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"Jetzt konnten Frauen entscheiden, dass sie verhüten und wie sie verhüten"

Vor 50 Jahren kam die Antibabypille auf den US-Markt

Die erste Antibabypille auf dem deutschen Markt hieß "Anovlar". (AP)
Die erste Antibabypille auf dem deutschen Markt hieß "Anovlar". (AP)

Sie hieß "Envoid" und war sofort heiß begehrt - am 18. August 1960 kam die erste Anti-Babypille in den USA auf den Markt. Die Kritiker befürchteten Hemmungslosigkeit in der Sexualität, sie führt vor allem zu mehr Unabhängigkeit der Frauen.

Bevor die "Pille" zugelassen wurde, testete der Forscher Gregory Pincus das neue Medikament in den Slums in Puerto Rico. Als bei den dortigen Frauen keine unmittelbaren Krankheiten und Schwangerschaften festzustellen waren, kam es zur Zulassung für den amerikanischen Markt.

1961 war es dann der der Pharmakonzern Schering, der mit "Anovlar" die Pille in der Bundesrepublik einführte - damals mit 50 Milligramm Östrogen eine erhebliche Hormonzufuhr.

Die Vorteile waren Freiheit, Lust und Unabhängigkeit dank Anti-Baby-Pille. "Für viele Frauen war das eine Stärkung ihrer Position", sagt Historikerin und Autorin Eva-Maria Silies im Deutschlandfunk-Interview. "Jetzt konnten Frauen entscheiden, dass sie verhüten und wie sie verhüten"

Geburten und Sterbefälle in der Bundesrepublik Deutschland.Der sogenannte''Pillenknick'' halbiert die Zahl der Geburten innerhalb von zehn Jahren nahezu - ein Phänomen, das alle modernen westlichen Gesellschaften erfasst. (tagesschau.de)

Heute wird über die Pille vor allem in medizinischer Hinsicht immer wieder diskutiert.

Die Anti-Baby-Pille erhöht nicht das Krebsrisiko, urteilten britische Forscher 2007. Insgesamt überwiege die Schutzwirkung der Pille. Die Wissenschaftler der Universität Aberdeen untersuchten den Einfluss der Einnahme des Verhütungsmittels in einer Langzeitstudie.

Neuere Antibabypillen stehen im Verdacht, ein erhöhtes Risiko auf Blutgerinnsel mit sich zu bringen (DRadio Kultur, 9.5.2010). Blutgerinnsel - auch genannt Thrombosen - sind relativ seltene, aber die gefährlichsten Nebenwirkungen von Antibabypillen.

Zuletzt kamen amerikanische Wissenschaftler zu dem Schluss: Übergewichtige Frauen brauchen keine höher dosierte Antibabypille (DRadio Wissen, 17.8.2010). Damit widersprechen die Forscher der New Yorker Columbia University einer unter Ärzten weitverbreiteten Meinung, wonach die Antibabypille bei übergewichtigen Frauen weniger effektiv wirke.

Programmtipp

Die Sendung Hintergrund im Deutschlandfunk erinnert um 18:40 Uhr an "Die sexuelle Revolution aus der Retorte - Vor 50 Jahren: In den USA kommt die erste Antibabypille auf den Markt".

Mehr zum Thema bei dradio.de
Radiolexikon Pille (DLF, 1.4.2008)

Weitere Informationen:

Broschüre 'Verhütungsverhalten Erwachsener' - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2007)

Broschüre 'Jugendsexualität' - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2006)



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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