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Kampf um letzte Islamisten-Hochburg in Mali

Paris: "Vormarsch terroristischer Gruppen gestoppt"

Französische Soldaten am Flughafen in Timbuktu, nun auch in Kidal (picture alliance / dpa / Arnaud Roine)
Französische Soldaten am Flughafen in Timbuktu, nun auch in Kidal (picture alliance / dpa / Arnaud Roine)

Die Befreiung malischer Städte von islamistischen Terroristen befindet sich offenbar in den letzten Zügen. Französische Soldaten haben nach Medienberichten den Flughafen von Kidal eingenommen, der letzten wichtigen Provinzhauptstadt, die noch von den Islamisten kontrolliert wird.

Mehrere islamistische Aufständische hatten vor einem Jahr damit begonnen, die nordöstliche Hälfte Malis, den Azawad, zu erobern. Dazu gesellten sich Terrorgruppen wie die afrikanische Al-Kaida und Ansar Dine. International wuchs die Sorge vor einem zweiten Afghanistan. Als die Rebellen das Gebiet weitgehend kontrollierten, forderten sie die Unabhängigkeit der Regionen Timbuktu, Gao und Kidal. Als sie weiter in Richtung Süden vorrückten, griff Frankreich am 10. Januar militärisch ein. Nun bröckelt die Macht der Milizen: Die Provinzhauptstädte Timbuktu und Gao sind befreit worden. Jetzt droht die letzte Hochburg Kidal zu fallen.

Französische Streitkräfte hätten den Flughafen von Kidal eingenommen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. "Die Franzosen haben Position bezogen", sagte ein Vertreter der Rebellengruppe Islamische Bewegung für Azawad, die sich vor wenigen Tagen von der Ansar Dine abgespalten hatte und nun eine "friedliche Lösung" des Konfliktes fordert. Ein führender Vertreter der Rebellengruppe verhandle mit dem französischen Militär, hieß es. Am Flughafen waren nach Angaben von Sicherheitskräften französische Hubschrauber zur Luftüberwachung im Einsatz.

Paris fordert raschen Übergang

Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault (picture alliance / dpa /Ian Langsdon)Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault (picture alliance / dpa /Ian Langsdon)Aus Sicht Frankreichs, bis 1960 Kolonialmacht in Mali, ist "der Vormarsch terroristischer Gruppen gestoppt", wie es Premierminister Jean-Marc Ayrault formulierte. Er warnte jedoch vor einem vorschnellen Triumph. Racheakte seien jederzeit möglich. "Wir widmen uns nun unserem zweiten Ziel: Mali dabei zu unterstützen, seine territoriale Integrität zurückzuerlangen."

Die internationale Gemeinschaft müsse rasch Beobachter zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen entsenden, sagte Ayrault am Dienstag vor dem Parlament. Menschenrechtsgruppen haben den malischen Soldaten vorgeworfen, aus Rache mutmaßliche Islamisten und Unterstützer getötet zu haben. Ayrault erklärte, diese Berichte seien bislang nicht vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz bestätigt worden.

Der französische Außenminister Laurent Fabius bekräftigte derweil, die französischen Truppen sollten schnell wieder aus Mali abgezogen werden. Es habe zu den Planungen der Regierung in Paris gehört, "Gao und Timbuktu zu befreien", sagte Fabius der Zeitung "Le Parisien". "Nun müssen die afrikanischen Länder den Stab übernehmen."

Bedingungen für deutsche Hilfe

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) (dpa / Maurizio Gambarini)Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) (dpa / Maurizio Gambarini)Auf einer internationalen Geberkonferenz für Mali in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gab es Zusagen in Höhe von 455,5 Millionen US-Dollar (derzeit rund 338 Millionen Euro) für den Militäreinsatz gegen islamistische Kämpfer und für humanitäre Hilfe. Deutschland sagte 20 Millionen US-Dollar zu, will das Geld jedoch an Bedingungen knüpfen. Die malische Regierung müsse erst erklären, wie sie eine verfassungsmäßige Ordnung wieder herstellen wolle, sagte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP).

Die Bundesregierung sagte außerdem weitere logistische Unterstützung zu - auch ohne Bundestagsmandat. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen weitere 50 Soldaten auf einem Stützpunkt für Transportflüge in der senegalesischen Hauptstadt Dakar stationiert sowie Lastwagen und Schutzwesten zur Verfügung gestellt werden. Vor rund einer Woche wurden bereits zwei Transallflugzeuge zum Truppentransport in das Gebiet verlegt.

Erhöhtes Anschlagsrisiko auch in Deutschland

Die Beteiligung der Bundeswehr am Anti-Terror-Einsatz in Mali erhöht aus Sicht des Bundes Deutscher Kriminalbeamter die Gefahr islamistischer Anschläge. "Ähnlich wie 2006, als die Bundeswehr erstmalig die internationale Schutztruppe ISAF in Afghanistan befehligte, wird der Einsatz der Bundeswehr in Mali die islamistischen Kräfte in der Bundesrepublik Deutschland auf den Plan rufen und die Wahrscheinlichkeit eines islamistischen Anschlags auf deutschem Boden oder gegen deutsche Einrichtungen im Ausland erhöhen", warnte der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wies in der Chemnitzer «Freien Presse» darauf hin, dass eine Vielzahl von Salafisten aus Deutschland nach Ägypten ausgereist sei, "möglicherweise einige auch weiter in Richtung Mali". Die Sicherheitsbehörden wüssten, dass sie an der Produktion von Drohvideos beteiligt seien, die im Internet verbreitet werden. Man beobachtete, wie sich die Bedrohung entwickle.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

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