Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Jeder Vierte arbeitet auch samstags

Statistisches Bundesamt informiert über die Entwicklung bei der Wochenend- und Nachtarbeit

Auch am Wochenende einsatzbereit: die Mitarbeiter in einem Einkaufsmarkt (dpa / Jens Kalaene)
Auch am Wochenende einsatzbereit: die Mitarbeiter in einem Einkaufsmarkt (dpa / Jens Kalaene)

Möglichst immer und möglichst überall: Von deutschen Arbeitnehmern wird immer mehr Einsatz verlangt. Sie müssen viel häufiger auch abends, nachts und am Wochenende ran als noch vor 15 Jahren. Das geht aus der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervor.

Längere Öffnungszeiten mitunter bis 24 Uhr, Nachtschichten auch an Wochenenden: Die Deutschen legen sich nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes deutlich stärker ins Zeug als noch vor 15 Jahren. Flexibilität heißt das Zauberwort bei mehr als jedem dritten Arbeitnehmer.

Knapp jeder Vierte (24,5 Prozent) war nach Angaben der Statistiker im vergangenen Jahr samstags arbeiten. Vor 15 Jahren war es noch weniger als jeder Fünfte (18,8 Prozent). Sonntags war fast jeder Siebte (14,5 Prozent) im Einsatz, etwa ein Drittel mehr. Bei den Selbstständigen ist die Entwicklung besonders markant: Hier arbeitet mehr als jeder Zweite samstags, etwa jeder Vierte auch sonntags. Nachtschicht gehört mittlerweile für fast jeden zehnten Beschäftigten zum täglich Brot, ein Anstieg von 6,8 auf 9,6 Prozent.

Teilzeit senkt Arbeitszeitdurchschnitt

Multitasking pur: Telefon, Computer und zwei Kinder sind schwer unter einen Hut zu bringen. (picture alliance / dpa /Karl-Josef Hildenbrand)Familie und Beruf: Dafür arbeiten viele Frauen in Teilzeit (picture alliance / dpa /Karl-Josef Hildenbrand)Ein großer Trend in dem Zeitraum sei die Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung von 14 auf 27 Prozent gewesen, heißt es in dem Bericht zur Qualität der Arbeit. Teilzeit ist zu rund 80 Prozent vor allem Sache der Frauen, die meist (54 Prozent) wegen der Familie beruflich kürzertreten. Der Anstieg führte demnach dazu, dass die durchschnittliche Arbeitszeit aller Erwerbstätigen auf 35,5 Stunden sank - drei Stunden weniger als unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Andererseits gibt es gerade bei den Älteren besonders viele, die länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten ist seit Mitte der 1990er Jahre um etwa 40 Minuten pro Woche angestiegen, und zwar auf 40,7 Stunden. Der EU-Wert lag bei 40,4 Stunden. Am kürzesten war die Arbeitszeit in Dänemark (37,7 Stunden), Irland und Norwegen (jeweils 38,4 Stunden). Die höchste Wochenarbeitszeit gab es im Vereinigten Königreich (42,2 Stunden), in der Schweiz und in Österreich (jeweils 41,8 Stunden).

Jüngere benachteiligt

Der Einstieg ins Berufsleben hat sich zu Ungunsten der Arbeitnehmer verändert: Junge Erwerbstätige beginnen ihr Arbeitsleben heute mit weniger Beschäftigungssicherheit. In der Gruppe der der 25- bis 34-Jährigen hat sich der Anteil der Erwerbstätigen mit einem befristeten Arbeitsvertrag binnen 15 Jahren von 10 auf 19 Prozent fast verdoppelt. Mehr als jeder Fünfte bekommt einen Niedriglohn. In der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen verdient sogar jeder Zweite weniger als 9,85 Euro pro Stunde.

Auch insgesamt sinkt die Beständigkeit; rückläufig ist etwa die Tarifbindung. Nur noch für 61 Prozent (1998: 76 Prozent) der Arbeitnehmer im Westen und 49 Prozent (1998: 63 Prozent) im Osten sind die Kollektivverträge über Entgelt und Arbeitsbedingungen verbindlich. Weniger als jeder zweite Beschäftigte in der Privatwirtschaft war durch einen Betriebsrat vertreten.

Akademiker unter Stress und Zeitdruck

Gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz verspüren vor allem Akademiker. Erwerbstätige in akademischen Berufen klagten mit 18 Prozent am häufigsten über Zeitdruck und Arbeitsüberlastung. Etwas weniger verbreitet sind solche psychischen Belastungen unter Führungskräften. Nur wenige Betriebe haben Instanzen, die falsches Zeitmanagement oder mangelnde Kollegialität erkennen und gegenlenken, hieß es jüngst in einer Studie.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied (AP)Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied (AP)Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagt die hohe Arbeitsbelastung vieler Arbeitnehmer. "Der Druck hat irrsinnig zugenommen, viele sind überlastet, auch weil die Beschäftigungsverhältnisse unsicherer geworden sind, viele sind gestresst und die Arbeit schwappt ins Wochenende und in den Urlaub rein", sagte Annelie Buntenbach, Mitglied im DGB-Bundesvorstand, im Deutschlandfunk. Vor allem Berufseinsteiger und Leiharbeiter müssten fürchten, bald wieder auf der Straße zu stehen, wenn sie sich nicht über die Maßen engagierten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:35 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Wenn Pferde beim Rennsport verunglückenKein Requiem für Simply Jonathan

Der "Crabbies 2015 Grand National" in Liverpool (picture alliance / dpa / Peter Powell)

In Südtirol verunglückt ein Pferd auf der Rennbahn und stirbt. Auch in Deutschland kommen regelmäßig Pferde bei Rennen zu Schaden, im Vergleich zu Skandinavien sinkt hier aber die Popularität. Pferderennen – ein Sport der Begeisterung auslöst und Leid hinnimmt.

Keith HaringPlötzlich politisch?

Besucherinnen schauen sich die Ausstellung "Keith Haring - Gegen den Strich" in München (Bayern) an. (picture-alliance / dpa/Peter Kneffel)

Die Ausstellung "Gegen den Strich" in der Hypo-Kunsthalle in München zeigt Keith Haring als ernsthaften, politischen Künstler, ja als Kunstaktivist. Man fragte sich, wie dieser Aspekt im Oeuvre Harings so lange übersehen beziehungsweise übergangen werden konnte, meint unser Kritiker Julian Ignatowitsch.

Jack Garratt"It´s all me"

Jack Garrett tourt durch Europa und er war auch in Köln. Sonja Meschkat traf ihn kurz vor seinem Konzert in einem kleinen Raum, in dem auch ein Klavier stand. Und bevor Sonja ihre erste Frage loswerden konnte, stürzte sich Jack auf das Klavier. Reinhauen und abreagieren nach derr langen Autofahrt. 

KZ Dachau"Erinnerung, die der Zukunft verpflichtet ist"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDDU) geht am 03.05.2015 mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (l), und der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zur Zentralen Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau auf dem ehemaligen KZ-Gelände in Dachau (Bayern). (dpa / Andreas Gebert)

Der Name Dachau steht als Synonym für die massenhafte Vernichtung von Juden, unbequemen Geistlichen, Sinti und Roma sowie politischen Gegnern. Am 29. April 1945 befreiten die Amerikaner das Konzentrationslager. Heute - gut 70 Jahre später - erinnern die Bundeskanzlerin und Bayerns Ministerpräsident an die Gräueltaten.

Ruhe bitte!Lärm entsteht im Kopf

Lärm ist für jeden anders. Der eine kann das schreiende Baby nicht ertragen, die andere wird wahnsinnig, weil die Amsel vor dem Fenster singt. Ein tropfender Wasserhahn, ein tickender Wecker, Fingerknacken - jedes Geräusch, egal wie leise, können wir als Lärm empfinden. Selbst die absolute Stille der Wüste kann zum Tosen im Kopf werden.

Kritik an OptimierungVon der Kunst, unvollkommen zu sein

Computergrafik zur Genforschung (imago/Sciepro/Science Photo Library)

In China sollen Wissenschaftler das Erbgut menschlicher Embryonen verändert haben. Und die Forschung wird weiter voranschreiten, sagt Katharina Doebler. Durch die "Optimierung" der Gene könne die menschliche Vielfalt aber verloren gehen. Eine grauenhafte Vorstellung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Lokführer wollen sechs Tage  den Personenverkehr bestreiken | mehr

Kulturnachrichten

Tagesschau-App muss neu geprüft werden  | mehr

Wissensnachrichten

Süddeutsche Zeitung  Strengere Regeln für die Feststellung des Hirntods | mehr