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Jan Ullrich soll mit Epo gedopt haben

Anti-Doping-Kommission belastet Teilnehmer der Tour de France 1998

Der deutsche Radsportler Jan Ullrich und der Italiener Marco Pantani sollen bei der Tour de France 1998 mit dem Hormonpräparat Epo gedopt haben. Auch andere prominente Namen tauchen auf der Untersuchungsliste des französischen Senats auf.

Neben Pantani und Ullrich sollen auch der deutsche Sprinter Erik Zabel, die Franzosen Laurent Jalabert und Jack Durand, der italienische Ex-Weltmeister Mario Cipollini und der Spanier Abraham Olana das leistungssteigernde Mittel genommen haben, berichten französische Medien.

Sie beziehen sich dabei auf einen Untersuchungsbericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats. Bei der Präsentation des Berichts hatte die Kommission zunächst auf die Nennung von Namen verzichtet. Auf die konkrete Frage, ob die früheren deutschen Radstars Ullrich und Erik Zabel betroffen sind, wich Kommissionspräsident Jean-François Humbert auf einer Pressekonferenz in Paris aus: "Ich betone noch einmal, wir sind weder Polizei noch Richter."

Tour 1998 gilt ohnehin als Skandalrennen

In dem Bericht wurden die Identifikationsnummern der Proben aufgelistet, die französische Medien den Fahrern zuordnen konnten. Ähnlich waren bereits die sechs positiven Proben von Lance Armstrong bei der Tour de France 1999 entschlüsselt worden.

Die Tour 1998 galt angesichts der Festina-Affäre ohnehin schon als beispielloses Skandalrennen. Auf dem Weg nach Dublin, wo die Rundfahrt begann, wurde Festina-Teambetreuer Willy Voet drei Tage vor dem Startschuss an der belgisch-französischen Grenze festgenommen. Voet war mit rund 400 Ampullen Epo und weiteren Dopingpräparaten unterwegs. Das gesamte Festina-Team um Richard Virenque wurde im Anschluss von der Rundfahrt ausgeschlossen. Viele weitere Teams verließen die Tour ebenfalls. Nur 14 von 21 Mannschaften erreichten noch Paris.

Der Anti-Doping-Ausschuss hatte anonymisierte Epo-Nachtests aus dem Jahr 2004 den getesteten Profis zugeordnet, nachdem 1998 noch nicht auf diesen Wirkstoff getestet worden war. In den sechs Jahre nach der Tour durchgeführten Untersuchungen fielen fast alle Tests positiv aus.

Ullrich: Bin kein Schwindler

Profitiert Ullrich etwa von der Aberkennung der Titel Armstrongs (picture alliance / dpa - Bernd Thissen)Jan Ullrich hatte vor einem Monat Eigenblut-Doping gestanden (picture alliance / dpa - Bernd Thissen)Ullrich-Berater Falk Nier wollte auf dpa-Anfrage die Nachricht nicht kommentieren. "Ich muss den Bericht erst einmal lesen", sagte Nier. Es sei unklar, ob sich Ullrich zu den neuen Enthüllungen äußern werde. Der 39-Jährige hatte sich vor einem Monat zwar erstmals dazu bekannt, gedopt zu haben, dies aber nur mit Eigenblut.

Zu umfassenden Vorwürfen des Epo-Dopings, wie sie der ehemalige Betreuer Jef d'Hont vor Jahren geäußert hatte, sagte Ullrich nichts. Stattdessen zeichnete der 39-Jährige erneut das Bild des Leidtragenden, der sich für den sportlichen Erfolg den damaligen Gepflogenheiten anpassen musste. Ein Schwindler sei er daher nicht. "Fast jeder hat damals leistungssteigernde Substanzen genommen. Ich habe nichts genommen, was die anderen nicht auch genommen haben", so Ullrich.

Zabel war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Bei seinem Geständnis im Mai 2007 hatte er ausgesagt, dass er lediglich bei der Tour de France 1996 das Blutdopingmittel Epo für einen Zeitraum von einer Woche genommen, aber nicht vertragen habe.

BDR-Präsident Rudolf Scharping sieht die neuesten Doping-Enthüllungen gelassen und zeigt sich überzeugt von einer dopingfreien Gegenwart des Radsports. "Die jüngsten Meldungen aus Paris sind ein weiterer Beleg für das verseuchte Jahrzehnt und nach heutigem Wissensstand nicht sonderlich überraschend. Für die Gegenwart und die Zukunft des Radsports hat dies keine Bedeutung, wie zuletzt das Abschneiden und das Verhalten der deutschen Radsportler während der Tour de France gezeigt haben."


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

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