Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Japaner feiern Zeit ohne Atomstrom

Letzter Reaktor wegen Wartungsarbeiten vom Netz

Japans letztes betriebene Atomkraftwerk Tomari geht vorerst vom Netz (picture alliance / dpa)
Japans letztes betriebene Atomkraftwerk Tomari geht vorerst vom Netz (picture alliance / dpa)

So schnell kann eine Energiewende gehen: Knapp 14 Monate nach dem GAU von Fukushima nimmt Japan seinen letzten Atomreaktor für Wartungsarbeiten vom Netz. In Tokio feierten Menschen die zeitweilige Abschaltung.

Das einst führende Land in der Atomtechnologie muss erstmals seit 42 Jahren ohne Atomstrom auskommen. Japans letzter aktiver Atommeiler Tomari auf der Insel Hokkaido wird wie vorgeschrieben mehrere Monate gewartet. Der Betreiber drosselte zunächst die Stromproduktion. In der Nacht soll der Reaktor dann vollständig heruntergefahren werden. Japan gehörte zeitweise zu den drei Ländern, die die Kernenergie am intensivsten nutzten.

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami im März 2011 wurden bereits 49 der insgesamt 50 Atomreaktoren abgeschaltet. Seit der Nuklearkatastrophe wächst der Widerstand in der Bevölkerung (mp3-Audio) gegen diese Art der Energieerzeugung, berichtet Jürgen Döschner im Deutschlandfunk.

Protest gegen Atomkraft

Knapp 6000 Japaner beim Anti-Atom-Protest in Tokio (picture alliance / dpa / Franck Robichon)Knapp 6000 Japaner beim Anti-Atom-Protest in Tokio (picture alliance / dpa / Franck Robichon)In Tokio demonstrierten tausende Menschen an einem Nationalfeiertag zu Ehren der Kinder für einen vollständigen Ausstieg aus der Atomkraft. "Eine neue Ära ohne Atomkraft hat in Japan begonnen", sagte der Mönch Gyoshu Otsu der Nachrichtenagentur AFP. "Nun können wir beweisen, dass wir auch ohne Atomstrom zu leben fähig sind." Eine breite Masse können die Atomkraftgegner unter den rund 128 Millionen Einwohnern aber nicht mobilisieren (mp3-Audio), berichtet Peter Kujath im Deutschlandfunk.

Pläne der japanischen Regierung, zumindest zwei stillgelegte Reaktoren nach bestandenem Stresstest wieder in Betrieb zu nehmen, fanden bislang nicht die nötige Zustimmung bei den Anwohnern. Sie sorgen sich um die Sicherheit der Atomkraftwerke.

Engpässe im Sommer erwartet

Branchenkenner rechnen nun damit, dass es in Japan in den schwülheißen Sommermonaten, wenn Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen könnte. Japan bezog bis zum GAU in Fukushima knapp ein Drittel seines Strombedarfs aus Atomkraft.

Löscharbeiten am japanischen Atomkraftwerk in Fukushima (picture alliance / dpa)Löscharbeiten am japanischen Atomkraftwerk in Fukushima (picture alliance / dpa)In mehreren beschädigten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima war es infolge des Erdbebens und des Tsunamis im März 2011 zu Kernschmelzen gekommen, nachdem die Kühlung ausfiel. Radioaktivität gelangte in die Luft, den Boden und ins Meer. Zehntausende Menschen wurden evakuiert und umgesiedelt. Es war das schwerste Atomunglück seit Tschernobyl 1986. Die Fukushima-Reaktoren wurden aber erst offiziell vom Netz genommen, nachdem zum Jahrestag Tausende den sofortigen Atomausstieg forderten.

"Ende der Atomindustrie"

Auch in Deutschland schwelt die Debatte über Atomkraft. Die vorläufige Abschaltung des Atommeilers Tomari sei ein Beleg für das "unaufhaltsame Ende der Atomindustrie", sagte die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms. In den vergangenen Monaten hätten die Japaner erlebt, dass das Land mit seiner energiehungrigen Industrie und seinen gigantischen Städten auch ohne Atomstrom funktioniere.

Die Regierung beschloss als Folge von Fukushima den Atomausstieg bis 2022. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) traf Anfang der Woche die Spitzen der Energiebranche zu einem Treffen, um sich offene Fragen der Energiewende zu erörtern.

Verwandte Audiobeiträge:

Energie - Atomstromfreie Zeiten in Japan

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:50 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

"Ehe für alle" im Bundestag"Das Grundgesetz sagt nicht, wie Familie konkret definiert wird"

Ein miteinander verpartnertes lesbisches Paar sitzt am 24.06.2016 in Bremen mit seinem Sohn auf dem Sofa und liest in einem Buch.  (dpa / picture alliance / Carmen Jaspersen)

Über die vorgeschlagene Gesetzesänderung des Ehegrundrechts wird in der Großen Koalition weiter gestritten. "Dafür muss das Grundgesetz nicht extra geändert werden", sagte Stefan Mielchen vom Verein "Hamburg Pride" im DLF. Das Verständnis von Familie habe sich grundlegend gewandelt - dem müsse Politik Rechnung tragen.

Wissenschaft und ArbeitsmarktViel Erfolg bei der Studienwahl!

Studierende der Georg-August-Universität in Göttingen sitzen in einem Hörsaal. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)

Mit neu designeten Studiengängen wie Fitnessökonomie buhlen die Unis um Studienanfänger. Und kehren dabei ihren Auftrag um, kritisiert Martin Tschechne: Sie lehren nicht mehr das selbstständige Denken, sondern legen die jungen Leute in fertig eingezäunten Feldern fest.

Koch-TrendsVerbranntes Gemüse für das Aroma

Wir haben alle gelernt: Verbranntes Essen ist nicht gut. Aber jetzt machen es die Gourmet-Köche. Sie lassen das Gemüse anbrennen - so richtig.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlingskrise  Italien droht mit Schließung von Häfen | mehr

Kulturnachrichten

Erfinder von Paddington Bär gestorben  | mehr

 

| mehr