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Kernkraftwerke bis Entstehungsjahr 1980 müssen sofort vom Netz

Bundesregierung und Ministerpräsidenten handeln nach japanischer Atomkatastrophe

Angela Merkel gibt bekannt, dass die Verlängerung der Laufzeiten für AKWs ausgesetzt wird. (picture alliance / dpa)
Angela Merkel gibt bekannt, dass die Verlängerung der Laufzeiten für AKWs ausgesetzt wird. (picture alliance / dpa)

Nach der gestrigen Ankündigung, die 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke vorerst aufzuheben, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel heute in Berlin weitere Details bekannt gegeben. Die Atommeiler Isar Eins und Neckarwestheim Eins werden wohl komplett stillgelegt.

Zusammen mit den Ministerpräsidenten jener fünf Länder, in welchen Atomkraftwerke betrieben werden, hat die Bundesregierung beschlossen, dass für die kommenden drei Monate alle AKWs vom Netz gehen, die bis einschließlich Ende 1980 in Betrieb genommen wurden. An dem Treffen im Kanzleramt nahmen auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) teil. In der kommenden Woche soll es ein weiteres Gespräch in dieser Runde geben.

Meiler Neckarweistheim Eins wird endgültig abgeschaltet

Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat zudem im Landtag überraschend verkündet, dass der Atommeiler Neckarwestheim Eins nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft stillgelegt werden soll. Mappus berichtete, der Kraftwerksbetreiber EnBW habe gesagt, bei steigenden Sicherheitsanforderungen an das Kraftwerk müsse es aus wirtschaftlichen Gründen endgültig heruntergefahren werden. Inzwischen hat das Unternehmen EnBW in einer Pressemitteilung bestätigt, dass ein dauerhaft wirtschaftlicher Betrieb und damit ein Wiederanfahren des Kernkraftwerks "voraussichtlich nicht mehr darstellbar" sei.

Europas Atomkraftwerke auf dem Prüfstand

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat nach einem Krisentreffen mit Vertretern der Atomindustrie sowie den zuständigen EU-Ministern angekündigt, die Kernkraftwerke in der Europäischen Union werden sich noch in diesem Jahr sogenannten Stresstests unterziehen. Dabei sollen unabhängige Experten bestimmte Risiken für Atomkraftwerke wie Erdbeben, Hochwasser und Terrorangriffe nach einheitlichen Standards neu bewerten, wie Doris Simon im Deutschlandfunk berichtet.

Am Montag hatte Merkel angekündigt, dass alle deutschen Kernkraftwerke einer umfassenden Sicherheitsprüfung unterzogen werden sollen. "Es gibt bei dieser Sicherheitsprüfung keine Tabus", sagte Merkel. Während des dreimonatigen Moratoriums wolle die Regierung ausloten, "wie wir den Weg in das Zeitalter der Erneuerbaren Energien forcieren und dieses Ziel noch schneller erreichen", erklärte Merkel.

Gleichzeitig betonte sie, dass ein gänzliches Abschalten deutscher Kernkraftwerke nicht die Antwort der Bundesregierung auf die Ereignisse in Japan sein könne und dürfe. "Wir wissen, wie sicher unsere Kraftwerke in Deutschland sind", so Merkel. Auf die Nutzung der Kernenergie als Brückentechnologie könne in Deutschland noch nicht verzichtet werden.

Der Kühlturm von Isar 1 und 2 (picture alliance / dpa)Der Kühlturm von Isar 1 und 2 (picture alliance / dpa)Eines der Kernkraftwerke, die vor 1980 entstanden, ist der Block 1 des AKW Isar. Das Atomkraftwerk hat den Beschlüssen der Regierung zufolge wohl kaum eine Zukunft. Die weiteren sind: Biblis A und B, Neckarwestheim, Brunsbüttel, Isar 1, Unterweser und Philippsburg 1.

Stephan Kohler, Leiter der Deutschen Energieagentur, sagte, abgeschaltet werden sollten "angesichts der Erfahrungen aus Japan, die Siedewasserreaktoren, und wir haben ja immerhin sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die auf jeden Fall sofort still zu legen sind, weil diese Technik birgt ja Risiken, die wirklich ein Ausmaß annehmen können, was selbst in Risikostudien bisher nicht so untersucht und ermittelt worden ist."

Erst im vergangenen Herbst hatte die schwarz-gelbe Koalition beschlossen, die Laufzeiten für die insgesamt 17 Atomkraftwerke in Deutschland um durschnittlich zwölf Jahre zu verlängern.

CDU-Europapolitiker: In drei Monaten mindestens drei Atomkraftwerke abgeschaltet
Neue "Sicherheitsphilosophie" notwendig - Soziologe fordert Umdenken bei Reaktorsicherheit
"Das Ende der Atomkraft" - Bremer Umweltsenator fordert Sofort-Abschaltung alter Reaktore
"Den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung entgegengesetzt" - Greenpeace kritisiert Laufzeitverlängerung und mangelnde Sicherheitsstands deutscher AKW
"Auch das Unwahrscheinliche kann passieren" - Risikoforscher zur Gefahr der Kernenergie

Der Deutschlandfunk berichtet punktuell und stündlich über die Vorgänge in Japan. Reguläre Sendungen folgen im Anschluss bzw. entfallen je nach Nachrichtenlage.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

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