Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kein Ausweg für Zypern?

Kanzlerin Merkel gegen Verstaatlichung der zyprischen Pensionskassen

Wie geht es weiter mit Zypern?
Wie geht es weiter mit Zypern? (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Zaudern, Zittern, Zypern: Wie der Mittelmeer-Staat aus der Finanzkrise kommen soll, ist noch immer ungewiss. Russland will nicht helfen, Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt Pläne zur Verstaatlichung der Rentenkassen ab. Eine Zwangsabgabe könnte nun erneut diskutiert werden.

<p>Ohne einen akzeptablen Sanierungsplan in Nikosia rückt die erste Staatspleite eines Euro-Landes in bedrohliche Nähe: Kommende Woche sollen die Banken auf Zypern wieder öffnen. Kanzlerin Angela Merkel rügte den kleinen Mittelmeer-Staat am Freitag in scharfer Form: Eine Verstaatlichung der zyprischen Pensionskassen werde Europa nicht dulden. Möglicherweise will Zypern daher doch die eigentlich schon gescheiterte Zwangsabgabe für Bankguthaben. Das EU-Land muss eine Eigenleistung von 5,8 Milliarden Euro zusammenbringen, um von den internationalen Geldgebern Nothilfen von zehn Milliarden Euro zu bekommen. Am Sonntag oder Montag dürfte es weitere Krisengespräche der Euro-Finanzminister geben.<br /><br /></p><p><strong>"Zypern spielt mit dem Feuer"</strong></p><p><papaya:media src="1a31e8529e2e50fdd3e0253893df96ff" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bundeskanzlerin Angela Merkel" popup="yes" />"Ich wünsche mir das nicht, dass es zu einem Crash kommt", sagte die Kanzlerin laut Teilnehmern vor Koalitionsabgeordneten. Nikosia verhalte sich gerade nach der Devise, lieber sterben als auf Knien weiterleben zu wollen. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) erklärte: "Wir können nicht akzeptieren, dass die Renten der Menschen verpfändet werden. Zypern spielt mit dem Feuer."<br /><br />Offenbar verwirft die Regierung in Nikosia den Plan zum Aufbau eines Fonds aus Pensionen, Kirchengeldern und Notenbank-Gold wieder. Von einer <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241354" text="Zwangsabgabe für Bankkunden" alternative_text="Zwangsabgabe für Bankkunden" /> war eigentlich keine Rede mehr, seit diese Maßnahme am Dienstag im Parlament durchfiel. Stattdessen sollten im "Nationalen Solidaritätsfonds" Geld von der zyprischen Kirche und sonstigen Institutionen eingesammelt werden, berichtete Korrespondent Wolfgang Landmesser <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/03/22/dlf_20130322_0611_5a366f43.mp3" title="Korrespondentenbericht DLF 22.03.2013 (MP3-Audio)">im Deutschlandfunk</a>. Doch der Chef des größten Geldinstituts Bank of Cyprus, Andreas Artemis, rief die Regierung auf, den alten Vorschlag der Eurogruppe sofort anzunehmen. Sonst drohe der Kollaps der zyprischen Banken.<br /><br /></p><p><strong>Gespräche mit der Troika</strong></p><p>Nach Agenturberichten sollen nur Geldeinlagen von über 100.000 Euro mit bis zu sieben Prozent belastet werden. Das habe Staatspräsident Nikos Anastasiades mit Vertretern der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) erörtert. Zyperns Hilferufe nach Moskau jedenfalls verhallten ungehört. "Die Verhandlungen sind beendet", sagte Finanzminister Anton Siluanow. Die zyprische Regierung versuchte vergeblich, russische Investoren mit Beteiligungen an Gasvorkommen oder Banken zu Krediten zu bewegen. Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew erklärte aber, die Türen seien noch nicht endgültig zu.<br /><br /><papaya:media src="620e4b46215bb27dff48eabc52448dea" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Ein Mann demonstriert vor dem Parlament in Nikosia mit einem Plakat gegen die Zwangsabgabe. Der Unmut gegenüber Europa wächst." popup="yes" />Um einen Zusammenbruch des Bankensystems nach der für Dienstag geplanten Öffnung der Banken zu verhindern, will Zypern vorübergehend den Zahlungsverkehr einschränken. Ein Gesetz dafür sollte das Parlament passieren. Größere Beträge dürften nicht ohne Genehmigung der Zentralbank ins Ausland überwiesen werden. Auch auf europäischer Ebene wurde über einen solchen Schritt nachgedacht. Die EZB bereite <papaya:link href="http://www.dw.de/was-sind-kapitalverkehrskontrollen/a-16688215" text="Kapitalverkehrskontrollen" title="Kapitalverkehrskontrollen (Deutsche Welle)" target="_blank" /> vor, um eine massive Kapitalflucht aus dem Krisenland zu verhindern. Das berichtete auch das <papaya:link href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kapitalflucht-ezb-bereitet-kapitalverkehrs-kontrollen-fuer-zypern-vor/7969670.html" text="Handelsblatt" title="Handelsblatt" target="_blank" /> unter Berufung auf Notenbankkreise. <br /><br />In der Geschichte der EU hat es bisher noch keine landesweiten Kontrollen für Geldüberweisungen gegeben. Der freie Zahlungsverkehr ist eine der Grundfreiheiten der Union, er kann aber zugunsten der "öffentlichen Ordnung" eingeschränkt werden. Die Europäische Zentralbank <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241277" text="hatte angekündigt" alternative_text="hatte angekündigt" />, nur noch bis Montag Geld für die zyprischen Banken bereitzustellen, wenn nicht bis dahin ein Sanierungskonzept steht. <br /><br /><em>Mehr dazu auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241490" text="Russland hat kein Interesse an Zypern" alternative_text="Russland hat kein Interesse an Zypern" /> - <br> Moskau verwehrt Krisenland neue Finanzhilfen<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241219" text="&quot;Wie ein Elefant im Porzellanladen&quot;" alternative_text="&quot;Wie ein Elefant im Porzellanladen&quot;" />- <br> Zypern, EU und Russland streiten über Lösung der Krise</p>


Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

WissenEin Denkmal für Wikipedia

Im polnischen Slubice wird das Online-Lexikon Wikipedia mit einem Denkmal geehrt.

Am Mittwoch wurde im polnischen Slubice ein Denkmal für Wikipedia enthüllt. Der Organisationstheoretiker Leonhard Dobusch begrüßt die Würdigung des Online-Lexikons: Man könne dessen Bildungsbeitrag nicht hoch genug einschätzen.

Karstadt-KriseVom Klassenprimus zum Krisenfall

Der Eingang zur der Karstadt Filiale am 01.10.2014 in Köln.

Seit Jahren sorgen Schlagzeilen und Spekulationen immer wieder für Verunsicherung bei den Karstadt-Angestellten. Der neue Eigentümer René Benko lässt keinen Zweifel an einer scharfen Sanierung. Das Konzept dazu wird morgen im Aufsichtsrat diskutiert.

Postheroismus Wenn Helden nicht mehr nötig sind

PHILIPPINES, Manila :Comic-Fans haben sich als ihre Helden verkleidet.

Heroische Werte sind in westlichen Gesellschaften nicht mehr en vogue. Was aber passiert, wenn die Figur des Helden nur noch als Superman oder Harry Potter anrückt? Über Helden und eine Gesellschaft, die scheinbar keine mehr braucht.

Obdachlose in GriechenlandFührung durch die Hinterhöfe Athens

Ein Obdachloser liegt auf seinem Schlafplatz auf dem Bürgersteig vor einer Filiale der Emporiki Bank in Athen

Die Wirtschaftskrise hat die Griechen besonders hart getroffen - auf Arbeitslosigkeit folgte häufig ein Leben auf der Straße. Doch einige der Obdachlosen haben nun einen neuen Job: Sie organisieren Stadtführungen in die dunklen Ecken Athens.

Junge Frauen beim ISPartnersuche im Dschihad

Ein von Dschihadisten ausgehändigtes Foto zeigt mutmaßliche Mitglieder der Terrorgruppe IS, darunter der Militärchef und gebürtiger Georgier Abu Omar al-Shishani (links)

Mehrere hundert Mädchen und Frauen aus Europa sollen nach Syrien gereist sein, um sich der Terrorgruppe IS anzuschließen. Viele von ihnen hoffen, dort einen Ehemann zu finden, sagt Florian Endres vom Bundesamt für Migration.

NotfallIn drei Minuten vor Ort

United Hazalah ist eine mobile Gruppe von freiwilligen Ersthelfern in Israel. Dank App und "Ambucycles" sind sie innerhalb von drei Minuten beim Patienten - der Krankenwagen braucht in Deutschland zum Beispiel deutlich länger.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kanada:  Absperrungen in Ottawa nach Schießerei weitgehend aufgehoben | mehr

Kulturnachrichten

Biennale di Venezia 2015:  Kurator Okwui Enwezor stellt sein Gedankengebäude vor | mehr

Wissensnachrichten

Familienrecht  London ist beliebt für Scheidungen | mehr