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Joseph Ratzinger zum Papst gewählt

Neuer Pontifex nimmt den Namen Benedikt XVI. an

Joseph Kardinal Ratzinger wird von den Gläubigen auf dem Petersplatz als neuer Papst Benedikt XVI. begrüßt. (AP)
Joseph Kardinal Ratzinger wird von den Gläubigen auf dem Petersplatz als neuer Papst Benedikt XVI. begrüßt. (AP)

Das Konklave in Rom hat einen neuen Papst gewählt. Über der Sixtinischen Kapelle stieg am Dienstag kurz vor 18 Uhr weißer Rauch auf, das Zeichen für eine erfolgreiche Wahl. 115 Kardinäle einigten sich überraschend schnell, innerhalb von nur zwei Tagen, auf den neuen Pontifex. Gewählt wurde der deutsche <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="132771" text="Kardinal Ratzinger" alternative_text="Kardinal Ratzinger" />.

Als Benedikt XVI. tritt der 78-Jährige, der als Verfechter einer konservativen Glaubenslehre gilt, an die Spitze der römisch-katholischen Kirche mit ihren weltweit 1,1 Milliarden Mitgliedern. Die Kardinäle wählten ihn zum Nachfolger von Johannes Paul II., dessen enger Vertrauter er war. Am kommenden Sonntag wird die Messe zur Amtseinführung auf dem Petersplatz gefeiert.

Das Konklave gehörte zu den kürzesten der Kirchengeschichte. Nach rund 26 Stunden endete die Papstwahl am frühen Dienstagabend. Die 115 stimmberechtigten Kardinäle benötigten nur vier Wahlgänge. Kurz vor 18 Uhr stieg über der Sixtinischen Kapelle Rauch auf, dessen Farbe zunächst unklar schien. Wenige Minuten später setzten die Glocken des Petersdoms ein und beendeten die Ungewissheit. Kurz darauf trat dann Kardinalprotodiakon Medina Estévez auf den Mittelbalkon des Petersdoms, sprach die traditionelle Formel "Annuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam" und stellte den neuen Papst vor.

Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 in Marktl am Inn geboren. Paul VI. berief den Theologen 1977 zum Erzbischof von München und Freising. 1981 wechselte er, bereits als Kardinal, in die römische Kurie. Sein Wirken als Leiter der Glaubenskongregation war auch innerkirchlich umstritten, nicht zuletzt bei den deutschen Katholiken. Noch am Montag mahnte er die römisch-katholische Kirche in seiner Predigt zu Beginn des Konklaves, fest im Glauben zu stehen. Er warnte vor der Anpassung an modische Denkweisen.

Jubel auf dem Petersplatz (AP)Jubel auf dem Petersplatz (AP)Am frühen Abend gegen 19 Uhr zeigte sich der neue Papst und Bischof von Rom erstmals den mehr als hunderttausend Menschen auf dem Petersplatz. Er erteilte den Segen "urbi et orbi" und hielt eine kurze Ansprache. Darin erinnerte er an seinen am 2. April gestorbenen Vorgänger. Ratzinger nannte Johannes Paul II. einen großartigen Papst, auf den nun er als einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn folge.

Umstrittener Papst


Sein Wirken als Leiter der Glaubenskongregation ist auch innerkirchlich umstritten, nicht zuletzt bei den deutschen Katholiken. In der Kontroverse um die Schwangeren-Konfliktberatung beugte sich 2002 der Limburger Bischof Kamphaus als letzter dem Willen Johannes Pauls und Ratzingers. Kamphaus meinte gleichwohl am Abend im Deutschlandfunk, er begrüße die Wahl des neuen Papstes. Bendedikt XVI. werde ein ernstes und spirituelles Kirchen-Oberhaupt.

Die kritischen Theologen Küng und Hasenhüttl sowie die Bewegung "Kirche von unten" nannten die heutige Wahl enttäuschend. Ratzinger werde den Kurs von Johannes Paul verschärft fortsetzen und den Reformstau der Kirche vergrößern. Hans Küng sprach von einer tiefen Enttäuschung für alle Reformorientierten. Der Präsident des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, sagte hingegen, er freue sich. Spiegel meinte, ebenfalls im Deutschlandfunk, er sei sicher, dass der neue Papst den Weg der Verständigung zwischen Christen und Juden weitergehen werde.

Noch gestern hatte Ratzinger in seiner programmatischen Predigt zu Beginn des Konklaves, zeitgenössische Einflüsse auf den katholischen Glauben als "Diktatur des Relativismus" angeprangert. Er forderte die Kirche dazu auf, zum rechten Glauben zurückzukehren. Marxismus, Liberalismus, Kollektivismus und die Vermischung von Elementen verschiedener Religionen geißelte Ratzinger dabei als Wellen, die das Denken vieler Christen verwirrt hätten.

Glückwünsche aus Deutschland


Benedikt XVI. ist im strengen Sinne der erste deutsche Papst seit dem 11. Jahrhundert. Gemeinhin wird aber auch der Utrechter Hadrian VI. vor knapp fünfhundert Jahren zu den Päpsten aus Deutschland gezählt. Bundespräsident Horst Köhler sagte, die Wahl des Landsmanns erfülle die Deutschen "mit besonderer Freude und auch mit ein wenig Stolz". Bundeskanzler Gerhard Schröder und CDU-Chefin Angela Merkel sprachen von einer Ehre und einem großen Tag für Deutschland. Auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan und die Staatsoberhäupter zahlreicher Länder gratulierten dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche. In Deutschland und vielen anderen Ländern kündeten am Abend die Glocken der katholischen Kirchen von der Wahl Benedikt XVI. Besonders groß ist die öffentliche Anteilnahme in Ratzingers Heimatort und in Regensburg, wo er lange als Professor wirkte.

Der neue Papst ist der 265. Amtsinhaber. Vorgänger Johannes Paul II. war am 2. April im Alter von 84 Jahren verstorben.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:09 Uhr

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