Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Justizkommissarin Reding setzt Unternehmen Frist für Frauenquote

EU-Politikerin erwägt gesetzliche Regelung

EU-Justizkommissarin Viviane Reding fordert eine Frauenquote für Unternehmen (picture alliance / dpa / Julien Warnand)
EU-Justizkommissarin Viviane Reding fordert eine Frauenquote für Unternehmen (picture alliance / dpa / Julien Warnand)

Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding erwägt die Einführung einer EU-weiten Frauenquote für Unternehmen. Mitte des Jahres will die Kommission über konkrete Maßnahmen bis zum Gesetzesvorschlag entscheiden. Freiwillige Selbstverpflichtungen seien bisher unbefriedigend verlaufen, sagte Reding.

"Das Schneckentempo ist schon beachtlich langsam", sagte die Politikerin im Deutschlandradio Kultur. EU-weit seien nur weniger als 14 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den größten börsennotierten Unternehmen der EU Frauen. Lediglich bei drei Prozent sei eine Frau an der Spitze des Aufsichtsrates. Im vergangenen Jahr hatte Reding noch eine freiwillige Selbstverpflichtung gefordert.

Diesem Aufruf waren aber nur wenige Unternehmen nachgekommen. Nun haben die Konzerne bis Ende Mai Zeit, Stellung zu beziehen und sich zu einer möglichen Quotierung zu äußern. "Wir können es uns nicht mehr erlauben, auf das weibliche Talent zu verzichten", sagte Reding.

Eine der prominentesten Befürworterinnen: Ursula von der Leyen

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, CDU (dpa)Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will mehr Frauen in hohen Positionen (dpa)Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission reiht sich mit ihrem Vorstoß in eine lange Reihe von Personen und Gruppen ein, die sich für eine Frauenquote einsetzen. Eine der prominentesten Befürworterinnen und Befürworter ist Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Die Politikerin will, dass 30 Prozent der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt werden:

"Dort ist ganz klar eine gläserne Decke, da sieht man fast keine Frauen in diesen Gremien. Wissen Sie, in einem Land, das auf einen dramatischen Fachkräftemangel auch zugeht, müssen wir ganz klar Signale auch aussenden, dass selbstverständlich für Männer wie für Frauen Karriere in Deutschland, und zwar bis an die Spitze möglich ist und dass sie Perspektiven haben."

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) präferiert dagegen eine sogenannte Flexiquote: Danach dürfen sich die börsennotierten Firmen die Höhe ihrer Quote selbst verordnen. Flexibel soll es dabei zugehen, ohne starre 30-Prozent-Regel. Die Konzerne müssten ihre Zielmarke aber öffentlich machen und sich später an ihr messen lassen. Wer die eigene Vorgabe verfehlt, so Ministerin Schröder, werde bestraft. Die Bestellung eines Vorstandes oder die Wahl eines Aufsichtsrates etwa könnten für unwirksam erklärt werden. Außerdem drohten Bußgelder in Millionenhöhe.

Diskussion um Frauenquote ist in Konzernspitzen angekommen

René Obermann gibt unmittelbar nach seiner Ernennung zum Telekom-Chef in Bonn eine Pressekonferenz. (AP)Telekom-Chef René Obermann hat seinem Unternehmen eine Quote auferlegt (AP)Einer der wenigen großen Konzerne mit einer Frauenquote ist die Deutsche Telekom. Vorstandschef René Obermann beabsichtigt, den Frauenanteil im mittleren und oberen Management bis Ende 2015 auf 30 Prozent zu erhöhen. Der Sportartikelhersteller adidas will den Frauenanteil in Führungspositionen bis 2015 auf bis zu 35 Prozent steigern. Auch andere Firmen denken um, sind aber noch recht zurückhaltend: Der Konsumgüterhersteller Henkel etwa will lediglich die bisherigen Zuwachsraten von einem Prozent auf bis zu zwei Prozent jährlich steigern.

Auch in der Medienbranche ist die Diskussion um eine verpflichtende Quote inzwischen angekommen. So schrieb etwa der Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, in der aktuellen Ausgabe, "nach jahrelanger Debatte um den Anteil von Frauen in der Führung" sei es "mit dem Lavieren nun einfach genug". In deutschen Medienhäusern sei "die Diskrepanz zwischen ihrer Präsenz und ihrer Beteiligung an der Macht in Redaktionen" nicht zu rechtfertigen. Di Lorenzo nahm Bezug auf eine Initiative von Journalistinnen, die mehr Frauen in Führungspositionen bringen will. Mindestens 30 Prozent dieser Posten müssten in den kommenden fünf Jahren mit Frauen besetzt werden, lautet die Forderung der Initiative.

Brauchen wir eine europaweite Frauenquote? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook!

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Ermittlungen der UNUkraine verweigert Antifolterkomitee den Zutritt

Ein Keller in Dscherhinsk - hier wurden Zivilisten und Angehörige der ukrainsichen Armee bzw. Freiwilligen-Bataillone festgehalten und gefoltert. (Von der Hilfsorganisationen "Recht auf Frieden im Donbass" zur Verfügung gestellt)

Die Menschenrechtsverletzungen im Kriegsgebiet in der Ostukraine halten an. Die Verbrechen sollen geahndet werden, die Dokumente stapeln sich in Den Haag und Straßburg. Die Ukraine will die Strafverfolgung - doch von Kontrollen auf ihrem Territorium hält sie offenbar nicht viel.

Bastei Lübbe für höhere Buchpreise"Für Kunden ist der Preis zweitrangig"

Buchhandlung (picture alliance / dpa / Foto: Ralf Hirschberger)

Bücher müssen teurer werden: Das fordert Klaus Kluge, Vorstand im Verlag Bastei Lübbe. Dabei gehe es vor allem um das Einkommen von Autoren und die Existenz von Buchläden. Für Käufer sei der Preis nicht entscheidend, sagt er.

KatholikentagAls Mann und Frau und … schuf er sie

Hochzeitstorte mit zwei Frauenfiguren (AFP / Gabriel Bouys)

Gender ist gerade für konservative Christen ein Reizwort, denn sie sehen dadurch Gottes Schöpfungsplan in Frage gestellt. Doch die Veränderungen der Geschlechterbilder machen nicht vor den Toren der Kirche Halt. Zwei große Podien widmen sich auf dem Katholikentag in Leipzig dem Thema Gender und lassen kontroverse Diskussionen erwarten.

FrankreichWie sicher sind die französischen Atomkraftwerke?

Das Atomkraftwerk in Fessenheim in Frankreich (dpa / picture-alliance / Patrick Seeger)

Die französische Atomaufsicht hat ihren Jahresbericht vorgelegt - und den Kraftwerken im Land insgesamt gute Noten ausgestellt. Doch Behördenchef Chevet gab auch zu, dass seine Behörde bei der Aufgabe, die französischen Kernkraftanlagen zu überwachen, zunehmend überlastet sei.

100 Jahre Schlacht von VerdunDas deutsch-französische Verhältnis ist gestörter denn je

Frankreichs Präsident Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel - voneinander abgewandt (imago / Belga)

In der Energie- und Umweltpolitik: nur Gegensätze und Konflikte. Aber auch in der Außenpolitik sucht man vergeblich nach Gemeinsamkeiten. Deutschland und Frankreich sind weit auseinander gerückt, meint der Historiker Klaus Manfrass.

Präsidentschaftskandidat TrumpTweets statt Sicherheitspolitik

Donald Trump bei einer Rede nach den Vorwahlen in Indiana. (picture alliance / dpa / Justin Lane)

Donald Trump hat es geschafft: Nach aktuellen Zählungen wird er der Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Am Rande des G7-Gipfels zeigte sich Präsident Barack Obama besorgt. Er sei mehr an Schlagzeilen und Tweets interessiert, statt an Amerikas Sicherheit zu denken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach Entführung  Journalistin in Kolumbien wieder freigelassen | mehr

Kulturnachrichten

"Fritz Bauer" ist der große Gewinner beim Deutschen Filmpreis  | mehr

Wissensnachrichten

Hate-Speech  Studie: Hälfte aller frauenfeindlichen Tweets von Frauen | mehr