Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Koch: Jugendstrafrecht auch bei unter 14-Jährigen anwenden

Streit um Jugendkriminalität geht weiter

Ein Vollzugsbeamter schließt eine Zellentür in der Justizvollzugsanstalt Mannheim. (AP)
Ein Vollzugsbeamter schließt eine Zellentür in der Justizvollzugsanstalt Mannheim. (AP)

In der Debatte um härtere Strafen für kriminelle Jugendliche hat sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch dafür ausgesprochen, das Jugendstrafrecht in Ausnahmefällen auch bei unter 14-Jährigen anzuwenden.

Er wolle keine Schnellschüsse, sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag". Man müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass es in der genannten Gruppe eine kleine Minderheit gebe, die durch eine sehr aggressive Kriminalität auffalle. Koch betonte, vielfach würden diese Kinder auch noch von Erwachsenen benutzt, die genau auf die Strafunmündigkeit der Täter setzten.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting wies die Forderungen der Union nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts zurück. Bei den typischen Jugend-Delikten wie Körperverletzung oder Raub sei der jetzige Strafrahmen völlig ausreichend, sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Der Streit um den richtigen Umgang mit kriminellen Jugendlichen belastet zunehmend das Klima in der Großen Koalition. Die Union will in der kommenden Woche Gespräche mit der SPD auf Fraktionsebene führen. Das kündigte Unionsfraktionschef Volker Kauder in der "B.Z. am Sonntag" an.

Bundeskanzlerin versucht Wogen zu glätten


Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die SPD zur Mäßigung auf. Parteichef Kurt Beck müsse dafür sorgen, dass in der Debatte endlich Vernunft einkehre, sagte Frau Merkel in Braunschweig. Zugleich stellte sie sich ausdrücklich hinter die Unionsforderungen nach einer Verschärfung der Jugendstrafen. Ausdrücklich kritisierte Frau Merkel die Äußerungen von SPD-Fraktionschef Struck über den hessischen Ministerpräsidenten Koch. Die Unterstellung, Koch müsse sich über die aktuellen Fälle von Jugendgewalt im Wahlkampf geradezu gefreut haben, sei völlig absurd, sagte sie.

Struck hatte im Deutschlandfunk gesagt, er glaube, dass Koch "ja eigentlich von Herzen froh war, dass dieser schreckliche Vorfall in München in der U-Bahn passiert ist". Er frage sich, "ob Herr Koch zum Beispiel das Thema auch so hochgezogen hätte, wenn es zwei deutsche Jugendliche gewesen wären, die diesen Rentner da malträtiert haben". (Text / MP3-Audio)

Experten sprechen sich gegen härtere Strafen aus


Mehr als 600 Juristen und Kriminologen hatten sich in einer Resolution gegen härtere Strafen gewandt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen würde die Rückfallquote junger Straftäter damit nur erhöht, heißt es in der Stellungnahme.

Polemik und Wahlkampfslogans statt sachlicher Debatte: Mit der Forderungen des hessischen Ministerpräsidenten Koch nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts wurde eine heftige Diskussion losgetreten, bei der kaum eine Rolle spielt, wie es im Jugendstrafvollzug wirklich aussieht: In vielen Bundesländern wurden Richterstellen gestrichen und Präventionsprojekte eingestellt.
Hintergrund: Abseits vom Wahlkampfgetöse - Wie die Länder gegen Jugendkriminalität vorgehen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Marketing in Sozialen MedienSchleichwerbung durch Internetstars?

YouTuberin Bianca "Bibi" Heinicke posiert mit einem Smartphone (picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB)

Klassische Werbespots – das war einmal. Die Marketingbranche setzt auf junge Internetstars, die bei YouTube oder Instagram teils über Millionen Follower haben. Das Ziel: Produkte gezielt zu platzieren. Welche Gelder fließen, bleibt aber oft ein Geheimnis.

Digitale Lernspiele auf der Gamescom Das spielende Klassenzimmer

Little girl using sitting tablet, sitting on couch model released Symbolfoto property released PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY HAPF01486 Little Girl Using Sitting Tablet Sitting ON Couch Model released Symbolic image Property released PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY HAPF01486 (imago stock&people)

Ein Thema auf der Gamescom ist das sogenannte Edutainment. Auf der Spielemesse werden verschiedene Computerspiele vorgestellt, mit welchen Kinder spielend lernen - ohne es zu merken. Dabei steht nicht nur Rechnen auf dem Programm, sondern auch Vokabeln lernen oder die Koordination.

Netflix, Virgin und Co. Wer von unbegrenztem Urlaub profitiert

Ein Strandkorb am Strand von Ahrenshoop,vor einem Haus mit Reetdach und malerischer Strandkulisse. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Netflix oder Virgin bieten an, wovon viele Arbeitnehmer träumen: Unbegrenzten Urlaub. Der Freizeitforscher Ulrich Reinhardt schätzt ein, was Vor- und Nachteile an so einem Angebot sind und wer eigentlich meisten davon hat.

GleichberechtigungIn Sachsen-Anhalt verdienen Frauen mehr als Männer

Eine Frau erklärt eine mittels Beamer an die Wand projizierte Statistik. (picture-alliance / Tobias Kleinschmidt)

Frauen verdienen in Deutschland weniger als Männer. Die Lohnlücke beträgt 21 Prozent, auch bedingt durch Teilzeitarbeit. Doch es gibt Ausnahmen: So bekommen in Sachsen-Anhalt Frauen statistisch gesehen mehr Geld für ihre Arbeit als Männer - warum?

Mediziner und Autor Michael de RidderKämpfer für ein selbstbestimmtes Leben und Sterben

Michael de Ridder in einem Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Er gilt als wortmächtiger Querdenker seiner Zunft: Michael de Ridder betreute Drogenabhängige mit dem ersten Berliner Arztmobil. In seinen Büchern beschäftigt der Mediziner sich mit Sterbehilfe, Pflegenotstand oder der Verschwendung im Gesundheitswesen.

Windenergie Erster Windpark Deutschlands wird 30

Dieter Haack ist 1987 als Monteur bei der Eröffnung dabei und heute Prokurist des Windparks (Deutschlandradio/Johannes Kulms)

Keimzelle des Booms: 1987 wurden 30 Anlagen des Windenergiepark Westküste in Schleswig Holstein feierlich in Betrieb genommen. Die alten Anlagen haben längst ausgedient und vier modernen und leistungsfähigeren Rotoren Platz gemacht. Doch von den alten Rädern "lernten" Ingenieure Windenergie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Venezuela  Abgesetzte Staatsanwältin wirft Maduro Korruption vor | mehr

Kulturnachrichten

Hausarrest für Serebrennikov  | mehr

 

| mehr