Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Jung lehnt Kampfeinsatz im Süden Afghanistans ab

Forderung des US-Amtskollegen Gates zurückgewiesen

Bundeswehr-Soldaten soll es auch künftig nicht in Südafghanistan geben (AP)
Bundeswehr-Soldaten soll es auch künftig nicht in Südafghanistan geben (AP)

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat die Forderung der USA nach einem Einsatz der Bundeswehr im Süden Afghanistans zurückgewiesen. "Wir haben eine klare Aufgabenteilung verabredet", sagte Jung in Berlin. "Ich denke, dass es wirklich bei einem Schwerpunkt im Norden bleiben muss." Der CDU-Politiker sagte, dies werde er US-Verteidigungsminister Robert Gates so mitteilen.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte seinen deutschen Amtskollegen zuvor in einem Schreiben aufgefordert, Bundeswehrsoldaten auch für den umkämpften Süden des Landes bereitzustellen. Dazu solle ein neues Mandat in Erwägung gezogen werden.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung äußerte sich zum Einsatz der Bundeswehrtruppen in Afganistan. (AP)Franz Josef Jung lehnte die US-Forderung ab (AP)Die "Süddeutsche Zeitung", die den Brief zitiert, bezeichnete den Ton als ungewöhnlich scharf. Wie der französische Verteidigungsminister Hervé Morin bestätigte, ging ein entsprechendes Papier auch in Paris ein. Nach einem Treffen mit Gates in Washington sagte Morin, man habe über die weitere NATO-Strategie in Afghanistan gesprochen. Dabei müsse es neben einer militärischen auch eine politische und wirtschaftliche Lösung der Probleme geben. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, er betrachte den Brief als amerikanische Initiative, um die Diskussion der NATO-Verteidigungsminister bei ihrem Treffen in Vilnius Ende kommender Woche anzuregen. Seines Wissens sei der Brief auch an alle anderen NATO-Partner verschickt worden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verteidigte das deutsche Engagement in Afghanistan. Deutschland habe im zivilen und militärischen Bereich sein Engagement "akzentuiert und ausgeweitet". Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betonte, dass das Bundestagsmandat als Grundlage für den Afghanistan-Einsatz "nicht zur Diskussion" stehe.

Auch Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, wandte sich gegen das Ansinnen der USA. Bereits heute leiste die Bundesrepublik im Süden Afghanistans Notfallhilfe und logistische Unterstützung. Es bestehe die Gefahr, die Debatte hierzulande überzustrapazieren und damit die Akzeptanz für das Mandat insgesamt infrage zu stellen, sagte Arnold im Deutschlandfunk Das müsse man Washington deutlich machen. (Text/ MP3-Audio)

Das geltende Mandat erlaubt den Einsatz von maximal 3500 Soldaten im weniger gefährlichen Norden, sie dürfen nur im Ausnahmefall in anderen Regionen eingesetzt werden. Auch eine aktuell geplante schnelle Eingreiftruppe soll nur im Norden des Landes zum Einsatz kommen.

Diese sollten im Herbst 3200 US-Soldaten ablösen. Die USA hatten vor kurzem die Entsendung dieser Zahl zusätzlicher Soldaten angekündigt; davon sollen 2200 in den gefährlicheren Süden geschickt werden, wo eine neue Frühjahrsoffensive der radikal-islamischen Taliban erwartet wird. Laut "Süddeutscher Zeitung" wollen die USA ihr zusätzliches Kontingent nach sechs Monaten bereits wieder abziehen und drängen daher auf Ablösung durch die Bundeswehr.

Der Bonner Politikwissenschaftler Christian Hacke verlangte insgesamt mehr Ehrlichkeit in der Debatte um das militärische Engagement der Bundeswehr am Hindukusch. "Es geht nicht um Zivildienst im Ausland oder Entwicklungshelfer oder das Hilfswerk, sondern die Soldaten sind gefordert zum Kampfeinsatz", betonte Hacke im Deutschlandfunk. Auf der anderen Seite gebe es "gute Gründe zu sagen, nein, wir wollen da gar nichts mehr machen". (Text/ MP3-Audio)

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckart von Klaeden (CDU), hat die Bitte der USA um den Einsatz deutscher Kampftruppen im Süden Afghanistans kritisiert. Deutschland brauche seinen Beitrag zur Afghanistan-Mission nicht kleinreden zu lassen. Die Bundeswehr sei der drittgrößte Truppensteller, sagte von Klaeden im Deutschlandradio Kultur. (Zusammenfassung des Interviews, MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Schubert und SzymanowskiAuf abseitigen Pfaden

Ein junger Mann mit schwarzen Haaren, Brille und weißem Hemd sitzt an einem Flügel und spielt. (Yann Orhan / Sony Classical)

Was haben Franz Schubert und Karol Szymanowski gemeinsam? Diese Frage wirft Lucas Debargue, der junge französische Pianist, mit seinem neuen Album auf. Sein zarter Tastenanschlag verzaubert und seine Virtuosität beeindruckt, aber die Antwort bleibt er schuldig.

Debatte über sexuelle Belästigung #MeToo: "Moralischer Totalitarismus" oder Aufklärung?

Eine Frau wehrt mit ausgestrecktem Arm einen Mann ab. (imago / Reporters)

In der Diskussion über sexuellen Missbrauch haben Thea Dorn und Georg Diez sehr unterschiedliche Positionen vertreten. Dorn warnt im Zusammenhang mit #MeToo vor "moralischem Totalitarismus", während Diez dies als "Grabplatte" für einen überfälligen Diskurs kritisiert.

Simbabwe nach dem Putsch"Die Situation ist sehr verworren"

Demonstranten in Simbabwes Hauptstadt Harare fordern am 18. November 2017 die Absetzung des 93-jährigen Langzeitherrschers Robert Mugabe. (imago/ZUMA Press)

Militärdiktatur oder demokratische Wende - welche Perspektiven hat Simbabwe nach dem Putsch? Das Land sei wirtschaftlich "in einem absolut katastrophalen Zustand", sagte der Afrika-Kenner Bartholomäus Grill im Dlf. Und der neue starke Mann, Emmerson Mnangagwa, gelte als noch brutaler als der abgesetzte Robert Mugabe.

Benjamin Clementine in der Elbphilharmonie Selbstbewusst und verletzlich

Der Britische Sänger Benjamin Clementine bei einem Auftritt in Ostrava in der Tschechischen Republik am 21. Juli 2017 (Jaroslav Ozana / CTK /  dpa)

Es ist ein langer und verworrener Weg vom Pariser Clochard-Leben bis in die Elbphilharmonie und in die Spalten der Feuilletons. Benjamin Clementine ist ihn gegangen. Olga Hochweis war beim deutschen Tour-Auftakt in Hamburg dabei.

ChileZwischen Reformstau und Rechtswende

Bildnummer: 54475958 Datum: 16.09.2005 Copyright: imago/gezett internationales literaturfestival berlin Arturo Fontaine T. (Talavera) kultur people literatur kbdig xo0x 2005 quer Schriftsteller literatur Autor Portrait Persoenlichkeit Author writing writer Culture Kulture Dichter Poet o0 shooting Bildnummer 54475958 Date 16 09 2005 Copyright Imago International Literature Festival Berlin Arturo Fontaine T Talavera Culture Celebrities Literature Kbdig xo0x 2005 horizontal Writer Literature Author Portrait Personality author Writing Writer Culture Kulture Poet Poet o0 Shooting (imago stock&people)

In ihrer ersten Amtszeit als Präsidentin Chiles war Michelle Bachelet so erfolgreich, dass sie mit großer Zustimmung im Amt bestätigt wurde. Jetzt wird in Chile gewählt - und das Land steht vor einem politischen und kulturellen Richtungswechsel. Darüber spricht der chilenische Schriftsteller Arturo Fontaine mit dem Publizisten Peter B. Schumann.

Open Mike 201725 Jahre und kein bisschen müde

Die Gewinner des 25. "Open Mike"-Wettbewerbs: Mariusz Hoffmann (v.l.n.r.), Ronya Othmann, Baba Lussi, Ralph Tharayil. (Imago)

Zum 25. Mal hat der Open Mike, der größte Wettbewerb für junge deutschsprachige Literatur, stattgefunden. Zwei Tage lang las im Berliner Heimathafen Neukölln der Nachwuchs vor großem Publikum. Was dort passierte, hören Sie hier.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jamaika-Sondierungen  Gespräche in Berlin stocken | mehr

Kulturnachrichten

Ankara verbietet Kulturveranstaltungen von LGBTI | mehr

 

| mehr