Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Keine Reduzierung der NATO-Truppen im Kosovo

NATO-Verteidigungsminister beraten über Kosovo und Afghanistan

Von Doris Simon

Soll vorerst nicht reduziert werden: KFOR-Friedenstruppe im Kosovo. (AP)
Soll vorerst nicht reduziert werden: KFOR-Friedenstruppe im Kosovo. (AP)

Angesichts der wieder aufgeflammten Gewalt im Kosovo will die NATO ihre dortige Mission nun doch nicht verkleinern. Über den Zeitpunkt des beschlossenen Truppenabzugs aus Afghanistan gibt es offenbar weiter Klärungsbedarf.

Nach der Zunahme der Gewalt im Norden des Kosovo wird die dort stationierte KFOR-Mission vorerst nicht verkleinert. Ursprünglich war die Halbierung der etwa 5800 Soldaten umfassenden KFOR-Truppe vorgesehen. Doch die anhaltenden Feindseligkeiten zwischen Albanern und Serben im Nordkosovo haben die Pläne der Mission verändert. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere vor Beratungen der 29 Länder, die Truppen für die KFOR stellen:

"Die Lage ist dort unverändert schwierig, ich sehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Möglichkeit, weitere Truppen zurückzuziehen."

Deutschland ist mit etwa 1400 Soldaten der größte Truppensteller. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen lobte die Bemühungen der KFOR-Soldaten, den Menschen im Kosovo ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Im Norden des Kosovo lebt eine starke serbische Minderheit, und Serbien erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo nicht an. Im letzten Jahr war es im Norden des Kosovo zu mehreren Zusammenstößen gekommen. Der NATO-Generalsekretär forderte Belgrad und Pristina auf, in dem von der EU vermittelten Dialog endlich zu einer Lösung der Probleme zu kommen.

"Beide Seiten müssen sich in allen Streitfragen einigen, die den Norden des Kosovo betreffen. Dieser Dialog ist eine historische Chance für eine bessere Zukunft, und die Regierungen müssen sie nutzen."

Während die NATO im Kosovo über Abzug noch lange nicht nachdenkt, steckt sie in Afghanistan mitten in der Planung. Die Übertragung der Sicherheitsverantwortung im Land soll bis Ende 2014 abgeschlossen sein, auf diesen Zeitplan hatte sich die NATO 2010 in Lissabon geeinigt. Für Verwirrung hatten gestern Äußerungen von US-Verteidigungsminister Leon Panetta gesorgt, der 2013 zu einem entscheidenden Jahr erklärt hatte. Panetta sprach auch von der Übergabe der Sicherheitsverantwortung in den letzten Provinzen Afghanistans für die Jahresmitte 2013. Das ließ aufhören, nachdem bereits Frankreichs Staatspräsident Sarkozy vor kurzem den Abzug der französischen Truppen in Afghanistan für Ende 2013 angekündigt hatte. Der US-Verteidigungsminister und NATO-Generalsekretär Rasmussen betonten gestern Abend, dass sich nichts am vereinbarten Zeitplan geändert habe. Allerdings, und auch dies sei immer vorgesehen gewesen, werde die ISAF von 2013 an zunehmend weniger Kampfeinsätze und mehr Trainings-und Unterstützungseinsätze in Afghanistan übernehmen. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere in Brüssel:

"Übergabe heißt, man beginnt einen Prozess und dann wird er umgesetzt, und das dauert 12 bis 18 Monate. Das heißt, wenn sämtliche Gebiete Afghanistans übergeben werden sollen bis Ende 2014, dann muss man bis Mitte 2013 entschieden haben, welche Gebiete das alle sind. Und so versteht sich Übergabe in Verantwortung als ein schrittweiser Prozess."

Seit gestern hat die NATO ein Angebot Deutschlands für den geplanten Raketenabwehrschirm in Europa vorliegen. Bundesverteidigungsminister de Maiziere will Patriot-Raketensysteme der Bundeswehr zum Schutz gegen Kurzsteckenraketen zur Verfügung zustellen. Andere NATO-Länder unterstützen das Abwehrsystem mit Radaranlagen oder speziell ausgerüsteten Schiffen. Das System richtet sich aktuell vor allem auf mögliche Bedrohungen aus Nahost und dem Iran und soll bis 2020 auch Raketen aus Nordkorea abwehren können. Bei ihrem Gipfel in Chicago im Mai will die NATO die erste Einsatzfähigkeit des Raketenabwehrsystems verkünden. Gerne hätte die NATO Russland mitbeteiligt an der Raketenabwehr. Doch Moskau sieht die Raketenabwehr als Bedrohung, und die Verhandlungen zwischen mit der NATO stecken fest ohne viel Aussicht auf Veränderung. Das deutsche Angebot, die Raketenabwehr mit Patriot-Systemen zu unterstützen, wäre übrigens sowohl für Deutschland als auch für die NATO vorteilhaft: Die Bundeswehr müsste dann nicht mit neuen, teuren Waffen oder Systemen zum Abwehrschirm beitragen, und die NATO erhielte Schutz gegen Kurzstreckenraketen auf höchstem Niveau.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:57 Uhr National- und Europahymne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:30 Uhr Kulturnachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Auslaufmodell Businessmode Warum man Kompetenz nicht anziehen kann

Eine Frau im Businesskostüm  (Picture Alliance / Patrick Pleul)

Businesslook als Zeichen von Seriosität und Fachkenntnis? Das war einmal. Chefs lösen ihre Krawatten und Bankangestellte sollen sie ganz ablegen - für mehr Kundennähe. Kompetenz vermittelt sich heute nicht durch einen schlecht sitzenden Anzug, sondern durch Wissen und Empathie.

ABBA-Ausstellung "Super Trouper"Strahlende Schweden im dunklen Britannien

Die Mitglieder der schwedischen Popgruppe "Abba" (von links nach rechts): Benny Andersson, Annafrid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson 1974 im südenglischen Brighton 

Die schwedische Band ABBA wird im Londoner Southbank Centre mit der Ausstellung "Super Trouper" geehrt. Die zeigt nicht nur Exponate der Band, sondern zeichnet auch ein düsteres Bild Englands in den 1970er-Jahren.

FilmwirtschaftDisneys Deal mit "21st Century Fox"

Das Logo des US-Unterhaltungsriesen Disney auf einem Bildschirm, im Hintergrund das Handelsparkett der New Yorker Börse (AP Photo/Richard Drew)

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney steht kurz davor, Teile des Medienunternehmens "21st Century Fox" von Rupert Murdoch zu kaufen. Dies sei eine Reaktion auf die digitale Konkurrenz wie Netflix oder Amazon, erklärt Caspar Busse von der "SZ".

Islamexperte Ahmad Mansour"Antisemiten sind selbstbewusster geworden"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamexperte Ahmad Mansour fordert ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen sich zu äußern, sagte der Psychologe im Dlf. Den aktuellen Antisemitismus hält er für herkunftübergreifend.

Vor 30 Jahren Warum ein Verkehrsunfall zur Gründung der Hamas führte

Anhänger der Hamas demonstrieren am 14.12.2016 in Gaza-Stadt. (dpa / EPA / Mohammed Saber)

Ein tragischer Verkehrsunfall und Gerüchte waren der Auslöser für die Gründung der Hamas am 14. Dezember 1987. Seitdem kämpft die radikal-islamische Bewegung für das palästinensische Volk und "seine Freiheit, seine Rückkehr und seine Unabhängigkeit im Namen Gottes".

Anke Engelke über "Sowas wie Angst"Gefühle sind stärker als Statistiken

Die Schauspielerin und Autorin Anke Engelke schaut 01.12.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) nach einem dpa-Gespräch im die Kamera. (zu dpa «Anke Engelke: «Habe mich als Kind schon supergern verkleidet»» vom 03.12.2017) Foto: Henning Kaiser/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

In einer WDR-Dokumentation macht sich die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke auf die Suche nach der Angst in unserer Gesellschaft. Sie sagt, die Kriminalstatistik könnte einem eigentlich die Angst nehmen, aber bei Vielen seien die Gefühle eben stärker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Gipfel  Sanktionen gegen Russland verlängert | mehr

Kulturnachrichten

Wechsel an der Spitze der "New York Times" | mehr

 

| mehr