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Klaus Pokatzky

Leidenschaft fürs Radio seit Kindesbeinen

Zu sehen ist ein Porträtfoto von Klaus Pokatzky (Deutschlandradio)
(Deutschlandradio)

Klaus Pokatzky hat keinen Fernseher, hört und macht aber umso mehr Radio. Das ist gut für ihn und gut für das Deutschlandradio. Selbst die Bundeswehr profitiert von seinem Fachwissen.

K. Pokatzky: Was machen Sie gerade, Herr P.?

Klaus P.: Ich höre Radio, stundenlang – unsere Programme und die BBC. Ich bin anglophil. Und ich bin radioabhängig, seit Kindesohren.

Woran erinnern sich Ihre Ohren, wenn sie an ihre Kindheit denken?

In meinen Kinderohren klingt ›Neues aus Waldhagen‹, diese grandiose Schulfunksendung. In meinen jugendlichen Ohren klingt, immer nach der Schule, das WDR-"Mittagsmagazin", eine Pioniersendung. Als Kind habe ich immer geglaubt, dass in unserem riesigen Radioempfänger die Leute, die daraus sprechen, auch darin wohnen.

Interessant! Das habe ich auch gedacht.

Sehen Sie, wir sind gar nicht so weit auseinander.

Ich habe aber keinen Fernseher – und Sie?

Interessant! Ich auch nicht. Warum haben Sie keinen?

Ich führe hier das Interview.

Mein Gott, Sie reden ja so streng mit mir wie meine Chefin.

Von der haben Sie schließlich auch das Moderieren gelernt.

Na gut…

Also: Warum haben Sie keinen Fernseher?

Ich habe jahrelang den Spruch "Fernsehen ist ein Medium von Idioten für Idioten" als meine Erfindung in Glossen verwendet, bis ich aus einem Feature des Deutschlandfunks erfahren musste, dass er in Wirklichkeit von Simone de Beauvoir stammt. Ich entschuldige mich bei allen Hörerinnen und Hörern für mein Plagiat.

Gibt es sonst noch etwas, wofür Sie sich als Journalist zu entschuldigen hätten?

Ich hoffe nein. Ich habe immer sehr altmodisch-seriöse Vorstellungen von Journalismus vertreten und, wie ich mir einbilde, auch eingehalten – während meines Volontariats bei der Frankfurter Rundschau (noch im Bleisatz!), dann als SPIEGEL-Redakteur und danach elf Jahre bei der ZEIT, schließlich für den Deutschlandfunk und den RIAS und endlich für das Deutschlandradio Kultur: als Autor von Beiträgen oder als Moderator.

Das klingt jetzt zu selbstgefällig. Ich rate Ihnen, irgendetwas einzugestehen, wofür Sie sich entschuldigen müssen. Das macht Sie glaubwürdiger.

Na gut. In meinem Zweitberuf, als Medientrainer bei der Bundeswehr, bin ich manchmal etwas ruppig und sehr deutlich in meiner Kritik gegenüber den Lehrgangsteilnehmern.

Bedauern Sie das?

Nein. Die können das ab. Bei den Soldaten, denen ich zum Beispiel beibringe, wie sie sich vor einem Radiomikrofon zu verhalten haben, gibt es erstens Lernbereitschaft, zweitens Kritikfähigkeit und drittens Streitkultur.

Wie wird jemand vom anerkannten Kriegsdienstverweigerer zum Medientrainer der Bundeswehr und zum Ehrenfeldwebel im Wachbataillon?

Wir haben jetzt schon 2448 der hier gestatteten 2500 Zeichen erreicht. Deshalb bitte ich Sie, das im Internet nachzulesen. 

Hm…

Darf ich jetzt weiter Radio hören?

Von und mit K. Pokatzky und Klaus P.

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