Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kassen wollen Gesundheitsreform verschieben

Söder stellt Zeitplan in Frage

Krankenkassenkarten (AP)
Krankenkassenkarten (AP)

Mehrere gesetzliche Krankenkassen haben die Koalition aufgefordert, die Gesundheitsreform zu verschieben. So sagte der Chef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, dem "Tagesspiegel": "Ein funktionierender Gesundheitsfonds schon 2007 ist nicht zu realisieren, dazu ist die Materie zu komplex."

Vor 2009 werde das nicht funktionieren, die Kassen bräuchten aber jetzt Klarheit darüber, wie die Finanzlage im kommenden Jahr aussehen werde. Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen für das Jahr 2007 mit einem Minus von sieben Milliarden Euro.

Auch die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) und die Deutsche Angestellten Kasse (DAK) warnten vor übereilten Schritten. Zur Lösung des Finanzproblems in 2007 regte KKH-Vizechef Rudolf Hauke an, Privatkassen in den Finanzausgleich der gesetzlichen einzubeziehen. Außerdem könne der Mehrwertsteuersatz auf Medikamente halbiert werden.

Auch Söder stellt Zeitplan in Frage

CSU-Generalsekretär Markus Söder stellte den Zeitplan für die Vorstellung der Gesundheitsreform in Frage gestellt. Das Ergebnis sei wichtiger als der Tag der Verkündung, sagte Söder der "Berliner Zeitung". Qualität gehe vor Schnelligkeit. Solange nicht alles ausdiskutiert sei, könne es auch keine Einigung geben, betonte der CSU-Politiker. Nach bisheriger Planung wollen Union und SPD die Eckpunkte für die Gesundheitsreform am Sonntagabend in einer Koalitionsrunde verabschieden. Als weitere Einsparsmöglichkeiten im Gesundheitswesen nannte Söder die Ausgliederung von Leistungen aus dem Krankenkassen-Katalog. Unfälle bei Extremsportarten beispielsweise könnten privat abgesichert werden.

Verringerung der Zahl der Krankenkassen umstritten

Die von der großen Koalition angestrebte drastische Reduzierung der Zahl gesetzlicher Krankenkassen ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Bahr, bezeichnete es als einen Irrglauben, dass weniger Kassen geringere Verwaltungskosten bedeuteten. So sei 1994 mit mehr als 1000 Krankenkassen erheblich weniger Geld für die Verwaltung ausgegeben worden als gegenwärtig mit 253, sagte Bahr der Chemnitzer "Freien Presse". Zudem arbeiteten die kleinen Krankenkassen deutlich effektiver als die Mammutkassen. Während die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) pro Versicherten und Jahr 170 Euro Verwaltungskosten aufwendeten, seien es bei den deutlich kleineren Betriebskrankenkassen (BKK) lediglich 122 Euro.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verteidigte hingegen die Reduzierungspläne. "Wir brauchen keine 260 Kassen, 50 würden genügen", sagte er im MDR-Fernsehen. Viele Kassen seien zu klein für einen richtig funktionierenden Wettbewerb.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:05 Uhr Kakadu

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Mladen Ivanic, Vorsitzender des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina2025 Verhandlungsauftakt für EU-Beitritt?

Mladen Ivanic, Mitglied des Dreier-Staatspräsidium von Bosnien und Herzegowina (dpa picture alliance/ Michael Kappeler)

Bosnien und Herzegowina könnte ab 2025 ernsthaft über einen EU Beitritt verhandeln. Einen früheren Verhandlungsauftakt hält der amtierende Vorsitzende des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina, Mladen Ivanic, für unrealistisch. Ein EU Beitritt für sein Land jedoch die einzige Alternative.

Wildtiere in NotRettung in letzter Sekunde

Fast wäre ein Gullydeckel dem kleinen Eichhörnchen zum Verhängnis geworden. Es wollte durch eines der Löcher schlümpfen und hing fest. Zum Glück informierte eine Frau die Wildtierretter, die das völlig entkräftete Tier im letzten Moment noch befreien konnten.

VenezuelaGesundheitssystem vor dem Kollaps

Der kleine Isaai Camacho (v.r.) wartet mit seiner Mutter am 20.06.2016 am Kinderkrankenhaus «Jorge Lizarraga» der Stadt Valencia in Venezuela (Südamerika) auf eine Behandlung.  (dpa / picture-alliance / Georg Ismar)

Leere Klinik-Apotheken, durchgelegene Betten und marode Gebäude - das staatliche Gesundheitssystem in Venezuela ist völlig am Boden. Die Opposition wirft Präsident Nicolás Maduro vor, den Bürgern die Unterstützung von ausländischen Hilfsorganisationen zu verweigern. Er fürchte um das Image des Landes.

Vereine in DeutschlandEs sterbe der Sport?

Die TG Bornheim in Frankfurt ist einer der deutschen Großvereine. (Deutschlandradio / Marina Schweizer)

Es gibt immer mehr Vereine in Deutschland, aber immer weniger Mitglieder. Insbesondere Sportclubs klagen über Austritte und fehlende Ehrenamtler. Kann Deutschland den Titel als Vereinsweltmeister halten?

Tag der Menschenrechte Wie weit soll man die Wirtschaft auf Menschenrechte verpflichten?

Frauen und Männer arbeiten in der Textilfabrik "One Composite Mills" in Gazipur, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch. (picture alliance / dpa)

Inwieweit wird in Deutschland die Würde aller Menschen geachtet? Michael Windfuhr, Direktor des Instituts für Menschenrechte, plädiert dafür, etwa Unternehmen dazu zu verpflichten, ihre Produktionskette auf die Wahrung von Menschenrechten zu überprüfen.

Literaturnobelpreis 2016 Bob Dylans Shakespeare

Seit mehr als einem halben Jahrhundert prägt und inspiriert Bob Dylan die Kultur seiner Nation und der Welt. Seine Songtexte erscheinen oft rätselhaft. Näher als in diesem Hörsaal können wir dem rätselhaften Songwriter nicht kommen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Palmyra  IS-Miliz zieht sich offenbar aus antiker Stadt zurück | mehr

Kulturnachrichten

"Toni Erdmann" zum besten europäischen Film gekürt  | mehr

Wissensnachrichten

Deutsches Kulturerbe  Ostfriesische Teekultur, Skat und Hebammen gehören dazu | mehr