Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Jagd auf somalische Seeräuber jetzt auch an Land

Bundestag stimmt für Küsteneinsätze der Atalanta-Mission

Die Bundeswehr darf im Rahmen der "Atalanta"-Mission somalische Piraten künftig auch an Küstenstreifen bekämpfen. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Die Bundeswehr darf im Rahmen der "Atalanta"-Mission somalische Piraten künftig auch an Küstenstreifen bekämpfen. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Deutsche Soldaten dürfen am Horn von Afrika künftig auch an Land Piraten bekämpfen - allerdings nur aus der Luft. Das entschied der Bundestag mit schwarz-gelber Mehrheit. SPD und Grüne kritisierten das neue Mandat als verantwortungslos.

Nach der neuen Regelung darf die deutsche Marine im Rahmen der EU-Seemission "Atalanta" jetzt auch Stellungen somalischer Seeräuber angreifen, die bis zu 2000 Meter von der Küste entfernt liegen. Die EU hatte sich bereits im März darauf geeinigt, Waffen, Boote und Materiallager der Piraten auch an der Küste zu zerstören.

Außenminister Guido Westerwelle warb im Bundestag für die Ausweitung des Mandats an der Küste Somalias, die wegen der dort operierenden Piraten als eins der gefährlichsten Gewässer der Welt gilt. Er halte es für eine "menschliche Verpflichtung, Piraterie robust und beherzt zu bekämpfen", sagte Westerwelle. Deutschland als größte Handelsnation Europas dürfe den Schutz von Handelswegen nicht anderen überlassen.

Grüne kritisieren "Abenteuermission"

Oppositionspolitiker warfen der Bundesregierung vor, sie verschweige die Risiken der Mandats-Erweiterung. "Sie sind dafür verantwortlich, dass aus einer vernünftigen Mission eine Abenteuermission wird", sagte die Grünen-Abgeordnete Kerstin Müller. Der SPD-Fraktionsvize Gernot Erler warf der Regierungskoalition vor, kein Interesse mehr an einem parteiübergreifenden Konsens zu haben. Bereits vor der namentlichen Abstimmung hatten SPD und Linke ihr Nein angekündigt. Die Grünen wollten sich enthalten.

Ein französischer Soldat an Bord der Luxusyacht "Le Ponant" hält Ausschau nach Piraten. Im Hintergrund die Fregatte "Jean de Vienne". (AP/Ecpad)Europäische Einheiten sind am Horn von Afrika seit Dezember 2008 im Einsatz. (AP/Ecpad)

Einsätze am Boden weiterhin nicht erlaubt

Die Angriffe auf küstennahe Stellungen der Seeräuber sollen mit Hubschraubern von Bord der großen "Atalanta"-Schiffe geflogen werden. So hat die deutsche Fregatte "Bremen" zwei Helikopter dabei. Bisher durften europäische Marine-Einheiten Piraten nur auf See verfolgen und mussten tatenlos zusehen, wenn sich die Seeräuber an Land flüchteten. Insgesamt befinden sich zurzeit mehr als 300 deutsche Soldaten in der Region. Ihr Einsatz am Boden bleibt grundsätzlich verboten.

Europäische Einheiten sind am Horn von Afrika seit Dezember 2008 im Einsatz. An der EU-Mission sind durchschnittlich fünf Schiffe beteiligt, die auch Transporte des Welternährungsprogramms WFP zur Versorgung somalischer Flüchtlinge begleiten. Bei der Jagd auf Seeräuber arbeiten sie mit der NATO und weiteren Einheiten unter nationalem Kommando zusammen.

Mehr zum Thema im Deutschlandradio:
Marineadmiral Hans Frank über die Mandatserweiterung für die Mission Atalanta
SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels zum erweiterten Pirateneinsatz in Somalia
Kommentar: Kabinett beschließt Ausweitung des "Atalanta"-Mandates

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kulturnachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

RegierungsbildungSPD unter Druck

Die SPD-Politiker Sigmar Gabriel und Martin Schulz im Bundestag (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Der Bundespräsident bittet zum Gespräch. Nach FDP und Grünen ist nun die SPD für Donnerstag ins Schloss Bellevue geladen. Zwar hält Martin Schulz an seiner Absage an eine Große Koalition fest, doch in der SPD wächst die Sorge, dass die Genossen als Totalverweigerer dastehen könnten.

Aktion des Zentrums für politische SchönheitEin Holocaust-Mahnmal vor Höckes Haustür

Das "Denkmal der Schande", ein verkleinerter Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals, ist am 22.11.2017 in Bornhagen im Eichsfeld (Thüringen) in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Höcke zu sehen. (dpa / Swen Pförtner)

Das Zentrum für politische Schönheit hat Björn Höcke eine stark verkleinerte Version des Berliner Holocaust-Mahnmals aufs Nachbargrundstück gestellt. So hat der AfD-Rechtsaußen nun täglich einen direkten Blick auf das "Denkmal der Schande", wie er es selbst einst nannte. Fragt sich jetzt nur: wessen Schande?

MigrationKlimawandel als Fluchtursache

Menschen bewohnen die Karibikinsel Barbuda seit der Verwüstung durch Hurrikan Irma noch nicht wieder (Deutschlandradio/ Anne-Katrin Mellmann)

Einen Zusammenhang von Fluchtbewegungen und klimatischen Veränderungen beobachten Wissenschaftler schon seit Jahrhunderten. Als Fluchtursache wird der Klimawandel in Zukunft aber wohl eine immer größere Rolle spielen, sagen Experten. Klimaschutz alleine kann die Fluchtbewegungen jedoch nicht aufhalten.

Spielfilm über den IS"Wenn Ideologie tief sitzt, gibt es nichts zu verlieren"

Der Regisseur Züli Aladag mit seinen Hauptdarstellern Tamer Yigit (l) und Edin Hasanovic (r) (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Warum schließen sich junge Deutsche, auch ohne Migrationshintergrund, dem IS an, reisen sogar in den Krieg? Was passiert dort mit ihnen? Und was, wenn sie zurück sind? Der Regisseur Züli Aladag hat den dreistündigen Film "Brüder" über diese Fragen gedreht.

Qualitätsschaumweine im TestGuter Sekt muss nicht teuer sein

Ein Sektkorken schießt aus einer Sektflasche heraus. (imago/Westend61)

Es muss nicht immer Schampus sein: Die Stiftung Warentest hat die in Deutschland am häufigsten verkauften Sektmarken untersucht - vom teuren und edlen Tropfen bis hin zum Discounterangebot. Und: Die meisten konnten überzeugen.

Lust am BösenDie Rückkehr der Schauergeschichte

Zombie-Angriff einer Zoomitarbeiterin bei "Halloween im Zoo" in Stuttgart am 31.10.2016 (dpa / picture alliance / Benjamin Beytekin)

Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert waren Schauergeschichten angesagt. Irene Binal ist eine bekennende Anhängerin, hat eine neue Schauer-Anthologie gelesen und fragt, wo die Gespenster heute eigentlich abgeblieben sind.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ratko Mladic  Lebenslange Haft für den "Schlächter von Bosnien" | mehr

Kulturnachrichten

"In aller Freundschaft"-Hauptdarsteller ist tot | mehr

 

| mehr