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"Jederzeit gerecht und reformfreundlich"

Die Zukunft der "Frankfurter Rundschau" in der "FAZ"-Mediengruppe

Von Ludger Fittkau

Die Frankfurter Rundschau macht unter -  unter dem Dach der Konkurrenz. (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)
Die Frankfurter Rundschau macht unter - unter dem Dach der Konkurrenz. (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)

Die Redaktion der "Frankfurter Rundschau" zieht in die geschichtsträchtigen Räume der Frankfurter Societät. Im Geist von Leopold Sonnemann, eines linksliberalen Verlegers des 19. Jahrhunderts, soll das angeschlagene Traditionsblatt als regionale Marke weitermachen.

Die sogenannte "harte" Auflage der "Frankfurter Rundschau" wird künftig nur noch bei rund 70.000 gedruckten Exemplaren liegen. Das reicht für die Abonnements- und Kioskverkäufe des linksliberalen Traditionsblatts. Die Rundschau soll in Zukunft wieder stärker aus der Rhein-Main-Region berichten. In den letzten Jahren hatte sich die Zeitung weitgehend aus der Berichterstattung etwa im Raum Mainz/Wiesbaden oder Darmstadt zurückgezogen. Das will der neue Eigentümer, die "FAZ"-Mediengruppe, wieder ändern, sagt Hans Homrighausen, der die Geschäftsführung der Frankfurter Rundschau übernommen hat:

"Wir glauben eben, dass das eine große Stärke der 'Rundschau' war. Was im Übrigen eine große Stärke vieler überregionaler Zeitungen war und ist, nämlich das sie eine Heimat hatten. Und daraus ein Standpunkt entstanden ist für die Redaktion, der ein fester Standpunkt war, der geholfen hat, Positionen zu beziehen und Meinungen dann auch zu vertreten. Das gilt für die ‚Süddeutsche‘, das gilt in gewisser Weise auch für die 'FAZ' und das galt immer für die ‚Rundschau‘. Wir glauben, dass wir sie auch für das Überregionale aus so einer Haltung heraus stärken."

Viel wurde öffentlich darüber spekuliert, warum die "FAZ"-Mediengruppe die insolvente "Frankfurter Rundschau" übernommen hat. Vor allem die "Rundschau"-Abonnenten seien für die "FAZ" bedeutsam, weil man mit ihnen für die ganze Zeitungsgruppe bessere Erlöse im regionalen Anzeigenmarkt erzielen könne, hieß es. Und: Die preisgekrönte Rundschau-App für Smartphones sei für die "FAZ"-Gruppe interessant, weil man mit ihr die Tür ins digitale Zeitalter weiter aufstoßen könne. Das sei durchaus richtig, bestätigt Hans Homrighausen, der Chef der "Frankfurter Societät":

"Wir sind optimistisch, dass wir die digitalen ‚Frankfurter Rundschau‘-Produkte, die 'FR'-gebrandeten, um es mal so neudeutsch zu formulieren, digitalen Produkte in den nächsten 24 Monaten kostendeckend werden herstellen können. Und wenn wir da sind, und das ist der nächste Schritt und der ist dann auch nicht mehr so groß der, dass wir dann auch Geld verdienen können. Wir sind da optimistisch."

Zwei Jahre hat die "Frankfurter Rundschau" also Zeit, zumindest im digitalen Bereich wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Dass die "Frankfurter Societät" und die hinter ihr stehende "FAZ"-Mediengruppe mit Geduld an dieses Projekt herangeht, hat auch mit dem Geist ihres Gründers zu tun: Leopold Sonnemann.

Es gibt ein dickes Buch – einen Ausstellungskatalog – mit dem Titel: "Frankfurts demokratische Moderne und Leopold Sonnemann. Jude. Verleger. Politiker. Mäzen." Dieses Buch bekommt man in die Hand gedrückt, wenn man im schönen Gebäude der "Frankfurter Societät" der Frage nachspürt, wer eigentlich genau hinter dem Rundschau-Deal steckt.

Der Verleger, Politiker und Mäzen Leopold Sonnemann (1831-1909) (dpa / picture alliance / Horst Ziegenfusz)Der Verleger, Politiker und Mäzen Leopold Sonnemann (1831-1909) (dpa / picture alliance / Horst Ziegenfusz)Leopold Sonnemann hatte 1860 die "Frankfurter Societäts GmbH" gegründet, vier Jahre zuvor schon die radikal-demokratische "Frankfurter Zeitung", die Vorläuferzeitung der "FAZ". Schon 1832 nimmt sein Vater den gerade einjährigen Leopold mit zum Hambacher Fest, die Revolution von 1848 feiert Leopold Sonnemann als 16-Jähriger in seinem Tagebuch.

Später wird er Reichstagsabgeordneter – ein Linksliberaler, würde man heute sagen. Ein säkular eingestellter Jude, der für eine strikte Trennung von Staat und Kirche eintritt. Der seine Zeitung durch ein Redaktionskollegium gestalten lässt, ohne Chefredakteur. Leopold Sonnemann enthält sich als Eigentümer jeder direkten Einflussnahme auf die "Frankfurter Zeitung". Er verfügt aber in seinem Testament, welchen Kurs die Zeitung nach seinem Tod einschlagen soll. Wörtlich heißt es: "Politisch freiheitlich, in sozialpolitischer Hinsicht jederzeit gerecht und reformfreundlich, immer zur Unterstützung der wirtschaftlich Schwachen geneigt."

"Wenn wir das schaffen, dann gibt es auch eine Perspektive das Publikum, das die Rundschau in den letzten Jahren und Jahrzehnten überregional erreicht hat, verstärkt wieder zu erreichen."

… sagt Hans Homrighausen, der als Geschäftsführer der "Frankfurter Societät"
einer der Nachfolger Sonnemanns ist. Die Basis für die Zukunft der Zeitung soll zunächst die Stärkung der regionalen Berichterstattung im Rhein-Main-Raum sein. Und ein Erfolg mit den digitalen Angeboten der "Frankfurter Rundschau".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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