt. In dieser werde versichert, "dass Israel nicht die Absicht hat, sich in den Bürgerkrieg in Syrien einzumischen".


Mehr zum Thema:

"Wir erleben mittlerweile einen Stellvertreterkrieg" - Nahost-Experte sieht wenige Optionen für eine friedliche Lösung im Syrien-Konflikt
Obama bleibt zurückhaltend - Einsatz von Chemiewaffen in Syrien überschreitet "rote Linie"
Entschlossenheit der Obama-Regierung auf dem Prüfstand - USA muss auf Meldungen über Chemiewaffeneinsatz in Syrien reagieren
Obamas gefährliches Spiel auf Zeit - Chemiewaffen in Syrien und die "rote Linie" der USA
Mißfelder schließt militärische Lösung in Syrien nicht aus - Außenpolitischer Sprecher der Union plädiert aber für politischen Weg

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Neuer Büchner-Preisträger "Ich bedaure Autoren, die nur Romane schreiben"

Der Schriftsteller Marcel Beyer (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Gerne nimmt sich der neue Georg-Büchner-Preisträger Marcel Beyer der Nachkriegszeit in Bundesrepublik und DDR an - stets mit Rückbezügen auf die NS-Zeit. Auslöser, sich mit Geschichte zu befassen, war Beyer zufolge die Fernsehberichterstattung über den Fall der Mauer. "Geschichte ist etwas, was sich ganz akut in dieser Sekunde vollziehen kann", sagte der Schriftsteller im Deutschlandfunk.

Nobelpreisträgertagung in LindauKluge Köpfe am Bodensee

Das Handout vom 26.06.2016 zeigt das Publikum bei der Eröffnung der Nobelpreisträgertagung im Lindauer Stadttheater. (Christian Flemming  /Lindau Nobel Laureate Meetings / dpa)

Noch bis Ende der Woche läuft in Lindau das 66. Treffen der Nobelpreisträger, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Physik. Dass die Teilnehmer neben ihrem wissenschaftlichen "Know How" einen Sinn für Humor haben, das erfuhr Thomas Wagner bei seinem Besuch.

Arabische Clans in Berlin-NeuköllnVon falschen und enttäuschten Hoffnungen

Polizisten führen bei einem Einsatz eine Person in Handschellen aus einem Haus in Berlin im Bezirk Neukölln. (dpa/ picture-alliance/ Gregor Fischer)

Im April haben Sondereinsatzkommandos der Polizei bei Razzien in Berliner Wohnungen acht Männer festgenommen. Sie gehörten zu kurdisch-arabischen Clans, die speziell im Berliner Stadtteil Neukölln für schwere und organisierte Kriminalität bekannt sind. Wer sich auf die Suche nach Gründen dafür macht, stößt auf Geschichten von Entwurzelung und enttäuschten Hoffnungen. Für den deutschen Staat wird es Zeit, aus Fehlern zu lernen.

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach Istanbul-Anschlag  Behörden rekonstruieren Tathergang | mehr

Kulturnachrichten

Neuer Förderfonds für zeitgenössische Musik  | mehr

Wissensnachrichten

Computer  10.000 Dollar, weil Windows 10 den Rechner lahmlegt | mehr