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Keine Anerkennung für die Truppe

Bundeswehrverband tadelt Verteidigungsminister

Verteidigungsminister de Maizière bei der Bundeswehr (dpa / Hendrik Schmidt)
Verteidigungsminister de Maizière bei der Bundeswehr (dpa / Hendrik Schmidt)

Der Unmut unter deutschen Soldaten über ihren Oberbefehlshaber wächst. Der Bundeswehrverband wirft Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière vor, die Truppe zu demütigen. Der Minister hatte zuvor den Soldaten per Interview einen übertriebenen Wunsch nach Anerkennung unterstellt.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière ist nicht sonderlich beliebt bei seinen Soldaten. Die Verkleinerung der Truppe von 250.000 auf höchstens 185.000 Soldaten und die Schließung von 32 Standorten verlangt dem Militär einiges ab. Dabei nimmt die Zahl der gleichzeitigen Einsatzgebiete zu. Als nächstes soll in Mali geholfen werden. Doch statt Lob für die geleistete Reformarbeit verteilt der Minister harsche Kritik. "Hört einfach auf, dauernd nach Anerkennung zu gieren", rief de Maizière den Soldaten in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zu.

Der Bundeswehrverband ist empört. "Die Truppe kommt sehr gut ohne Oberlehrer aus", sagte Verbandschef Ulrich Kirsch der "Bild"-Zeitung. Die Bundeswehr benötige einen "Minister, der sich vor seine Soldaten stellt, anstatt sie öffentlich zu demütigen". De Maizière habe "offenbar ein merkwürdiges Rollenverständnis". Der Vorsitzende des Veteranenverbands, Andreas Timmermann-Levanas, kritisierte de Maizières Worte als "Ohrfeige für alle Soldaten". Diese leisteten im Einsatz "nicht irgendeinen Job, sondern riskieren ihr Leben, das verdient Respekt".

De Maizière fühlt sich nicht missverstanden

Der Verteidigungsminister hatte in dem "FAS"-Interview die Frage zwar verneint, ob Soldaten weinerlich seien. "Etliche Soldaten glauben jedoch, dass sie viel weniger anerkannt werden, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Sie haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. Sie sind vielleicht geradezu süchtig danach."

De Maizière (CDU) bleibt bei seiner umstrittenen Äußerung. "Der Minister fühlt sich nicht missverstanden", sagte ein Ministeriumssprecher auf MDR Info.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte auf MDR Info, er könne keine Gier nach Anerkennung sehen. Richtig sei, dass sich die Soldaten Anerkennung in der Gesellschaft wünschten. Zugleich wisse aber auch größte Teil der Truppe, dass es in Deutschland "keine Heldenverehrung wie in Amerika" geben werde. Der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Hartmut Bagger fügte hinzu, der Begriff "gieren" sei einfach fehl am Platze gewesen.

Eine Umfrage des Bundeswehrverbandes unter Führungspersonal der Armee hatte schon vor Monaten aufgezeigt, dass die Soldaten kein Vertrauen mehr in ihre politische Führung haben. Aus Sicht des Verbandes werden viele als drängend erlebte Probleme wie beispielsweise die Belastung durch schnell aufeinander folgende Auslandseinsätze oder häufige Versetzungen durch die politische Führung kaum ernsthaft angegangen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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