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Kandidaten für die Papst-Nachfolge

Alles nur Spekulationen, aber mehrere Namen werden immer wieder genannt

Papst Benedikt XVI. feiert in Erfurt eine Messe am Dom (dpa / Eckehard Schulz)
Papst Benedikt XVI. feiert in Erfurt eine Messe am Dom (dpa / Eckehard Schulz)

Nach der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. hat die Debatte über einen Nachfolger begonnen. Bei den britischen Buchmachern haben Kandidaten aus Afrika, Italien oder Kanada besonders gute Quoten.

Eine offizielle Liste von Kandidaten für die Nachfolge Benedikts gibt es nicht. Allerdings werden mehrere Namen immer wieder genannt:

Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von Sao Paulo (picture alliance / dpa / Fernando Bizerra Jr.)Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von Sao Paulo (picture alliance / dpa / Fernando Bizerra Jr.)Odilo Pedro Scherer, Brasilien, 63 Jahre: Er gilt als stärkster Kandidat aus Lateinamerika. Der Erzbischof von Sao Paolo, der größten Diözese im größten südamerikanischen Land, zählt in seiner Heimat zu den Konservativen, würde andernorts aber als gemäßigt durchgehen.

Leonardo Sandri, Argentinien, 69 Jahre: Er kam als Kind italienischer Eltern in Buenos Aires zur Welt und gilt damit als transatlantischer Brückenbauer. Von 2000 bis 2007 hatte er den dritthöchsten Posten der Kirche als Stabschef des Vatikan inne. Er besitzt allerdings ähnlich wie Papst Benedikt keine seelsorgerische Erfahrung.

Timothy Kardinal Dolan, Erzbischof von New York (picture alliance / dpa / Peter Foley)Timothy Kardinal Dolan, Erzbischof von New York (picture alliance / dpa / Peter Foley)Timothy Dolan, USA, 62 Jahre: Er ist die Stimme der US-amerikanischen Katholiken, seit er 2009 zum Erzbischof von New York ernannt wurde. Sein Humor und sein Schwung haben viele Gläubige beeindruckt. Jedoch könnte seine kumpelhafte Art für einige zu amerikanisch sein.

Angelo Scola, Italien, 71 Jahre: Sein Posten als Erzbischof von Mailand gilt als Sprungbrett für das Amt des Papstes. Viele Italiener setzen auf den Bioethik-Experten, der derzeit Präsident der Stiftung zur Förderung des Verständnisses zwischen Muslimen und Christen ist. Er gilt allerdings als nicht sonderlich beredt, was ihm schaden dürfte, falls die Kardinäle einen charismatischen Nachfolger an der Spitze der Kirche sehen wollen.

Christoph Schönenborn, Österreich, 67 Jahre: Er ist ein früherer Student von Papst Benedikt, aber stärker als dieser von der Seelsorge geprägt. Der Erzbischof von Wien gilt als Anwärter auf das Amt des Papstes, seit er in den 90er Jahren den Katechismus herausgegeben hat.

Peter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)Peter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)Peter Turkson, Ghana, 64 Jahre: Er gilt als aussichtsreichster Kandidat aus Afrika. Als Leiter des vatikanischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit ist er so etwas wie das soziale Gewissen der Kirche. Ein Ziele, für das er sich einsetzt, ist eine globale Finanzreform. Für Irritationen sorgte, dass er bei einer vatikanischen Synode das islamkritische Video "Muslim Demographics" über die Ausbreitung des Islam in Europa zeigte. Seit dem gibt es Zweifel daran, wie er zu der zweitgrößten Weltreligion steht.

Francis Arinze, Nigeria, 80 Jahre: Er galt als Favorit noch vor Joseph Ratzinger: Drei zu eins lautete die Wettquote britischer Buchmacher am 18. April 2005. Arinze wurde als Angehöriger des Volkes der Ibo geboren - als "Heidenkind", wie man damals sagte. Sein Eintreten für Versöhnung zwischen christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen empfahl ihn Johannes Paul II. 1985 für die Leitung des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog; in seine Ägide fällt etwa die Aufnahme offizieller Gespräche mit der Al-Azhar-Universität in Kairo. Zunächst Präfekt der Gottesdienstkongregation ernannte Benedikt XVI. ihn 2009 zum Leiter der Fastenexerzitien für die Römische Kurie.

Marc Ouellet, Kanada, 68 Jahre: Als Leiter der Bischofskongregation ist er so etwas wie der Personalchef im Vatikan. Er sagte einmal, Papst zu werden "wäre ein Alptraum". Obwohl er innerhalb der Kurie gut vernetzt ist, könnte der weitverbreitete Säkularismus in seiner Heimatprovinz Quebec gegen ihn sprechen.

Joao Braz de Aviz, Brasilien, 65 Jahre: Er brachte frischen Wind in den Vatikan, als er 2011 zum Präfekten der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens gewählt wurde. Er befürwortet die Hinwendung zu den Armen, wie sie die lateinamerikanische Befreiungstheologie anstrebt, tendiert aber nicht zu den extremeren Ausprägungen dieser Lehre. Ein Nachteil für ihn dürfte sein, dass er relativ unbekannt ist.

Gianfranco Ravasi, Italien, 70 Jahre: Er ist seit 2007 der Kulturminister des Vatikan und vertritt die Kirche in der Welt der Kunst, der Wissenschaft, der Kultur und gegenüber Atheisten. Dieser Lebenslauf könnte auch gegen ihn sprechen, falls die Kardinäle beschlössen, dass sie dieses Mal einen erfahrenen Seelsorger als Papst wollen und nicht erneut einen geistig, wissenschaftlich orientierten Mann wie Benedikt.

Luis Tagle, Philippinen, 55 Jahre: Sein Charisma wird oft mit der Ausstrahlung von Papst Johannes Paul II. verglichen. Er gilt auch als Vertrauter Benedikts, nachdem er mit ihm in der Internationalen Theologenkommission zusammengearbeitet hat. Er verfügt über viele Anhänger, wurde aber erst 2012 zum Kardinal ernannt - und jüngeren Kandidaten steht das Konklave meist skeptisch gegenüber.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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