Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Jemens Präsident zu Behandlung in Riad

Demonstranten feiern Ausreise Salehs

Tausende Menschen feierten die Ausreise von Präsident Saleh in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa (picture alliance / dpa / Yahya Arhab)
Tausende Menschen feierten die Ausreise von Präsident Saleh in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa (picture alliance / dpa / Yahya Arhab)

Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh ist nach offiziellen saudischen Angaben zur medizinischen Behandlung in Saudi-Arabien eingetroffen. Bei einem Anschlag auf den Präsidentenpalast war er verletzt worden.

Die BBC berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, nach dem Anschlag stecke in der Herzgegend Salehs ein zentimeterlanger Granatsplitter. Zuerst hatten jemenitische Regierungskreise vermeldet, der Präsident sei bei dem Raketenbeschuss des Palastes nur leicht verletzt wurden.

Der Präsident sei gesund, berichtet Jürgen Stryjak im Deutschlandradio Kultur (MP3-Audio) unter Berufung auf einen Sprecher der Regierungspartei. Dieser habe dem Fernsehsender Al Arabija vermeldet, Saleh sei in Saudi-Arabien, um sich untersuchen zu lassen, werde aber so schnell wie möglich zurückkehren. Die verfassungsmäßigen Organisationen bestünden weiter. Das Militär arbeite stabil. Dass der Staat zusammenbreche, sei nur der Traum der Opposition.

In mehreren Städten feierten Tausende Oppositionsanhänger die Ausreise des Präsidentens, der bereits seit 1978 an der Macht ist. Seit dem frühen morgen finden Freudenfeste statt.

Gestern hatte der saudische König eine Waffenruhe vermittelt, die aber nur teilweise eingehalten wird. Mehrere Männer attackierten den Präsidentenpalast In der Stadt Taiz. Bei der Erstürmung des Geländes kamen laut Agenturberichten mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Der jemenitische Präsident Ali Abdallah Saleh am 25.6.2003 (AP-Archiv)Seit 32 Jahren im Amt: Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh (AP-Archiv)Nach dem Angriff, bei dem sieben Sicherheitskräfte getötet und einige Mitglieder des Präsidialamtes sowie des Parlaments verletzt wurden, hatte Saleh sich in einer Audiobotschaft an das Volk gewand. Er sei wohlauf und es gehe ihm gut. Seinen Gegnern drohte er mit Vergeltung und machte eine verfeindete Gruppierung um Scheich Hamid Al-Achmar für den Anschlag verantwortlich, berichtet Peter Steffe im Deutschlandradio Kultur. Al-Achmar ist einer der führenden Köpfe der Reformbewegung.

Deutsche Diplomaten verlassen Sanaa

Wegen der immer heftigeren Kämpfe im Jemen hat Deutschland seine letzten Diplomaten aus dem arabischen Land abgezogen. Die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Sanaa wurde geschlossen. Zuletzt arbeiteten nur noch drei deutsche Diplomaten in der Botschaft. Außenminister Westerwelle forderte auch die vermutlich nur noch 30 ausharrenden Bundesbürger auf, den Jemen zu verlassen.

Protestierende blockieren bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften einen Straße im jemenitischen Taiz (AP)Protestierende blockieren bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften einen Straße in Taiz (AP)Es müsse befürchtet werden, dass eine weitere Eskalation stattfinde, berichtet Jürgen Stryjak im Deutschlandfunk. Zunächst habe Präsident Saleh eine TV-Ansprache angekündigt, dann jedoch war nur seine Stimme zu hören. Der Staatschef gab damit Anlass zu Spekulationen um seine angeblich nur leichte Verletzung, die er bei dem Angriff auf den Präsidentenpalast erlitten hat.

Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Milizen dauerten bis tief in die Nacht. Die Europäische Union will in einer koordinierten Rettungsaktion ihre Bürger aus dem Jemen ausfliegen.

Weitere Beiträge zum Jemen im Deutschlandradio:

Krieg oder Frieden? Der Jemen vor einer ungewissen Zukunft (DLF, Eine Welt)
Interview mit Günter Meyer: Präsident Saleh hat keinen Rückhalt mehr (DLF)
Interview mit Guido Steinberg: Jemen ist ein sehr, sehr schwacher Staat (DLF)
Der Jemen als Logistikdrehscheibe für El Kaida (DLF, Interview)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:05 Uhr Nachspiel. Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Hörsaal

Aus unseren drei Programmen

Konföderation von Israel und Palästina"Eine Zukunft kann es nur gemeinsam geben"

Ein Grenzzaun in der Nähe der palästinensischen Stadt Beit Jala (Sabine Adler )

"Zwei Staaten - ein Heimatland" heißt eine Initiative von Israelis, die für eine Konföderation von Israel und Palästina kämpft. In echten Begegnungen lernen beide Seiten, das Recht auf Heimat des anderen anzuerkennen.

Dobrindt zur Regierungsbildung"Ich will diese Große Koalition mit der SPD"

Alexander Dobrindt telefoniert, im Hintergrund der Schriftzug CSU auf blauem Hintergrund. (dpa / Sven Hoppe)

Alexander Dobrindt begrüßt die Bereitschaft der SPD zu Sondierungsgesprächen für eine Große Koalition. Nun gehe es darum, ein Zukunftsprojekt für Deutschland zu beschreiben, sagte der CSU-Politiker im Dlf. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob die SPD wirklich die Kraft dazu habe.

Philosophischer WochenkommentarEin Lob der Weltflucht

Ein Mann steht auf einem Steg am Gardasee in Italien, in Lazise. (imago/Westend 61)

Für Realitätsverweigerer hat Arnd Pollmann Verständnis: Sie zeichneten sich aus durch ihren Willen zur Abwesenheit. Auch wenn sie oft passiv und weltabgewandt erschienen, ihre utopischen Tagträume hätten das Potenzial ganze Welten zum Einsturz zu bringen.

InformationsgewinnungWozu noch Bibliotheken?

Blick in die Bibliothek mit Büchern auf Borden, stuckverzierten Wänden, Durchgängen und einer Empore (imago / Jürgen Ritter)

Als Informationsquelle ist das Internet schnell, vernetzt und für jeden zugänglich. Bibliotheken stehen hingegen für Dauer, Ordnung und Konzentration. Doch welchen Wert haben diese Eigenschaften im 21. Jahrhundert? Eine Spurensuche im Netz und in altehrwürdigen Gemäuern.

Schriftsteller und ihre PseudonymeDie Lizenz zur Lüge

Tippen auf einer alten Schreibmaschine (imago / Busse )

Pseudonyme sind wie kleine Menschen. Es ist gefährlich, Namen zu erfinden – ein Name lebt", schrieb Kurt Tucholsky, der unter anderem als Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel Texte veröffentlichte. Wozu dieses Versteckspiel vieler Autoren hinter Pseudonymen?

Vor 25 Jahren gestorbenGünther Anders - ein konservativer Revolutionär

Günther Anders (links) erhält bekommt 13. September 1983 den Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt überreicht  (picture-alliance / dpa / UPI)

Er war überzeugter Pazifist, Philosoph und Schriftsteller: Günther Anders. Von den Nazis vertrieben, protestierte er aus dem US-Exil gegen den Einsatz der Atombombe. Zurück in Europa kämpfte Anders gegen den Vietnamkrieg, initiierte die Anti-Atom-Bewegung und kritisierte die Folgen der Technologie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

"Bild"  Deutsche leisteten 2016 fast eine Milliarde unbezahlte Überstunden | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Belästigungskommission in Hollywood | mehr

 

| mehr