Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kampf um libyschen Ölhafen

Opposition beklagt gezielte Desinformation

Eine Rauchwolke ist nach einem Luftangriff über der ostlibyschen Hafenstadt Ras Lanuf zu sehen. (AP)
Eine Rauchwolke ist nach einem Luftangriff über der ostlibyschen Hafenstadt Ras Lanuf zu sehen. (AP)

Im Osten Libyens versuchen die Anhänger von Gaddafi, die Kontrolle zurückzugewinnen. Nach Augenzeugenberichten sind Regierungstruppen auf die Ölstadt Ras Lanuf vorgerückt, wobei die Stadt auch aus der Luft angegriffen wurde.

Im bewaffneten Ringen um die Hafenstadt wird erneut deutlich, dass der Kampf um die Macht in Libyen ein erbitterter Propaganda-Krieg geworden ist. Im libyschen Staatsfernsehen wird bereits die Rückeroberung von Ras Lanuf gefeiert, während die Opposition dies heftig dementiert und von gezielten Falschinformationen spricht.

Gaddafi-Anhänger feiern in Tripolis einen militärischen Erfolg über die Aufständischen. (AP)Gaddafi-Anhänger feiern in Tripolis einen militärischen Erfolg über die Aufständischen. (AP)

UNO-Sondergesandter ernannt

Die Vereinten Nationen haben den ehemaligen jordanischen Außenminister Abdelilah el Chatib als Sondergesandten für das nordafrikanische Land erwählt. Die Aufgabe von El Chatib ist es, in den umkämpften Gebieten die Situation der Bewohner und den Stand der militärischen Auseinandersetzungen einzuschätzen. Unterdessen hat die EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton ein Erkundungsteam in das nordafrikanische Land entsandt, das sich ein Bild vor Ort verschaffen soll. Am Donnerstag treffen sich die EU-Außenminister in Brüssel zu einem Libyen-Sondergipfel.

Zögerliche EU-Strategie

Die EU tut sich mit einer einheitlichen Libyen-Strategie schwer, weil die verschiedenen Länder traditionell sehr unterschiedliche Interessen und Beziehungen mit Libyen verbinden, schätzt Brüssel-Korrespondent Volker Finthammer das zögerliche EU-Vorgehen im Deutschlandradio Kultur ein. Außenminister Westerwelle setzt sich weiterhin für Sanktionen gegen Libyen ein. UNO und EU sollten sich seiner Meinung nach auf eine Einstellung aller Zahlungen an das Regime verständigen. Eine Flugverbotszone über Libyen lehnt Deutschland bislang ab.

Ein Anti-Gaddafi-Kämpfer bringt sich mit einer Flugabwehrrakete in der Ölstadt Ras Lanouf im Osten Libyens in Stellung. (AP)Ein Anti-Gaddafi-Kämpfer bringt sich mit einer Flugabwehrrakete in der Ölstadt Ras Lanuf in Stellung. (AP)

Soll die Staatengemeinschaft eingreifen?

In den USA wird diskutiert, ob die USA eine Flugverbotszone über Libyen durchsetzen sollen. US-Außenminister Robert Gates hatte sich strikt dagegen gewandt. Dies käme einem Krieg gleich, sagte er.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Beziehungen im US-Senat, John Kerry, signalisierte nun ein "Ja" zu einem solchen Einsatz, berichtete Klaus Kastan aus Washinton im Deutschlandfunk, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Verbündeten der USA dem zustimmten und sich daran beteiligten. Kerry gilt als enger Vertrauter und außenpolitischer Berater Obamas.
Ruprecht Polenz (CDU) ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, dem er seit 1994 angehört. (ruprecht-polenz.de)Ruprecht Polenz (CDU) (ruprecht-polenz.de)

Politiker: Flugverbotszone hochriskant

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), hält die Durchsetzung einer Flugverbotszone über Libyen ohne die Unterstützung "wenigstens eines islamischen Landes" für hochriskant.Zudem sei die Voraussetzung dafür ein Beschluss des UN-Sicherheitsrats.

Die UNO müsse eine Flugverbotszone über Libyen einrichten und die Übergangsregierung anerkennen, sagt dagegen Daniel Cohn-Bendit, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Europaparlament. Schon die Bereitschaft der UNO zu einem Militäreinsatz könne Diktator Gaddafi womöglich dazu bringen, "zu einer Lösung zu finden".

Der in Bengasi gegründete Nationalrat des Widerstandes hatte eine solche Flugverbotszone am Sonntagabend erneut von der internationalen Staatengemeinschaft gefordert. Nur so seien Zivilisten vor Luftangriffen zu schützen, die angeblich noch immer von Gaddafis Luftwaffe geflogen werden, berichtet der Deutschlandfunk. Ein Eingreifen ausländischer Bodentruppen lehnen Gaddafis Gegner jedoch nach wie vor ab.

Über die aktuelle Lage in Libyen informieren die Deutschlandradio-Nachrichten.

Linktipp:
Alle Beiträge zu den Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten bei dradio.de im Sammelportal "Der arabische Aufstand"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Verhältnis zwischen AfD und Christen"Das Christentum in Geiselhaft genommen"

Ein Mann mit einem AfD Poloshirt und einer Kette mit Kreuz um den Hals. (imago  /Jens Jeske)

Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch "Alternative für Christen?" und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Sommerreihe: Die Qual der Wahl"Heute ist es ohne Weiteres möglich, nicht gläubig zu sein"

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)

Wer heute gläubig sei, sei sich dessen voll bewusst, dass er oder sie genauso gut auch nicht gläubig sein könnte, meint der Sozialphilosoph Hans Joas. In die Attraktivität von Religionsgemeinschaften fließe auch immer ein, wie sie sich zu zentralen politischen Fragen wie sozialer Ungleichheit stellten.

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Der Fall Doğan Akhanlı Ein Missbrauch internationaler Verträge

Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Tempodrom in Berlin. Der Premier sprach 2014 vor tausenden Anhängern auf der von den European Turkish Democrats (UETD) organisierten Veranstaltung. (imago - Christian Mang)

Der eigentliche Grund für die Festnahme des türkischstämmigen Schriftstellers Doğan Akhanlı in Spanien dürfte dessen Beschäftigung mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern sein, meint Kemal Hür. Dass der türkische Präsident Erdoğan aber inzwischen so weit gehe, Kritiker auch im europäischen Ausland zu verfolgen, sei ein Skandal.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Spanien  Hauptverdächtiger des Terroranschlags von Barcelona wurde getötet | mehr

Kulturnachrichten

Keine Konföderierten-Denkmäler an Uni Texas | mehr

 

| mehr