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Jonathan Meese freigesprochen

Berliner Künstler hatte Hitler-Gruß gezeigt

Der Künstler Jonathan Meese, aufgenommen in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg (Landkreis Harz) während der Eröffnung seiner Ausstellung mit dem Titel "Totalste Graphik". (picture alliance / dpa - Jens Wolf)
Der Künstler Jonathan Meese, aufgenommen in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg (Landkreis Harz) während der Eröffnung seiner Ausstellung mit dem Titel "Totalste Graphik". (picture alliance / dpa - Jens Wolf)

"Die Kunst hat triumphiert", kommentierte Jonathan Meese am Dienstagnachmittag den Freispruch der Richter. Das Amtsgericht Kassel hatte entschieden, dass Meeses mehrfaches Zeigen des Hitlergrußes eine Kunstaktion sei. Damit entgeht der 43-Jährige einer Verurteilung.

"Es ist klar, dass der Angeklagte sich nicht mit nationalsozialistischen Symbolen oder Hitler identifiziert, sondern das ganze eher verspottet", begründete die Vorsitzende Richterin den Freispruch für Jonathan Meese. Der Künstler zeigte sich über das Urteil erleichtert. "Die Kunst hat hier triumphiert. Jetzt bin ich befreit." Die Staatsanwaltschaft will das Urteil nun auf eine mögliche Berufung überprüfen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 12.000 Euro gefordert. Der Vorwurf: Jonathan Meese habe Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet. Das hat Meese im Juni 2012 ohne Zweifel auch getan. "Allerdings folgten die Richter des Amtsgerichtes Kassel nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Stattdessen sprachen sie Meese frei. Meese und seine Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert und vor Gericht argumentiert, dass der von Meese gezeigte Hitlergruß Teil eines Kunstaktion gewesen sei.

Am 4. Juni 2012 - kurz vor der Eröffnung der Weltkunstausstellung 'Documenta' - hatte der 43-jährige Künstler an einem öffentlichen Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" teilgenommen. Thema des Interviews war "Größenwahn in der Kunst". Während des Gespräches zeigte Meese zwei Mal den Hitlergruß. Meese und seine Verteidiger argumentierten vor Gericht, dass die verbotene Geste Teil einer Kunstaktion gewesen sei.

Dieser Linie folgten auch die Kasseler Richter: Bei der Performance sei es um eine Kunstaktion gegangen. Hinzu komme, dass die Atmosphäre in der Stadt im Vorfeld der 'Documenta' "aufgeladen mit Kunst" gewesen sei, so die Richterin. Fast eine halbe Stunde lang dauerte das Schlusswort von Jonathan Meese, bei dem er sich von jeder Ideologie distanzierte. "Ich kann einen Apfel malen, ohne je eine Apfel gegessen zu haben. Ich kann den Hitlergruß machen, ohne etwas damit zu tun zu haben. Das geht."

Großes Echo in den Feuilleton-Redaktionen

Der Prozess hatte in den letzten Wochen vielfach zu Diskussionen in den Feuilleton-Redaktionen geführt. Im Zentrum stand dabei die Frage, inwieweit Meese sich auf die Kunstfreiheit berufen könne. Diskutiert wurde aber auch die Qualität von Meeses Werken und Performances, zum Beispiel am Dienstag in der "Süddeutschen Zeitung".

Der Berliner Galerist und Kunstsammler Heiner Bastian warf Meese im Deutschlandradio Kultur vor, die Grenzen der künstlerischen Freiheit zu missbrauchen. Meese hänge jedoch einer "spielerischen und ebenso dummen Vorstellung von unbegrenzter Freiheit" an, so Bastian. "Aber unbegrenzte Freiheit gibt es auch in der Kunst nicht, darum ist sein Auftreten auch ohne jegliches Reflexionsniveau, und stattdessen immer nur der Klamauk, die Obszönität, das Schrille der Travestie, und natürlich auch schrecklich langweilig in der ständigen Wiederholung, und so banal und so unerträglich wie die schlimmsten Unterhaltungsprogramme."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

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