Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Israels Luftwaffe zerstört Regierungssitz der Hamas

Eine Bodenoffensive des israelischen Militärs im Gazastreifen wird immer wahrscheinlicher

Eine israelische Rakete schlägt in Gaza-Stadt ein. (picture alliance / dpa / EPA / Mohammed Saber)
Eine israelische Rakete schlägt in Gaza-Stadt ein. (picture alliance / dpa / EPA / Mohammed Saber)

Die israelische Armee hat am frühen Morgen erneut Ziele im Gazastreifen beschossen. Nach palästinensischen Angaben bombardierte sie mehrfach die Zentrale der Hamas-Regierung in Gaza-Stadt, Augenzeugen berichteten von schweren Schäden am Gebäude.

Wie die Hamas mitteilte, wurde auch das Büro von Regierungschef Ismail Hanija getroffen. Dort hatte dieser gestern noch Ägyptens Ministerpräsidenten Hischam Kandil empfangen. Eigentlich wollte Kandil zwischen beiden Seiten schlichten und für einen Waffenstillstand werben. Doch eine für den Besuch verabredete Feuerpause hielt nicht, Kandil beendete ihn daraufhin vorzeitig.

Bodenoffensive immer wahrscheinlicher

Israelischer Merkava-Panzer am Gaza-Streifen (15.10.2012) (picture alliance / dpa / Jim Hollander)Israel verlegt Militärgerät an die Grenze zum Gazastreifen. (picture alliance / dpa / Jim Hollander) Das israelische Militär hat seit Mitte der Woche mehr als 800 Ziele im Gazastreifen bombardiert. Wie die Armee mitteilte, flog die Luftwaffe allein in der vergangenen Nacht rund 180 Angriffe, darunter auf Werkstätten zum Bau von Raketen. Weitere Ziele waren die Polizeizentrale der Hamas im Westen von Gaza-Stadt, das im Norden der Stadt gelegene Hauptquartier der Inneren Sicherheit sowie das Haus eines Vertreters des Innenministeriums im Flüchtlingslager Dschabalja.

Einiges deutet darauf hin, dass Israel Bodentruppen in den Gazastreifen schicken will. Israel berief bislang 16.000 Reservisten ein, um eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen vorzubereiten. Das Kabinett stimmte aber bereits einer Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten zu. Korrespondenten berichten zudem, dass Panzer und anderes schweres Gerät auf dem Weg nach Gaza sind.

In der Nacht sollen Panzer, gepanzerte Truppentransporter und zahlreiche Soldaten ins Grenzgebiet verlegt worden sein. Israelische Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Hamas seit der bislang letzten Bodenoffensive im Gazastreifen vor vier Jahren massiv aufgerüstet hat und über etwa 12.000 Raketen verfügt.

Obama telefoniert mit Ägypten und Israel

Angesichts der wachsenden Gefahr einer Gewaltexplosion im Nahen Osten verstärkten die USA ihre Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi, um nach Wegen zu suchen, die Lage zu entschärfen, wie das Weiße Haus mitteilte. Der Präsident bedauerte den Tod von Israelis und Palästinensern. Er lobte Mursis Bemühungen um eine Entspannung der Situation, bekräftigte aber gleichzeitig Israels Recht auf Selbstverteidigung.

Kontakte gibt es auch zwischen Washington und der Regierung in Kairo: Gleich zweimal habe die US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem ägyptischen Amtskollegen telefoniert. Doch seien den USA die Hände gebunden, da niemand in Washington gegenwärtig wisse, wie belastbar die ägyptisch-amerikanischen Beziehungen seien, heißt es in der amerikanischen Hauptstadt.

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, warnt vor einer Eskalation der Gewalt zwischen der Hamas und Israel: Es bestehe die große Gefahr, dass der Konflikt außer Kontrolle gerate, sagte Primor im Deutschlandradio Kultur: "Israels Vorbereitungen für eine Bodenoffensive muss man ernst nehmen."

Der Leiter der palästinensischen Mission in Deutschland, Salah Abdalshafi, äußerte die Hoffnung, dass es nicht zu einem Krieg zwischen den Konfliktparteien kommt. Unter einer israelischen Bodenoffensive wird vor allem die Zivilbevölkerung leiden", sagte er im Deutschlandfunk. Abdalshafi setzt nach eigenen Worten auf einen Waffenstillstand unter Vermittlung der ägyptischen Regierung.

In dem Gespräch mit Hamas-Chef Ismail Hanija hatte Ägyptens Ministerpräsidenten Hischam Kandil versichert, Ägypten stehe unverbrüchlich an der Seite der Palästinenser. Er werde "alles tun, um die israelische Agression zu stärken", sagte Kandil in die Fernsehkameras, bevor er am Freitag vorzeitig abreiste. Anders als bei früheren Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien stellte sich das neue Ägypten demonstrativ hinter die Hamas.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte die Hamas und Israel zu einem Ende der Gewalt. Israel müsse sich im Gegenzug in "maximaler Zurückhaltung" üben. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sprach von einer "neuen Dimension" der Bedrohung. Aus der Stadtverwaltung von Tel Aviv hieß es, für Israel stelle der Raketenbeschuss eine "dramatische Eskalation" dar.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:35 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Germanistin Sandra Richter"Deutschsprachige Literatur wird global wahrgenommen"

Eine junge Frau betrachtet im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar eine Porträtbüste von Johann Wolfgang Goethe. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Rockstars und Jeansdesigner nutzen Rilke-Verse als Kontext. Und es gibt viele weitere Bespiele für den weltweiten Einfluss deutscher Literatur. Die Germanistin Sandra Richter hat ein Buch über deren Weltgeschichte veröffentlicht – "eine Geschichte des kulturellen Austauschs".

Antisemitismus in Deutschland"Wir brauchen eine gesellschaftspolitische Offensive"

Volker Beck (Grüne) spricht am 03.06.2016 im Deutschen Bundestag in Berlin. (dpa)

Auf Demonstrationen in Berlin wurden kürzlich israelische Flaggen verbrannt. Volker Beck von den Grünen fordert deswegen mehr Aufklärung über Antisemitismus. Allein mit ordnungspolitischen Maßnahmen ließe sich das Problem nicht lösen, sagte er im Dlf.

80 Jahre Bunker in WünsdorfNazis, Russen und Touristen

Ein Bunker im Wald nahe dem brandenburgischen Ort Wünsdorf. (Philipp Buder/Thomas Klug)

1937 wurde im brandenburgischen Wünsdorf mit dem Bau streng geheimer Bunker begonnen – das Oberkommando der Wehrmacht sollte von dort den Zweiten Weltkrieg dirigieren. Die Bunkeranlagen sind mittlerweile ein Mahnmal und locken viele Touristen an.

Soziale MedienWas Facebook mit unseren Gehirnen macht

Eine Computersimulation des menschlichen Gehirns mit roten bis blauen Flächen. Je rötlicher ein Areal, desto mehr Myelin ("weiße Substanz") gibt es dort. (Nature / Matthew F. Glasser, David C. Van Essen)

Warum werden einige Jugendliche regelrecht süchtig nach sozialen Medien? Facebook etwa bediene sich raffinierter Mechanismen, um Usern vorzugaukeln, sie seien dort unersetzlich - und Facebook unentbehrlich für sie, sagt Neurowissenschaftlerin Franca Parianen.

NiedersachsenAuf der Suche nach Glyphosat-Alternativen

Ein Traktor bringt Glyphosat auf einem Feld in Niedersachsen aus (picture alliance/ dpa/ Steven Lüdtke)

Ein "Weiter so!" in Sachen Glyphosat darf es nicht geben: Darin sind sich Vertreter von CDU, SPD und Grünen im Landtag in Hannover einig. Ob und welche Alternativen für die Landwirtschaft in Niedersachsen bestehen, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander.

WeihnachtenJesus ist konsumkompatibel

Die "Herz-Jesu-Darstellung", eine aufwendig handbemalte Jesus-Figur aus Spanien ist im Devotionalien-Laden "Ave Maria" in der Potsdamer Straße in Berlin zu bewundern. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)

Bescheidenheit und Besinnung statt Völlerei und Verschwendung? Jedes Jahr gehen die guten Vorsätze im vorweihnachtlichen Kaufrausch unter. Und zwar auch deshalb, weil Religion und Massenkonsum zusammengehören, meint Matthias Gronemeyer.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Regierungsbildung  SPD-Spitze für Sondierung | mehr

Kulturnachrichten

Ralph Rugoff kuratiert die Venedig-Biennale 2019 | mehr

 

| mehr