Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kein Staatsbegräbnis für den Diktator

Demonstrationen in Santiago de Chile nach Pinochets Tod

Der ehemalige chilenische Diktator, Augusto Pinochet (AP)
Der ehemalige chilenische Diktator, Augusto Pinochet (AP)

Nach dem Tod des früheren Militärmachthabers Augusto Pinochet hat die chilenische Regierung zur Ruhe aufgerufen. Die Menschen sollten sich besonnen zeigen, forderte ein Sprecher in Santiago. Zuvor war es vereinzelt zu Zusammenstößen gekommen. Gegner des ehemaligen Machthabers versuchten, auf den abgesperrten Platz vor dem Amtssitz von Präsidentin Michelle Bachelet vorzudringen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Vor dem Militärkrankenhaus, in dem Pinochet am Sonntag im Alter von 91 Jahren den Folgen eines Herzinfarkts erlag, bekundeten Tausende seiner Anhänger ihre Trauer. An anderen Orten der Hauptstadt fanden dagegen Freudenfeiern statt.

Präsidentin Bachelet lehnte unterdessen ein Staatsbegräbnis für Pinochet ab, wie es dessen Anhänger gefordert hatten.Sie ordnete jedoch an, dass die Kasernen Halbmast flaggen und dem Toten die Ehren zukommen, wie sie einem früheren Armeechef zustehen.

Michelle Bachelet, Präsidentschaftskandidatin der chilenischen Sozialisten (AP Archiv)Präsidentin Michelle Bachelet verweigert Pinochet ein Staatsbegräbnis. (AP Archiv)Als Chef des Heeres hatte Pinochet 1973 den Putsch gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Allende angeführt. Während der 17-jährigen Militärdiktatur wurden nach offiziellen Angaben fast 3200 Oppositionelle ermordet. Etwa 30.000 Menschen wurden inhaftiert und gefoltert. Hunderttausende gingen ins Exil. Trotz mehrerer Anklagen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Steuerhinterziehung und illegaler Auslandskonten musste sich Pinochet aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht verantworten. Er hatte allerdings bis zuletzt unter Hausarrest gestanden.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch nannten dies einen Fehler. Amnesty international forderte für die Zukunft schnellere Gerichtsverfahren bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Pinochet sei gestorben, ohne sich vor Gericht für seine Verbrechen rechtfertigen zu müssen, hieß es in einer Erklärung. Die Organisation forderte die chilenische Führung auf, das noch unter Pinochets Diktatur erlassene Amnestiegesetz aufzuheben und somit die Untersuchung tausender anderer Fälle von Menschenrechtsverletzungen zu ermöglichen. Die Familien der Opfer und die Überlebenden müssten wissen, was in den Jahren der Pinochet-Diktatur geschehen sei.

Der brasilianische Präsident Lula da Silva erklärte, der Name Pinochet stehe für eine düstere Periode in der Geschichte ganz Südamerikas. Er hoffe, dass die Freiheit in der Region nie wieder in Frage gestellt werde.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:20 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Jesper Wung-Sung: "Weg mit Knut!"Mit der Macht der Fantasie überleben

Buchcover "Weg mit Knut!" von Jesper Wung-Sung. Im Hintergrund eine Kinderkrebsstation. (Hanser Verlag / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Ein Junge kämpft gegen den Krebs: William stellt sich in "Weg mit Knut!" der bedrohlichen Erkrankung, die er in seiner Fantasie zu einer Figur mit eigenem Namen macht. Jesper Wung-Sung erzählt diese besondere Krankheitsgeschichte sensibel und ohne Pathos.

HOCHWASSERSCHUTZBisams und Nutrias müssen erlegt werden

Ein Waschbär sitzt im Wildpark Grafenberger Wald in Düsseldorf auf einem Baum. (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)

Bisamrattenfänger fangen und erlegen Bisams und Nutrias an der niederländischen Küste. Die Tiere unterliegen zwar dem Artenschutz, zum Schutz der Deiche allerdings werden an einigen Stellen die Tiere getötet.

Korruption in EU-Staat"Die Rumänen vertrauen dieser Regierung nicht länger"

Die Europaabgeordnete und frühere rumänische Justizministerin Monica Macovei. (AFP / DANIEL MIHAILESCU)

Nach Ansicht der früheren rumänischen Justizministerin Monica Macovei verfügt das Land über sehr effiziente Antikorruptions-Institutionen. Das Problem: "Es gibt überhaupt keinen politischen Willen, die Korruption zu bekämpfen." Die Menschen würden deshalb weiter auf die Straße gehen, sagte Macovei im DLF.

Nudging bei FacebookSubtiles Stupsen gegen den Terror?

Eine Lupe vor einem Computer-Bildschirm mit Facebook-Logo. (picture alliance/dpa/Sergei Konkov TASS)

Facebook sucht nach Nutzern, die für Terror-Propaganda anfällig sind, und füttert sie ungefragt mit Gegendarstellungen. Geht das Unternehmen damit einer ethischen Pflicht nach oder ist das Manipulation? Das "Nudging" müsse öffentlich kontrolliert werden, fordert die Politologin Lena Ulbricht.

Wahlkampf in FrankreichFemen-Aktivistin stört Le-Pen-Veranstaltung

Eine Femen-Aktivistin störte die Pressekonferenz von Marine Le Pen. (Deutschlandradio/Anne Raith)

Es sollte eine präsidiale Pressekonferenz werden: Die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hatte zahlreiche Granden ihrer Partei und der internationalen Politik geladen, um ihre Pläne für die Außenpolitik zu skizzieren. Doch dann stürmte eine Femen-Aktivistin die Veranstaltung.

Ausstellung "Post Peace" in Stuttgart Der Krieg in unserem Frieden

Eines der Werke aus der Ausstellung "Post-Peace" im Württembergischen Kunstverein Stuttgart: belit sağ, "Ayhan and me / Ayhan ve ben" ("Ayhan und ich"), 2016 (belit sağ)

Die Stuttgarter Ausstellung "Post-Peace" zeigt Kunstwerke, die sich damit auseinandersetzen, wie viel Krieg in unserem Frieden steckt. Der Direktor des Württembergischen Kunstvereins, Hans D. Christ, beklagt Fälle von Zensur im Kunstbetrieb.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Außenminister Gabriel  Zweifel an Auffanglagern für Flüchtlinge in Nordafrika | mehr

Kulturnachrichten

Dieter-Hildebrandt-Preis für Josef Hader  | mehr

Wissensnachrichten

Kunststoff-Haltbarkeit  Anti-Ageing für Barbies | mehr