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Kanzlerin verspricht Soforthilfe für Hochwassergeschädigte

Elbregionen erwarten Überflutungen wie 2002 - Pegelstände im Osten Deutschlands steigen weiter

Angela Merkel spricht mit Helfern in der Altstadt von Passau (dpa / Andreas Gebert)
Angela Merkel spricht mit Helfern in der Altstadt von Passau (dpa / Andreas Gebert)

Bei ihrem Besuch in der überfluteten bayerischen Stadt Passau hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schnelle Hilfe für die Betroffenen des Rekordhochwassers in Aussicht gestellt. In den Hochwassergebieten Ostdeutschlands drohen weitere Überschwemmungen.

Passau hat eine Flut hinter sich, wie es sie seit mehr als 500 Jahren nicht mehr gegeben hat. Die Pegelstände sinken nun langsam wieder, nachdem die Donau am Abend auf den Höchststand von knapp 12,90 Metern gestiegen war. Es war das erste Überschwemmungsgebiet in Deutschland, das die Kanzlerin am Dienstag besuchte. Sie stellte in Aussicht, dass der Bund die Soforthilfen der Länder aufstocken wird. Wichtig sei, dass das Geld jetzt schnell fließe. Alleine Bayern wird demnach wohl mindestens 50 Millionen Euro bekommen. Bundeskanzlerin Merkel sagte bei Besuchen in Passau und Pirna 100 Millionen Euro Soforthilfe zu. Sie besuchte auch Pirna in Sachsen und Greiz in Thüringen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Flutopfern Mut zu.

Millionenschäden in Passau befürchtet

Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) nannte das Versprechen der Kanzlerin ein "klares Signal". Er rechnet mit Schäden von etwa 20 Millionen Euro in seiner Stadt. Die Altstadt Passaus steht immer noch unter Wasser, der Pegelstand sinkt um wenige Zentimeter pro Stunde. Problematisch für die Bevölkerung ist vor allem, dass die Trinkwasserversorgung nach wie vor abgeschaltet ist. Dupper sagte im Deutschlandfunk, dass aktuell Brauereien und auch die Bundespolizei aushelfen, um eine dezentrale Versorgung der betroffenen Menschen zu ermöglichen. Der SPD-Politiker sprach von dramatischen drei Tagen und enorm hohen Schäden.

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Das Hochwasser hat weite Teile von Eilenburg überschwemmt. (Foto: Deutschlandradio / Thomas Otto)

Die Aufräumarbeiten in der Innenstadt Passaus haben begonnen. In der Stadt stinke es, da das Donauwasser mit Heizöl verseucht sei, berichtet Michael Watzke im Deutschlandradio Kultur.

Sachsen-Anhalt droht Hochwasser-Katastrophe

Im bayerischen Regensburg gaben die Behörden am Dienstag erneut Katastrophenalarm. Und auch im Osten Deutschlands spitzt sich die Lage weiter zu. Die Pegelstände an Elbe, Saale, Mulde und Havel steigen nach wie vor, es wurden weitere Orte überschwemmt. In Sachsen-Anhalt befürchten die Behörden schlimmere Überschwemmungen als beim Jahrhunderthochwasser 2002. In Naumburg erreichte die Saale einen neuen Spitzen-Pegelstand von 6,44 Metern.

Besonders angespannt ist die Lage auch in Halle. Die Situation sei dramatisch, berichtete Korrespondent Marcel Roth im Deutschlandfunk. Die Saale hat in der größten Stadt des Bundeslandes stellenweise die Höhe von 7,50 Metern überschritten. Besonders bedroht ist ein Damm, der Tausende Wohnungen schützt. In Bitterfeld haben die Behörden tausende Menschen evakuiert, und auch in der Landeshauptstadt Magdeburg wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Weil viele Deiche nach der Jahrhundertflut vor elf Jahren saniert wurden, hoffen die Behörden aber, dass die Schäden durch die zu erwartenden Überschwemmungen nicht so gravierend ausfallen wie damals.

Elbbrücke in Dresden gesperrt - Experten erwarten Ausmaße wie 2002

Auch im benachbarten Bundesland Sachsen ist die Hochwasserlage weiter angespannt. Der Hochwasserschutzbehörde macht vor allem die Elbe Sorgen. In Dresden ist die erste Elbbrücke gesperrt worden. Das sächsische Innenministerium teilte mit, man rechne an der Elbe mit einer vergleichbaren Situation wie beim Hochwasser 2002. In Meißen sind Teile der Altstadt überflutet. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, zum Beispiel auch in Bitterfeld, Pirna und Eilenburg.

Am Abend entwickelte sich die Situation vor allem in Bitterfeld dramatisch. Bitterfeld liegt an der Mulde, einem Zufluss der Elbe. Weil die Gefahr eines Dammbruchs besteht, wurden große Teile der Stadt evakuiert. Etwa 10.000 Menschen wurden aufgefordert, vorsorglich ihre Häuser zu verlassen. Notunterkünfte stehen unter anderem in Turnhallen bereit.

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Die Elbe bedroht das Internationale Congress Center und den Landtag in Dresden (Bild: dpa / Arno Burgi)

Das Innenministerium Thüringens meldet dagegen sinkende Pegelstände im ganzen Land. Trotzdem bleibt die Situation weiter kritisch, vor allem im Osten des Bundeslandes. Dort waren zeitweise etwa 10.000 Menschen ohne Strom und viele Straßen sind weiter überflutet. In Weimar werden laut unserer Korrespondentin Blanka Weber hohe Schäden befürchtet. Der Ilmpark, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, war überschwemmt worden und muss nun aufwendig wieder hergerichtet werden.

Rufe nach Nachbesserungen beim Hochwasserschutz

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) forderte unterdessen, die Standards zum Hochwasserschutz nachzubessern. Die jetzige Situation sei historisch einmalig, sagte er im Deutschlandfunk.

Auch der Wasserexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Sebastian Schönauer, rief beim Hochwasserschutz zu einem Umdenken auf: Die Katastrophe wäre nicht so schlimm ausgefallen, hätte man den Flüssen in der Vergangenheit mehr natürlichen Raum gelassen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bedauerte er, seit den letzten Hochwassern sei nicht alles, was versprochen worden sei, auch umgesetzt worden.

Beim größten deutschen Autoversicherer HUK-Coburg werden derweil angesichts der Überflutungen deutliche Abstriche in der Bilanz für 2013 erwartet: "Ich befürchte, das wird spürbar Geld kosten", so der für Schadenversicherungen zuständige Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann.

Zehn Tote in Nachbarländern

Auch in Tschechien macht das Hochwasser weiter Probleme. Viele Flüsse und Bäche sind über die Ufer getreten, Eisenbahnstrecken und Landstraßen sind gesperrt. Besonders spürbar sind die Überschwemmungen in der Hauptstadt Prag, wo die U-Bahn nicht fährt und für viele Schüler der Unterricht ausfiel. In Tschechien, Österreich und der Schweiz kamen bisher zehn Menschen durch das Hochwasser und Erdrutsche ums Leben. Chaotische Verhältnisse herrschen auch in der Slowakei, wo die Behörden die höchste Warnstufe für die Hauptstadt Bratislava ausriefen. Entwarnungen dagegen in Polen: Der Feuerwehrchef des Landes, Wieslaw Lesniakiewicz, sagte im Nachrichtensender TVN 24, es sei keine Flut wie in Tschechien zu erwarten.


Unter Hashtag #hochwasser finden Twitter-Leser aktuelle Informationen, Fotos und Videos aus den betroffenen Regionen:




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Weitere Informationen zum Thema:

Länderübergreifendes Hochwasserportal" - Eine gemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer
Hochwassernachrichtendienst

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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