Radiomenschen /

 

Klaus Pilger

Druckerschwärze an den Händen

Klaus Pilger/Porträtfoto ((c) Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)
Klaus Pilger ((c) Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)

Print ist prima!« Wieso sagt das ein Mensch, der seit 30 Jahren mit Begeisterung Radio macht? Und wieso das altmodische Pressegewerbe loben, jetzt wo die Zeitungen wegen geringerer Leserzahlen und Werbeeinnahmen um ihre Existenz kämpfen? Gerade deswegen – und weil das immergrüne Radio auch schon so oft totgesagt wurde! Und vielleicht, weil meine Anfänge als Journalist bei der Zeitung liegen.

Schreiben habe ich als Student bei einer Tageszeitung gelernt, unter Anleitung eines strengen Chefs, der nach dem Motto redigierte: ›Wenn ich nicht schimpfe, ist das Lob genug!‹ Als ich dann später mit der Radioarbeit begann, lernte ich, dass es ein großer Unterschied ist, für Lesende zu formulieren oder für Hörende – ich musste quasi eine andere Art des Schreibens erlernen. Bei Ausflügen zum Fernsehen kam dann wieder eine neue Form des Formulierens dazu: das Texten zu bewegten Bildern – noch mal eine andere Sprache! Und heute zusätzlich: das Online-Schreiben – Texten für den PC-Monitor oder das Smartphone. Das Berufsbild des Journalisten hat sich seit meinen Anfängen verändert. Gesucht wird der Allrounder, der auch noch sein eigener Kameramann oder Toningenieur ist und mindestens trimedial arbeiten kann. Eine rasend schnelle Evolution des Berufs findet statt – mit Vor- und Nachteilen. Wir alle wollen uns der Multimedialität nicht verschließen, sie ist spannend und in vielen Belangen hilfreich.

Trotzdem genieße ich es seit fast 20 Jahren, in einem Genre zu arbeiten, in dem Spezialistentum noch eine wichtige Rolle spielt, im Radiofeature. In der Reihe ›Freistil‹ mit Themen aus der Populär- und  Alltagskultur brauchen wir sie alle: den brillant formulierenden Autor, den ideenreichen Regisseur, den einfühlsamen Toningenieur, aber auch den Redakteur, der die Texte redigiert, bearbeitet und dramaturgisch mitdenkt. Auch meine zweite Sendereihe fasziniert mich, und zwar, weil sie eine Urform des Journalismus ist: das Interview bzw. das lange Gespräch. In ›Zwischentöne‹ kommen die Gäste in 85 Minuten ausführlich zu Wort, ihnen bleibt Raum für Gedanken. Im Deutschlandfunk sind solche Radioformen, neben aller Aktualität des Programms, möglich und wichtig. Wichtig wie die Zeitungen, die ich immer noch am liebsten in die Hand nehme, fühle, rieche, durchblättere und – natürlich – lese. Auch wenn der Blick auf die Online-Seiten der Medien oft seinen Reiz und Nutzen hat, so hoffe ich, dass neben den Freuden des Radiohörens noch lange etwas Druckerschwärze an meinen Händen haften bleibt.

Klaus Pilger

Klaus Pilger ist Redakteur bei ›Hörspiel/Hintergrund Kultur‹ im Deutschlandfunk

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