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Jean-Marie Gustave Le Clézio ist neuer Literaturnobelpreisträger

Seit einem Vierteljahrhundert erhält das erste Mal wieder ein Franzose die begehrte Auszeichnung

Jean-Marie Gustave Le Clezio (AP)
Jean-Marie Gustave Le Clezio (AP)

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio. Mit dem 68-Jährigen werde ein Autor des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase geehrt, begründete die Jury ihre Entscheidung. Zu seinen bekanntesten Werken zählt sein Debüt "Das Protokoll" (1965) sowie die Romane "Revolutionen" (2006) und "Der Afrikaner" (2007).

Der 1940 in Nizza geborene Jean-Marie Gustave Le Clézio galt bereits mit seinem Debütroman "Le procès-verbal (1963, dt. "Das Protokoll" 1965) als eine erstaunliche Begabung. Kritiker glaubten, darin eine Weiterentwicklung des "Nouveau roman" zu erkennen.

Für sein weiteres Werk wurde das Interesse an anderen Kulturen prägend. So entstanden nach Aufenthalten bei indianischen Stämmen in Panama Bücher wie "Hai" (1972) oder "Voyages de l'autre" (1975).

Ein Gespräch über den neuen Literaturnobelpreisträger mit dem Literaturkritiker Christoph Vormweg und den Literaturredakteuren Denis Scheck und Hajo Steinert hören Sie im Büchermarkt vom Deutschlandfunk.

Krause: Literarische Gegenentwürfe zur westlichen Welt

Für sein Buch "Désert" (1980, dt. "Wüste") über eine junge Marokkanerin, eine Nachfahrin der Tuareg, erhielt er 1980 den renommierten französischen Literaturpreis Prix Paul Morand. Dieser Roman hat den Literaturkritiker Tilman Krause besonders beeindruckt. Er lobte darin vor allem die suggestive Beschreibung von Landschaften, die der Mensch noch nicht geprägt hat. Le Clézios Markenzeichen sei ein Schreiben gegen die Korrumpierung und die Unmoral der westlichen Welt, indem er literarische Gegenentwürfe schaffe, sagte Krause im Deutschlandradio Kultur.

"Le Clézio hat ihn wirklich verdient"

Für Tatjana Michaelis, Lektorin beim Hanser Verlag, ist Jean-Marie Gustave Le Clézio ein "großer Autor der Gegenwelten". Sein Stil sei keineswegs schwülstig oder kitschig, sondern Le Clézio verfüge über eine "glasklare Sprache", mit der er atmosphärische Werte vermitteln könne, sagte Michaelis im Deutschlandradio Kultur.

1993 kam in Deutschland der autobiografische Roman "Onitsha" heraus. Mit "Diego und Frida" setzte er dem legendären Malerpaar Diego Riviera und Frida Kahlo als auch ihrem Heimatland Mexiko ein Denkmal. Das Buch erschien 1995 auf Deutsch.

"Revolutionen" (2006) gilt als der persönlichste Roman von Jean-Marie Gustave Le Clézio. Angeödet von seinen Eltern und vom gewalttätigen Schulalltag findet der Protagonist im Roman in den Erzählungen seiner blinden Tante Catherine einen Fluchtort. Im Mittelpunkt steht das Grenzgängertum zwischen den Kulturen. Mehr darüber lesen Sie im Büchermarkt vom Deutschlandfunk.

In seinem letzten Roman "Der Afrikaner" (2007) erzählt Clézio von einer Afrikareise, die er 1948 als Kind unternahm und bei der er das erste Mal seinem Vater begegnete, der als Mediziner zeitweise in Nigeria arbeitete.

Der Schriftsteller wurde mit vielen Literaturpreisen bedacht. Er schrieb bislang rund 50 Bücher, darunter Erzählungen, Romane, Essays, Novellen und Übersetzungen indischer Mythologie. Literaturkritikern fiel es oft schwer, sein Werk bestimmten Genres zuzuordnen. Gemeinsamkeiten sahen sie unter anderen mit Arthur Rimbaud.

Der Literaturnobelpreis wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. Er wird seit 1901 verliehen. Im vergangenen Jahr erhielt ihn die britische Schriftstellerin Doris Lessing. Zu den deutschen Literaturnobelpreisträgern gehören Günter Grass, Heinrich Böll, Thomas Mann und Gerhart Hauptmann.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:31 Uhr

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