Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Keine Kompromisse bei Glaubensfragen

Schlechte Aussichten für ökumenische Zukunft

Der Papst bei seiner Ankunft in Erfurt (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Der Papst bei seiner Ankunft in Erfurt (picture alliance / dpa / Peter Steffen)

Auf einer Abendvesper vor 90.000 Gläubigen im thüringischen Etzelsbach hat Papst Benedikt XVI. vor zu viel Selbstverwirklichung in der Gesellschaft gewarnt. Sie könne leicht in Egoismus umschlagen. Nur die selbstlose Hingabe führe zur wahren Entfaltung des Menschen.

Am Sonntag feiert das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche eine Heilige Messe mit 100.000 Menschen in Freiburg. Der Gottesdienst gilt als Höhepunkt des Papstbesuchs.

Treffen mit Vertretern der evangelischen Kirche

Auf einem Treffen mit Vertretern der evangelischen Kirche in Erfurt am Freitag dämpfte Papst Benedikt XVI. die Erwartungen in Hinblick auf die Ökumene. Er erklärte, in Glaubensfragen könne man keine Kompromisse schließen wie in der Politik.

In einem Gespräch mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hatte er zuvor die Gemeinsamkeiten der katholischen und der evangelischen Christen betont. Schneider sprach unter anderem die Behandlung konfessionsverschiedener Ehen und den evangelischen Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl an.

Das Treffen barg für den heutigen Papst durchaus eine diplomatische und religöse Herausforderung: Als er noch Kardinal Josef Ratzinger war, billigte er der Evangelischen Kirche nur den Status einer kirchlichen Gemeinschaft zu. Deren Präses Nikolaus Schneider erwartet vom heutigen Treffen dennoch Impulse - die Katholische Kirche habe sich verändert. Im Deutschlandfunk sagte Schneider:

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Nikolaus Schneider. Er war Stellvertreter von Margot Käßmann und übernahm ihr Amt nach deren Rücktritt. (AP)Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Nikolaus Schneider, erhofft sich "Impulse" vom Papst. (AP) "Die Ökumene wird nicht morgen oder heute Nachmittag neu sein. So ein Besuch kann ja nicht dazu führen, dass man jetzt neue konkrete Vereinbarungen gleich auf dem Tisch hat. Es ist aber auch nicht so, dass wir uns einfach nur freundlich begegnen können, so nach dem Motto 'schön, dass wir uns mal gesehen haben', sondern ich hoffe doch, dass es Impulse geben wird."

Auch Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, erhoffte sich von dem Treffen mit dem Papst eine "Initialzündung" für die Ökumene. Dagegen sagte der Chefredakteur der evangelischen Zeitschrift "Chrismon",Arnd Brummer, im Deutschlandfunk, er erwarte für die Ökumene "Nichts" von den Gesprächen mit dem Papst. Der DDR-Bürgerrechtler und evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer kritisierte die "römische Arroganz" der katholischen Kirche.

Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. in Berlin Christen und Muslime zu einem respektvollen Umgang miteinander aufgerufen. Der Papst sagte dort im Gespräch mit muslimischen Vertretern, es sei notwendig, sich gegenseitig besser kennenzulernen und zu verstehen. Das sei nicht nur für ein friedvolles Zusammenleben wichtig, sondern auch für den Aufbau des Gemeinwohls. Der Koordinierungsrat der Muslime bezeichnete das Treffen als sehr bedeutsam für den muslimisch-christlichen Dialog. Man sei dem Papst dankbar, diesem Austausch einen solchen Stellenwert einzuräumen.

Am Mittwoch hatte der Papst im Bundestag mehr Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung angemahnt. Die Politik müsse konsequent für das Wohl der Menschen eintreten, sagte Benedikt. Anschließend zelebrierte er eine Messe im Olympiastadion und rief vor rund 70.000 Gläubigen dazu auf, sich von den Verfehlungen Geistlicher nicht entmutigen zu lassen und der Kirche treu zu bleiben.

Aktuelle Entwicklungen entnehmen Sie bitte den Nachrichten.

Papstbesuch in Deutschland - Alle Sendungen im Deutschlandradio auf einen Blick

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Tacheles

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SprachforschungWhatsApp als Tagebuch der Postadoleszenz

Zwei Männer und ein Smartphone  (imago/Westend61)

Erst Party machen, dann prahlen. Der Sprachwissenschaftler Nils Uwe Bahlo hat sich die Kommunikation von jungen Männern genauer angeschaut und herausgefunden: Die letzte Partynacht wird im WhatsApp-Chat reflektiert.

SPD-Sonderparteitag"Es geht um die Frage der Existenz der Sozialdemokratie"

Rote Fahne der SPD im Wind auf dem Dach der Parteizentrale Willy-Brandt-Haus in Berlin. (imago / IPON)

"Es gibt Notwendigkeiten, sich zu erneuern als SPD, in der Regierung oder in der Opposition", so der SPD-Politiker Alexander Schweizer im Dlf. Es sei das "zentrale politische Projekt" der nächsten Jahre, dass die Sozialdemokratie attraktiver werde und ihre Glaubwürdigkeit wieder erreiche.

Die Irrationalität in der Ökonomie"Wir haben ein sexualisiertes, ein gläubiges Verhältnis zum Geld"

Auge mit Euo-Zeichen (imago/blickwinkel)

"Potente" Unternehmen "befriedigen" ihre Gläubiger – allein die Sprache mache deutlich, welche Rolle Sexualität und Religion in unserem Verhältnis zum Geld spielen, sagt der Philologe Jochen Hörisch. Auch die Wirtschaftswissenschaft sei höchst irrational.

GroKo – ja oder nein? Martin Schulz hat die SPD ins Abseits geführt

SPD-Bundesvorsitzender Martin Schulz (picture alliance/dpa/Foto: Michael Kappeler)

SPD-Chef Martin Schulz warnt die Genossen vor den Folgen eines Neins zur Großen Koalition. Doch der Riss innerhalb der SPD will nicht kleiner werden. Auch die Umfragewerte sinken. Alles keine guten Aussichten, meint Moritz Küpper.

Erfahrungen in den NiederlandenRekordverdächtig lange ohne Regierung

Der Schriftzug "Alles komt goed" (deutsch: Alles wird gut) ist vor dem niederländischen Parlamentsgebäude in Den Haag zu sehen.  (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

In Deutschland ist es die längste Regierungsbildung der Geschichte. Im europäischen Ausland dagegen kennt man sich damit schon besser aus. Rekordhalter ist Belgien, aber auch die Niederlande haben ihre Erfahrungen in dem Bereich gesammelt – zuletzt sieben Monate lang.

Tagebücher verfolgter JudenSo tragisch, so literarisch wie bei Anne Frank

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den bekanntesten Zeugnissen verfolgter Juden im Nationalsozialismus. Doch neben ihr schrieben Hunderte anderer junger Juden über ihre Erlebnisse.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Regierungsbildung  Nahles warnt Sondierungskritiker in SPD vor Folgen eines Nein | mehr

Kulturnachrichten

Facebook: Nutzer entscheiden über Medienqualität | mehr

 

| mehr