Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

KfW-Bank befürchtet ungeordnete Insolvenz Griechenlands

Zweifel am Zustandekommen des Schuldenschnitts

Ein Scheitern der Griechenland-Rettung ist weiter nicht ausgeschlossen. (picture alliance / dpa - Federico Gambarini)
Ein Scheitern der Griechenland-Rettung ist weiter nicht ausgeschlossen. (picture alliance / dpa - Federico Gambarini)

Morgen Abend läuft die Frist für den freiwilligen Schuldenerlass zugunsten Griechenlands ab. Doch bislang ist fraglich, ob die Beteiligung der Gläubiger ausreicht. Die bundeseigene KfW-Bank ist sich inzwischen nicht mehr sicher. Die Folgen könnten dramatisch sein.

"Unsere Einschätzung, wie der Schuldenschnitt ausgehen wird, hat sich dramatisch gedreht", sagte Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW-Bank, dem Deutschlandfunk. Seine Bank habe Anzeichen aus dem Markt, dass sich bis Donnerstagabend nicht genügend private Gläubiger freiwillig an dem Schuldenschnitt beteiligen könnten. Vor allem Fondsmanager und Vermögensverwalter fürchteten Klagen ihrer Kunden, wenn sie auf Erträge aus den griechischen Staatsanleihen einfach verzichteten. Ähnlich wie die KfW sieht es offenbar die französische Bank BNP Parisbas. In einem Interview zum geplanten Schuldenerlass sagte der Unterhändler der Bank der Zeitung "Le Monde", es sei unmöglich, den Ausgang des Verfahrens vorherzusagen.

Mit dem Schuldenschnitt würden die privaten Gläubiger einwilligen, dass ihre griechischen Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere eingetauscht werden. Damit würden sie auf Forderungen in Höhe von 107 Milliarden Euro verzichten.

Athen und die internationalen Geldgeber streben eine Zustimmung von 90 Prozent an. Sollte sie geringer ausfallen, werden nachträglich Umschuldungsklauseln (Collective Action Clause, CAC) eingeführt, mit denen ein Verzicht privater Gläubiger erzwungen werden kann. Ein entsprechendes Gesetz hatte das griechische Parlament kürzlich beschlossen. Die CACs sind aber an die Zustimmung einer Mehrheit der Investoren gebunden. Der Schuldenschnitt ist eine Voraussetzung für das 130-Milliarden-Hilfspaket der Euro-Länder. Bislang erklärten sich nach Angaben des Internationalen Bankenverbandes IIF Halter von rund 40 Prozent der griechischen Anleihen zu einem Tausch bereit.

Griechische Pensionsfonds wollen nicht verzichten

Bislang ist noch nicht einmal sicher, dass sich alle griechischen Gläubiger beteiligen. Bei einem Treffen mit Finanzminister Evangelos Venizelos einigten sich die sechs größten Banken des Landes gestern Abend auf einen Schuldenschnitt. Auch die größten Renten- und Krankenkassen sind dabei. Nach Medienberichten verweigern aber mehrere kleinere Pensionsfonds, die Geld für die Alterssicherung ihrer Mitglieder in griechischen Staatsanleihen angelegt haben, ihre Zustimmung. Aus Protest gegen den Schuldenschnitt besetzten heute einige Dutzend Polizisten die Büros ihrer Rentenversicherung.

Von Seiten der EU-Kommission bemüht man sich, Optimismus zu verbreiten. Währungskommissar Olli Rehn betonte, er rechne damit, dass der Schuldenschnitt glatt über die Bühne gehe. "Nach den Informationen, die uns vorliegen, dürfte der Schuldenschnitt reibungslos verlaufen, denn die Angelegenheit bleibt für den Privatsektor finanziell interessant", sagte Rehn der französischen Zeitung "Le Figaro". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. "Meine Prognose ist, dass eine hinreichende Mehrheit der Gläubiger dieses Angebot annehmen wird", sagte Schäuble.

Der niederländische Finanzminister, Jan Kees de Jager, meinte dagegen, die Sorgen wegen eines möglichen Scheiterns des Plans seien gerechtfertigt. Die internationalen Folgen drohten dann die Konsequenzen des Zusammenbruchs der US-Bank Lehman Brothers zu übertreffen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

LebensräumeVom Aussterben der großen Pflanzenfresser

Ein wild lebendes Breitmaulnashorn mit Jungtier im Imfolozi Nationalpark (Südafrika) (picture alliance / Jürgen Hein)

In der Wildnis wird die Anzahl von Elefanten, Giraffen, Nashörnern und vielen anderen Arten immer kleiner. Ein Team von Wissenschaftlern hat nun im Magazin "Science Advances" eine Bestandsaufnahme vorgestellt. Und das Ergebnis ist niederschmetternd.

Juden in BerlinZwischen Angst und Selbstbehauptung

Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße, Berlin. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)

Juden in Deutschland fühlen sich zunehmend unsicher. Sie verstecken ihre Kippa oder vermeiden es, in die Synagoge zu gehen. Eine beunruhigende Entwicklung - doch in Berlin wehren sich manche von ihnen. Entweder mit Worten oder mit Taten.

Elon MuskDer Strom-Rebell

Erst Paypal, dann Elektroautos und jetzt Strom: US-Unternehmer Elon Musk will die Energieversorgung revolutionieren - mit Batterien.

Lokführerstreik"Die GDL tut sich keinen Gefallen"

Der Präsident der Verkehrswacht, Kurt Bodewig, fotografiert am 01.09.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen).  (picture-alliance/ dpa / Oliver Berg)

4,7 Prozent und 1.000-Euro-Einmalzahlung seinen ein gutes Angebot der Deutschen Bahn gewesen, sagte der ehemalige Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) im DLF. Die GDL hätte darüber verhandeln sollen. Mit dem tagelangen Streik erzeuge sie hingegen langfristig Nachteile.

Vogelstimmen in der MusikZwitschernde Künstler

(picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)

Drei Komponisten stehen exemplarisch für den nachdrücklichen und vielfältigen Einsatz von Vogelstimmen in der jüngeren Geschichte der Ernsten Musik. Eine klangliche Vogel-Spurensuche passend zur Vogelwoche im Deutschlandradio Kultur.

#milifandomEin Mann und sein Hashtag

Am Donnerstag wird in Großbritannien ein neuer Premierminister gewählt. Einer der Kandidaten ist Ed Miliband von der Labourpartei. Der galt lange als ein Typ, der immer angestrengt lächelt. Bis ein Tweet und ein Hashtag alles geändert haben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

SPD-Chef Gabriel  drängt Merkel zur Aufklärung der BND-Affäre | mehr

Kulturnachrichten

Orchestermusiker protestieren gegen TTIP-Abkommen  | mehr

Wissensnachrichten

Ernährung  Fressattacken durch 50:35 Formel | mehr