Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Jassir Arafat

Ein Nachruf

Jassir Arafat, Palästinenser-Führer (AP)
Jassir Arafat, Palästinenser-Führer (AP)

Jassir Arafat wurde am 27. August 1929 als Sohn eines wohlhabenden Textilhändlers geboren. Offiziell wird Jerusalem als Geburtsort angegeben, andere Quellen sprechen vom Gazastreifen oder von Kairo.

Angeblich soll er nach dem frühen Tod seiner Mutter als Vierjähriger nach Jerusalem gekommen sein. Als junger Mann studierte er Ingenieurswesen in Kairo und wurde Studentenführer im damals ägyptisch verwalteten Gazastreifen. Es folgten Jahrzehnte des Exils.

Arafat gehört zu den Gründern der Fatah-Organisation

PLO-Führer Jassir Arafat: 1970 noch ein stinknormaler Terrorist... (AP Archiv)1970 erlebt Arafat eine der größten Niederlagen beim Versuch, den jordanischen König Hussein zu stürzen. (AP Archiv)Im israelisch-arabischen Krieg von 1956 kämpfte er als ägyptischer Offizier gegen Israel. Danach ging er als Bauingenieur nach Kuwait. Nach seiner Rückkehr nach Gaza gehörte er zu den Gründern der Guerilla-Organisation Fatah. 1969 wurde er zum Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO gewählt. 1970 erlitt die PLO im "Schwarzen September" eine schwere Niederlage beim Versuch, König Hussein aus Jordanien zu vertreiben.

Internationale Anerkennung durch Rede bei der UNO

Vier Jahre später erreichte Arafat erste internationale Anerkennung mit einer Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York. Dabei sprach er erstmals von einem Frieden mit Israel und forderte sogar einen gemeinsamen Staat. Ihm gelang es, seiner Organisation durch diplomatische Bemühungen international Anerkennung zu verschaffen.

PLO-Führer Jassir Arafat spricht 1974 vor den Vereinten Nationen (AP Archiv)PLO-Führer Jassir Arafat spricht 1974 vor den Vereinten Nationen. (AP Archiv)Eine schwere militärische Niederlage der PLO bedeutete der israelische Einmarsch im Libanon im Juni 1982. Die Israelis vertrieben Arafat und tausende Fatah-Kämpfer aus Beirut. Aufnahme fand er in Tunesien. 1988 proklamierte Arafat während der ersten Intifada das unabhängige Palästina und ließ sich von einem Kongress zum Präsidenten dieses nichtexistierenden Staates wählen.

Im ersten Golfkrieg 1991 stellte sich Arafat auf die Seite des Irak - und gehörte damit zu den Verlierern des Krieges. Danach setzte er sich vehement für einen Ausgleich mit Israel und dem Westen ein. 1993/94 kam der Durchbruch in den Autonomievereinbarungen mit Israel.

1994 erhält Arafat den Friedensnobelpreis

PLO-Führer Jassir Arafat, der damalige israelische Außenminister Schimon Peres und der ehemalige Premierminister Itzak Rabin bei der Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember 1994 in Oslo (AP Archiv)PLO-Führer Jassir Arafat, der damalige israelische Außenminister Schimon Peres und der ehemalige Premierminister Itzak Rabin bei der Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember 1994 in Oslo (von links) (AP Archiv)1994 erhielt er ebenso wie der damalige Ministerpräsident Jizchak Rabin und israelische Außenminister Schimon Peres den Friedensnobelpreis. Der weltweit bejubelte Handschlag mit Rabin vor dem Weißen Haus in Washington ermöglichte Arafat die Rückkehr in die Palästinensergebiete. 1996 wurde er mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Palästinenser gewählt.

Nach der Ermordung Rabins 1995 und der Wahlniederlage von Schimon Peres begann Arafats Abstieg. Peres' Nachfolger lehnten die Vereinbarungen von Oslo ab. Unter Ministerpräsident Ehud Barak scheiterte die Konferenz von Camp David, zwei Monate später brach der Volksaufstand der Palästinenser aus.

In den letzten Jahren sahen die USA Arafat als eines der größten Hindernisse für eine Friedenslösung in Nahost an. Ende 2001 stellte die israelische Regierung Arafat in seinem Hauptquartier in Ramallah unter Hausarrest. Arafat war seit 1992 mit Suha Tawil verheiratet, die jedoch im Exil lebt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:07 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

WirtschaftRussland spürt die Brexit-Folgen schon

Ein Skateboardfahrer fährt an der Anzeigetafel einer Wechselstube in Moskau vorbei. Im Hintergrund moderne Hochhäuser. (EPA/SERGEI ILNITSKY)

Angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen hat Russlands Präsident Wladimir Putin zurückhaltend auf das britische Referendum reagiert. Doch russische Kommentatoren sind sich sicher, das britische Nein zur EU hat im Kreml für Hochstimmung gesorgt. Denn viele meinen: Erst zerfällt die EU, dann die NATO.

Niederländische Leseclubs in BerlinTanzen, trinken, diskutieren

Die niederländische Schriftstellerin Bregje Hofstede beim MAG-Festival am 24.6.2016 in Berlin (Deutschlandradio / Gesa Ufer)

Mit ihrer Kombination aus Party, Lesung und Gespräch sind die Lesefestivals des MAG-Verlags in den Niederlanden eine Legende. In der vergangenen Woche fand auch in Berlin ein solches Lesefestival statt.

Fußball-TaktikNationaltrainer denken vor allem defensiv

Joachim Löw (3. von rechts) spricht während des Trainings in Ascona mit den Spielern der deutschen Nationalmannschaft. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Tore sind Mangelware. Diese Europameisterschaft ist bisher alles andere als ein Offensivspektakel. Taktikexperte Tobias Escher erklärt, warum das so ist und wieso die DFB-Elf eine Ausnahme darstellt.

Extremistische VideosYoutube will automatisch löschen

Illegal hochgeladene Musikvideos werden von Youtube inzwischen schon weitgehend automatisch wieder entfernt. Diese Vorgehensweise soll es in Zukunft auch für extremistische Videos geben, etwa Propagandafilmchen des Islamischen Staates. Doch diese Clips zuverlässig zu finden, ist schwierig.

Karikaturist Manfred Deix ist tot"Ich bin ein malender Beach Boy"

Der österreichische Grafiker, Cartoonist, Karikaturist, Musiker und Buchautor Manfred Deix, aufgenommen am 13.10.2007 auf der Internationalen Frankfurter Buchmesse. (picture-alliance / dpa / Arno Burgi)

Dicke, hässliche, triebgesteuerte Durchschnittsmenschen: Mit seinen bitterbösen Zeichnungen hielt Manfred Deix seinen Landsleuten den Spiegel vor. Am Samstag ist der österreichische Karikaturist im Alter von 67 Jahren gestorben.

Pestizideinsatz auf BananenplantagenErschreckende Grenzüberschreitungen

Bananenanbau im tropischen Bergwald (Linda Staude)

In den Supermärkten findet sich meist nur makellose Ware: goldgelbe Bananen, saftige Ananas oder Avocados. So will es der Verbraucher. Die Arbeitsbedingungen, unter denen diese Früchte hergestellt werden, sind meist weniger schön. Das will die Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam ändern und dafür die Supermärkte in die Pflicht nehmen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Merkel  Kanzlerin lehnt Vorgespräche über Brexit ab | mehr

Kulturnachrichten

Irakischer Künstler Hiwa K erhält Arnold-Bode-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Psychologie  Update für die Glücksformel | mehr