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Kampf um den Elysée-Palast

Hohe Beteiligung bei Präsidentschaftswahl

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer, François Hollande (AP/dapd - dpa/picture alliance)
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer, François Hollande (AP/dapd - dpa/picture alliance)

Staatspräsident Nicolas Sarkozy liefert sich mit seinem Herausforderer François Hollande ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Macht im Elysée-Palast. Erste Hochrechnungen sollen gegen 20 Uhr vorliegen. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen werden beide Kandidaten wohl nicht die absolute Mehrheit schaffen.

Wer soll in den Pariser Elysée-Palast einziehen und die vielen Probleme der Nation lösen? Viele Franzosen wollen diese Frage heute beantworten. Bis 17 Uhr gaben knapp 71 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bis 20 Uhr sind die Wahllokale geöffnet, einige nur bis 18 Uhr. Unsere Nachbarn haben die Wahl zwischen zehn Kandidaten. Nur zwei haben wirklich eine Chance, siebter Präsident der Fünften Republik zu werden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf (picture alliance / dpa / David Thierry)Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf (picture alliance / dpa / David Thierry)Der konservative Nicolas Sarkozy (57) ist seit 2007 im Amt. Der Ehemann des linken Models Carla Bruni Sarkozy und Sohn eines ungarischen Einwanderers fiel im Wahlkampf durch Populismus auf - Frankreich habe "zu viele Einwanderer". Viele Franzosen haben zu viel von dem harmoniesüchtigen Superhelden, neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Partner von Europas Führungsduo "Merkozy". Nach Umfragen bleibt es bei dieser - im Vergleich zu seinen Vorgängern - kurzen Amtszeit des Kandidaten der gaullischten Partei UMP (Union pour un mouvement populaire).

Der Kandidat der Sozialisten (PS) Francois Hollande gibt seine Stimme für die Präsidentschaftswahl ab (picture alliance / dpa / Jacky Naegelen)Francois Hollande gibt seine Stimme ab (picture alliance / dpa / Jacky Naegelen)Als großer Favorit für den Wahlsieg gilt aber der bodenständige gleichaltrige Sozialist François Hollande. Der Kandidat der Parti Socialiste (PS) und der Parti Radical de Gauche (PRG) liegt seit Monaten in allen Umfragen klar vor Sarkozy. Es dürfte Hollandes Triumph werden. Bei der Wahl vor fünf Jahren ließ er noch seiner damaligen Ehefrau Ségolène Royal den Vortritt. Der 57-Jährige trägt seitdem den Beinamen "Monsieur Royal". Das Paar trennte sich, wenige Monate nachdem Royal gegen Sarkozy verlor.

Der Berliner Politikbetrieb hatte bereits Befürchtungen geäußert, mit Hollande sei das deutsch-französische Gespann einem ständigen Stresstest ausgesetzt. Diese Ablehnung der Deutschen beschrieb der frühere Berater von Präsident François Mitterrand (1981-1995) für Wirtschaftsfragen jüngst mit dem Wort "hostile", was mit "feindlich" übersetzt werden kann. Der Vorsitzende der deutsch-französischen Parlamentariergruppe, Andreas Schockenhoff, sagte im Deutschlandfunk, Hollande "ist eben gerade ein Anti-Sarkozy". Er sei auch "kein Wunschkandidat der Franzosen", entgegnete die Frankreich-Expertin Claire Demesmay.

Sarkozy muss also auf einen Stimmungsumschwung in den kommenden zwei Wochen hoffen: Die endgültige Entscheidung über den neuen Staatschef wird voraussichtlich erst am 6. Mai in einer Stichwahl fallen, da der Wahlsieger die absolute Mehrheit der Stimmen benötigt.

Überseegebiete wählten am Samstag

Knapp 900.000 Wahlberechtigte durften bereits am Samstag zu den Urnen gehen - die Franzosen in den Überseegebieten wie den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique. Hintergrund der Regelung ist die große Zeitdifferenz: Ohne die vorgezogenen Öffnungszeiten der Wahllokale würde mancherorts noch gewählt, während in Paris schon längst die Ergebnisse vorliegen.

In den jüngsten Umfragen zur ersten Abstimmungsrunde kam Hollande im Schnitt auf 28 Prozent. Sarkozy lag mit rund 26 Prozent auf Platz zwei vor der Rechtsextremen Marine Le Pen (16 Prozent) und dem Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon (14 Prozent). Für die zweite Wahlrunde liegt Hollande in den Umfragen im Schnitt bei 55,7 Prozent, Sarkozy bei 44,3 Prozent. Meinungsforscher weisen allerdings darauf hin, dass viele Franzosen bis zuletzt unentschlossen waren. Und besonders viele junge Wähler zeigen Sympathien für die Rechtsextreme Marine Le Pen (mp3), berichtet Margot Hillmann im Deutschlandradio Kultur.

Wahlkampf mit erbitterten Fernduellen

Die Plakate der Kandidaten zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich, aufgenommen am 17.04.2012 in Nancy (picture alliance / dpa / /ncy A Marchi)Die Plakate der Kandidaten zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich, aufgenommen am 17.04.2012 in Nancy (picture alliance / dpa / /ncy A Marchi)Sollte Sarkozy in der ersten Wahlrunde hinter Hollande landen, wäre dies das schlechteste Ergebnis eines Präsidenten der fünften Republik. Bislang profitierten alle seine Vorgänger zumindest in der ersten Abstimmungsrunde von einem Amtsbonus und entschieden sie für sich.

Im Wahlkampf lieferten sich Hollande und Sarkozy erbitterte Fernduelle. Der Sozialist will unter anderem die von Sarkozy abgeschaffte "Rente mit 60" wieder einführen und den EU-Fiskalpakt neu verhandeln. Die Finanzmärkte hat er zu seinem Gegner erklärt. Sarkozy wirft Hollande verantwortungslose Versprechen vor und versucht, sich als mutiger Reformer zu profilieren. Der rechten Wählerschaft verspricht er einen harten Kurs gegen illegale Einwanderung und radikale Islamisten.


Mehr zum Thema:
Sammelportal zur Präsidentenwahl in Frankreich
Frankreich: Wahlprogramme Sarkozy und Hollande (MP3-Audio)
13 Fragen zur Präsidentenwahl in Frankreich (Quelle: Französische Botschaft in Deutschland)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

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