Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

IWF empfiehlt Spaniens Banken Finanzhilfen

Auch Deutschlands Bonität gerät unter Druck

Reichen 40 Milliarden Euro zur Rettung spanischer Banken? (dpa / Martin Gerten)
Reichen 40 Milliarden Euro zur Rettung spanischer Banken? (dpa / Martin Gerten)

Neben der ungewissen Zukunft Griechenlands in der Eurozone sorgt auch Spanien für Druck auf die Währungsgemeinschaft. Der marode Bankensektor braucht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds massive Finanzhilfe: 40 Milliarden Euro - mindestens, besser das doppelte, hieß es. Es wäre das vierte Land am Eurotropf.

In der Eurokrise galt Deutschland bislang als Primus inter pares. Doch die Unsicherheit über den politischen Kurs der Eurozone sowie die wachsende Ungleichheit in der Währungsgemeinschaft werfen einen dunklen Schatten auf den Musterschüler in Sachen Schuldenabbau und gleichzeitigem Wirtschaftswachstum.

Die US-Ratingagentur Moody's warnt die Bundesrepublik vor einer Herabstufung seiner exzellenten Bonität. Sollte etwa Griechenland den Euroraum verlassen, bedeute dies in Augen der Ratingagentur eine Bedrohung für die Zukunft der Währung. Dann müssten Länder mit der Bestnote "AAA" wie Deutschland neu bewertet werden. Somit würden auch neue über Staatsanleihen finanzierte Kredite teurer. In Griechenland wird das Parlament am 17. Juni neu gewählt. Eines der Hauptthemen im Wahlkampf ist der Verbleib in der Eurozone.

40.000.000.000 Euro

Das spanische Geldhaus Bankia in Madrid (picture alliance / dpa / Leonardo Wen)Spanische Banken in der Schieflage: Die Zentrale der Bankia in Madrid (picture alliance / dpa / Leonardo Wen)Prekär ist auch die Lage in der spanischen Wirtschaft: Eine Rezession wird in diesem und im nächsten Jahr erwartet; der Bankensektor steckt wegen der 2007 einsetzenden Immobilienkrise noch immer in der Krise. Das belastet die Wirtschaft im Land. Der Internationale Währungfonds (IWF) schätzt den Finanzbedarf auf mindestens 40 Milliarden Euro, um die Finanzindustrie zu retten und zu sichern. Sturmsicher seien die Geldhäuser erst mit dem anderthalb bis zweifachen des errechneten Finanzbedarfs, sagte die stellvertretende IWF-Direktorin Ceyla Pazarbasioglu.

Der Währungsfonds blickt verhalten optimistisch in die Zukunft: Der spanische Bankensektor sei gut geführt, aber anfällig. Für eine Neuordnung der Finanzbranche empfiehlt der IWF den Banken, zusätzliches Kapital aufzunehmen. Vor allem kleinere Banken mit geringen Kapitalreserven belasten die Branche. Wegen dieser kostspieligen Neuordnung hatte die US-Ratingagentur Fitch die Bonität Spaniens um drei Stufen gesenkt, knapp über Ramschniveau.

Spanien in der Zwickmühle

Die spanische Regierung hat aber noch nicht entschieden, ob es derartige Finanzhilfen annehmen will, die der europäische Rettungsfonds EFSF für solche Fälle bereit hält. Einerseits benötigt die Regierung das Geld, andererseits sind damit höhere Auflagen verbunden. Heute Nachmittag wollen die Finanzminister der Eurozone miteinander telefonieren. Sie rechnen mit einem Antrag Spaniens auf europäische Hilfsgelder, hieß es. Spanien wäre nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Land am Eurotropf.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, verlangte im Deutschlandradio Kultur eine rasche Lösung der spanischen Bankenkrise. Er gab aber mit Blick auf die breiteren Probleme in Athen zu bedenken: "Vielleicht haben wir in Griechenland zu sehr aufs Tempo gedrückt".

Frank Schäffler, MdB (frank-schaeffler.de)Frank Schäffler, FDP (frank-schaeffler.de)Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler ist strikt gegen eine mögliche Unterstützung Spaniens mit EFSF-Mitteln. Solche Brandmauern würden nicht helfen, sondern setzten Anreize, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. "Die Spanier sozialisieren ihre Risiken aktuell auf den europäischen Steuerzahler", sagte Schäffler im Deutschlandfunk. "Das ist falsch verstandene Solidarität." In Europa müsse das Haftungsprinzip mit den geltenden Regeln durchgesetzt werden.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und der SPD-Finanzpolitiker Peer Steinbrück ermutigten die Spanier dagegen, auf den Fonds zurückzugreifen. Das Instrumentarium sei vorhanden, und Spanien könne so das Vertrauen in seine Banken stärken. Das sieht die US-Ratingagentur Moody's ganz anders: Ein Eingreifen der europäischen Partner mit Finanzhilfen könne eine weitere Herabstufung Spaniens und der Euroländer nach sich ziehen. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte in der "Passauer Neuen Presse", die Hilfen durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung an den Finanzmärkten verbunden. Besser seien dreikte Hilfen an die Banken.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Rürup über Altersarmut"Die Politik muss etwas tun"

Der Sozialexperte Bert Rürup (20.11.2014) (dpa / Oliver Berg)

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist ab 2036 jeder fünfte Neu-Rentner von Armut bedroht. Die Politik müsse auf diese Prognosen dringend reagieren, sagte Rentenexperte Bert Rürup. Noch sei Zeit gegenzusteuern: "Die Solidarrente ist die richtige Antwort", so Rürup im Dlf.

Linksautonome Gewaltaufrufe vor G20-Gipfel"Der Veranstaltungsort Hamburg stellt ein großes Risiko dar"

Das Logo des G20-Gipfels hängt am 22.06.2017 in Hamburg in den Messehallen. Zum zweitägigen G20-Gipfel in der Hansestadt am 7. und 8. Juli werden Staats- und Regierungschefs aus 20 Industrie- und Schwellenländern und Hunderte Journalisten aus zahlreichen Ländern weltweit erwartet.  (picture alliance / dpa / Axel Heimken)

Vor dem G20-Gipfel mehren sich im Netz linksautonome Gewaltaufrufe. Der Extremismusforscher Hans-Gerd Jaschke hält es für einen Fehler, das Treffen ausgerechnet in Hamburg abzuhalten – einem Zentrum der Autonomenszene. Deren zunehmende Militanz sei auch mit dieser Wahl zu erklären.

FAKE-NETWORKBinky beruhigt bei Social-Media-Stress

Ihr liked mal hier, shared mal da und scrollt durch irgendwelche Posts. Weil sich das besser anfühlt als gar nix zu tun. Dann könnte Binky genau euer Ding sein. Die App macht genau das. Nur ohne Folgen.

Generalsekretär Hubertus Heil"Die SPD hat klare Inhalte"

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende, Martin Schulz (r), besichtigt am 24.06.2017 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) zusammen mit SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die Westfalenhalle für den SPD-Parteitag. Die Sozialdemokraten wollen am 25.06.2017 auf dem Parteitag ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahl beschließen.  (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat der Union Ideenlosigkeit vorgeworfen. Die CDU lasse Plakate drucken, ohne ein Programm zu haben, sagte Heil im Dlf. Statt ein Steuerkonzept vorzulegen, verspreche sie "Steuergeschenke für sehr, sehr wohlhabende Menschen".

Ökonom über Altersarmut"Es gibt keine Alternative zur Rente mit 67"

Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo Instituts Dresden, spricht am 20.10.2016 in Bad Saarow (Brandenburg) beim ersten ostdeutschen Wirtschaftsforum. Nach dem Vorbild des Weltwirtschaftsforums in Davos wollen Politiker, Wissenschaftler und Manager in Bad Saarow über die Aussichten der ostdeutschen Wirtschaft reden.  (picture alliance / dpa / Bernd Settnik)

Der Ökonom Joachim Ragnitz hat die Konzepte der Parteien zur Stabilisierung des Rentensystems kritisiert. Die Vorschläge böten etwa keine Lösung für das immer größer werdende Problem der Altersarmut, sagte der stellvertretende Leiter der ifo Instituts Dresden im Dlf.

Ein Plädoyer für ethisches Bauen Nehmt Abschied von der Spektakel-Architektur!

Während des Eröffnungskonzerts wird am 11.01.2017 am Hafen in Hamburg die Elbphilharmonie illuminiert. Das Konzerthaus wurde am Abend feierlich eröffnet. (dpa /Bodo Marks )

Einerseits fehlt in den Städten bezahlbarer Wohnraum, andererseits werden auf Filetgrundstücken ständig neue Spektakelbauten eingeweiht - ein Skandal, findet Architekturkritiker Klaus Englert. Er fordert eine neue, ethische Architektur.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Travel Ban  Supreme Court setzt Teile von Trumps Erlass wieder in Kraft | mehr

Kulturnachrichten

Gericht ordnet Exhumierung von Dalí an  | mehr

 

| mehr