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Kein klarer Sieger im Kanzlerduell

Bewertungen des Schlagabtauschs von Merkel und Steinbrück

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück beim TV-Duell (picture alliance / dpa)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück beim TV-Duell (picture alliance / dpa)

Wer hat sich besser verkauft? Nach dem Fernsehduell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück zählen beide politischen Lager die Pluspunkte ihrer Kandidaten. Weder Meinungsumfragen noch Politikexperten sehen einen klaren Sieger.

Interviews, Pressekonferenzen, Einschätzungen. Nach dem einzigen TV-Duell von Angela Merkel und Peer Steinbrück ringen die politischen Parteien um die Deutungshoheit.

Den Anfang machte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Er sagte im ZDF-Morgenmagazin, gestern Abend seien die politischen Alternativen deutlich geworden. Während Grüne und SPD mehr investieren und Arbeitslosigkeit bekämpfen wollten, wolle die Kanzlerin Europa weiter, wie er es nannte, "in die Krise sparen." Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Christian Lindner betonte die Unterschiede der Positionen. Während Merkel Wachstumssignale durch vernünftige Rahmenbedingungen anstrebe, neige Steinbrück eher dazu, mehr Geld in die Hand zu nehmen - und damit mehr von dem zu praktizieren, was Europa erst in die Krise getrieben habe, sagte Lindner im Deutschlandfunk. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi bemängelte, die SPD habe "nicht den Mumm, einen wirklichen Politikwechsel einzuleiten".

"Man hat nicht viel neues erfahren"

Merkel Vs. Steinbrück - daws TV-Duell bei ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Phoenix und im Deutschlandfunk (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Mit Spannung erwartet, aber für manche enttäuschend (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Nach Einschätzung der Chefredakteurin des Deutschlandfunks, Birgit Wentzien, konnte Steinbrück Boden gutmachen. Er "war hochkonzentriert, mächtig in den Themen zuhaus und ist für mich der eindeutige Gewinner der Redeschlacht". Der Politikberater Michael Spreng bilanzierte im Deutschlandradio Kultur, das Gespräch sei erwartungsgemäß verlaufen: "Man hat nicht viel Neues erfahren".

Aus Sicht der Zuschauer gab es keinen klaren Sieger. Die Forschungsgruppe Wahlen sah Merkel vorne, beim Forsa-Institut lagen beide nahezu gleichauf und für Infratest dimap war Steinbrück der Gewinner. Die für die ARD von Infratest dimap befragten Zuschauer fanden Steinbrück mehrheitlich überzeugender. 49 Prozent sahen den SPD-Kandidaten vorn, für Merkel als Siegerin sprachen sich 44 Prozent aus.

Bei Direktwahl hätte Steinbrück gute Chancen

Bei einer Direktwahl des Regierungschefs hätte Steinbrück bei den Zuschauern der Sendung gute Chancen. Vor dem Duell hatten lediglich 28 Prozent angegeben, ihn als Direktkandidaten wählen zu wollen. Danach waren es immerhin 45 Prozent, wie die Umfrage ergab. Ausschlaggebend für den Sinneswandel war demnach Steinbrücks offensives Auftreten.

Neben den nationalen Zeitungen haben sich auch zahlreiche internationale Zeitungen mit Einschätzungen des TV-Duells befasst. Die polnische Zeitung "Gazeta Wyborczs" etwa meint: "Steinbrück, noch vor Beginn des Wahlkampfs als wenig charismatischer und zugleich arroganter Finanzfachmann verschrien, zeigte seine Krallen und attackierte Merkel unablässig." Die "Neue Züricher Zeitung" aus der Schweiz wiederum hält fest: "Die Kanzlerin, von ihren Gegnern oft als ausweichend und abwiegelnd beschrieben, verblüffte durch ihren festen Willen, sich weder von den Moderatoren noch von Steinbrück aus dem Konzept bringen zu lassen."

Streit um PKW-Maut und Griechenland-Hilfe

Inhaltlich standen innenpolitische Themen im Mittelpunkt. Die Bundeskanzlerin schloss eine stärkere Belastung von Autofahrern durch eine Pkw-Maut aus. "Mit mir wird es keine Pkw-Maut im Inland geben", erklärte Merkel. Steinbrück bezeichnete die von der CSU angestoßene Debatte über eine Pkw-Maut für Ausländer als "Irrsinn". CSU-Chef Seehofer müsse wissen, dass das rechtlich nicht umsetzbar sei.

Ein weiterer Streitpunkt war ein mögliches drittes Rettungspaket für Griechenland. Hier ließ die Kanzlerin offen, wie hoch weitere Hilfen ausfallen könnten. Es könne sein, dass es ein neues Paket gebe, aber kein Mensch könne sagen, wie groß es ausfallen werde: "Niemand weiß genau, wie sich die Dinge in Griechenland entwickeln", sagte Merkel. Als Kanzlerin habe sie dafür zu sorgen, dass der Reformdruck aufrechterhalten bleibe. Beraten werde darüber aber erst, wenn es soweit sei.

Herausforderer Steinbrück hielt dagegen, man könne nicht immer nur die "Konsolidierungskeule" schwingen. Nötig seien ein Aufbauprogramm und Wachstumsimpulse, eine groß angekündigte Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit. Er forderte Merkel auf, einzugestehen, dass die bisherige Strategie gescheitert sei.

Kavallerie-Drohung nicht ins Leere gelaufen

Auch der Kampf gegen Steueroasen wurde diskutiert: Steinbrück konterte den Vorwurf von Moderator Stefan Raab, sein Bild von der "Kavallerie" gegen Steuerbetrug sei eine komplett leere Drohung mit den Worten: "Stimmt doch nicht." Beispielsweise könnten Verjährungsfristen verlängert werden. Merkel entgegnete, beim Treffen der G20-Staaten in dieser Woche solle etwa ein besserer Informationsaustausch und ein stärkerer Kampf gegen Steueroasen vereinbart werden.

Steinbrück kündigte zudem an, er wolle die Alterversorgung von Beamten und Angestellten angleichen. Es könne nicht sein, dass Pensionen stärker als Renten ansteigen würden: "Die Pensionen müssen in ihrer Entwicklung fair gekoppelt werden an das, was in der umlagefinanzierten, gesetzlichen Rentenversicherung stattfindet." Was genau fair sei, ließ er offen. Es gehe darum, dass die Zuwächse bei den Pensionen nicht überproportional im Vergleich zu den Zuwächsen der Renten seien.


Viele Themen kamen zur Sprache

Thematisch kam vieles, nach vorher abgesprochenem Plan, zur Sprache. Etwa der Syrien-Konflikt, die Eurokrise, die Miet- und Strompreise in Deutschland oder die Spionageaffäre bei den Geheimdiensten in Deutschland, den USA und Großbritannien. Die Fragen stellten die vier Moderatoren Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Stefan Raab (ProSieben).

Durch das strenge Format der Sendung wurden allzu schnelle, zügellose Wortwechsel weitgehend vermieden. Merkel und Steinbrück mussten ihre Redezeit im Auge behalten, die auch von den Moderatoren überwacht wurde. Antworten sollten in der Regel 90 Sekunden nicht überschreiten.

Grüne, FDP und Linke debattieren heute

Heute ab 20.15 Uhr treffen die Spitzenkandidaten der drei kleineren im Bundestag vertretenen Parteien zu einer Fernsehdebatte aufeinander. Für die Grünen nimmt Jürgen Trittin an der einstündigen Diskussion teil, für die Linke Gregor Gysi und für die FDP Rainer Brüderle. Moderatoren der Sendung des WDR und des Bayerischen Rundfunks sind Sigmund Gottlieb und Jörg Schönenborn. Auch dieses Gespräch können Sie live im Deutschlandfunk verfolgen.

Mehr auf dradio.de:
DLF-Wahlblog zu allen Themen mit Hintergrundinformationen und Einschätzungen
Klartext gegen Teflon- Das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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