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Japan gedenkt und protestiert

Dreifachkatastrophe 2011 jährt sich zum zweiten Mal

Buddhistische Mönche in Minamisanriku gedenken der Todesopfer von Erdbeben und Tsunami vor zwei Jahren in Japan (picture alliance / dpa / Kimimasa Mayama)
Buddhistische Mönche in Minamisanriku gedenken der Todesopfer von Erdbeben und Tsunami vor zwei Jahren in Japan (picture alliance / dpa / Kimimasa Mayama)

Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben und dem folgenden Tsunami hat Japan der Opfer gedacht. Damals kamen fast 16.000 Menschen ums Leben. Auch an die anschließende Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima wurde erinnert. Bundesumweltminister Altmaier bekräftigte, der Atomausstieg in Deutschland, der nach der Katastrophe in Japan beschlossen wurde, sei zu bewältigen.

Um genau 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr unserer Zeit) bebte die Erde in Japan – heute vor zwei Jahren. Ein Erdbeben der Stärke 9,0 erschütterte das Land – das schwerste in der Geschichte Japans. Es löste die zweite Katastrophe aus: eine zum Teil zehn Meter hohe Tsunamiwelle, die mehr als 260 Küstenstädte verwüstete – und auch das Atomkraftwerk Fukushima. Es wurde zum eigentlichen Sinnbild der Katastrophe, auch wenn durch das Desaster niemand direkt getötet wurde. Allerdings wurde durch eine Kernschmelze Radioaktivität freigesetzt, zehntausende Menschen mussten fliehen. Insgesamt kamen rund 15.800 Menschen ums Leben, mehrere tausend werden noch vermisst.

Shinzo Abe, ehemaliger japanischer Premierminister (AP)Japans Premierminister Shinzo Abe (AP)Zum zweiten Jahrestag der Katastrophe rief Regierungschef Shinzo Abe die Japaner dazu auf, den Opfern weiter zu helfen. In einer Videobotschaft erklärte Abe, immer noch werde "die Kraft aller" im Katastrophengebiet gebraucht. Die Japaner sollten an freiwilligen Hilfsaktionen teilnehmen, spenden, ins Katastrophengebiet fahren und Produkte aus dem betroffenen Nordosten kaufen. Zugleich versicherte der Ministerpräsident, der Wiederaufbau in der Region Tohoku solle beschleunigt werden. Ohne einen Frühling in Tohoku werde es keinen Frühling für Japan geben, sagte Abe.

Exakt zwei Jahre nach dem Erdbebens gab es am Montag im ganzen Land eine Schweigeminute. In der Hauptstadt Tokio findet die nationale Gedenkfeier statt, an der auch Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko teilnehmen. Zeremonien sind auch in der Katastrophenregion an der Pazifikküste geplant.

Ausstieg aus dem Ausstieg angekündigt

Die zerstörte Hülle des Reaktors 3 in Fukushima (dpa/Foto:/Video: Tepco)Die zerstörte Hülle des Reaktors 3 in Fukushima (dpa/Foto:/Video: Tepco)Die Schäden durch die drei Katastrophen werden auf umgerechnet etwa 160 Milliarden Euro geschätzt. Die Region um Fukushima ist auf Jahrzehnte hinaus unbewohnbar. Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe. Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco könnte es noch 40 Jahre dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Mehr als 100.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften, berichtet unser Korrespondent Peter Kujath aus Tokio.

In mehreren Orten Japans demonstrierten Menschen dagegen, dass die Regierung abgeschaltete Atomkraftwerke trotz des GAUs von Fukushima wieder anfahren will. Seit Anfang des Jahres ist Abe im Amt - und er will rückgängig machen, was die Vorgängerregierung im September 2012 beschlossen hatte, nämlich bis zum Ende der 2030er Jahre aus der Atomenergie auszusteigen. Abe will allerdings an der Atomenergie festhalten und in den nächsten Jahren ein neues Energiekonzept vorstellen. Die Region rund um Fukushima kämpft bis heute mit den wirtschaftlichen Folgen - und versucht sich in besserer Prävention.

Altmaier: Energiewende ist zu bewältigen

Die Atomkatastrophe in Japan wirkte sich bis nach Deutschland aus. Wenige Monate vor der Havarie in Fukushima hatte die schwarz-gelbe Koalition dafür gesorgt, dass der Jahre zuvor von Rot-Grün beschlossene Atomausstieg rückgängig gemacht wird; nach Fukushima ruderte sie zurück, jetzt soll der Ausstieg doch wieder kommen - unter dem Schlagwort "Energiewende". Doch heute ist nicht mehr viel von der Aufbruchstimmung übrig, meint Theo Geers. In der vorigen Woche hatte sich die Bundesregierung mit Vertretern von Wirtschaft- und Umweltverbänden getroffen, um über die Fortschritte bei der Energiewende zu beraten. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin warf der Bundesregierung anschließend vor, bei der Umsetzung der Energiewende versagt zu haben.

Umweltminister Peter Altmaier, CDU (picture alliance / dpa / Martin Schutt)Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) (picture alliance / dpa / Martin Schutt)Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hält den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland für zu bewältigen. Im Deutschlandradio Kultur sagte Altmaier, in der Bundesrepublik müssten im Gegensatz zu Frankreich nur ein Viertel des Atomstroms durch Erneuerbare Energien ersetzt werden. Allerdings brauche man für die Energiewende mehr Verlässlichkeit und Mut zur Marktwirtschaft. Altmaier bekräftigte seine Forderung nach einer Strompreisbremse. An den Kosten für den Bau neuer Windräder und Biogasanlagen müssten auch energieintensive Unternehmen beteiligt werden.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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