Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Koch tritt ab

Hessischer Ministerpräsident legt alle Ämter nieder

 Roland Koch verkündet   in Wiesbaden seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern. (AP)
Roland Koch verkündet in Wiesbaden seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern. (AP)

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Er werde am 31. August sein Amt als Regierungschef niederlegen, sagte Koch in Wiesbaden. Zudem werde er im Juni nicht mehr als Landesvorsitzender und im November nicht mehr als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU kandidieren.

Zu den Gründen für seinen Rücktritt wollte sich Koch nicht explizit äußern. Er schloss allerdings nicht aus, in der Wirtschaft tätig zu sein. Der 52-Jährige arbeitete vor seiner politischen Karriere als Wirtschaftsanwalt.

Seit 1999 ist er Ministerpräsident von Hessen und seit 2006 stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Zuletzt war er parteiintern für seine Vorschläge kritisiert worden, auch bei der Bildung und der Kinderbetreuung zu sparen. Als Nachfolger Kochs wird der hessische Innenminister Volker Bouffier gehandelt. Koch betonte, dass sein Entschluss nicht spontan gefallen sei und auch die Bundeskanzlerin seit gut einem Jahr darüber informiert sei. Mit dem Ministerpräsidenten wird auch die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger das Kabinett verlassen.

Merkel: Abschied von einem Ratgeber

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Roland Koch als einen freundschaftlichen Ratgeber. Sie bedauerte seinen Entschluss, von dem sie allerdings seit einiger Zeit gewusst habe. Wer aber glaubt, Merkel könne sich heute über den Abgang eines innerparteilichen Rivalen freuen, schätzt sowohl die CDU-Vorsitzende als auch Roland Koch falsch ein, meint Chefredakteur Stephan Detjen im Deutschlandfunk.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nannte den Rückzug einen großen Verlust für die Partei. Er sagte in Berlin, dass die CDU auch weiterhin größten Wert auf Kochs Rat lege. Auch der Vorsitzende der hessischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Meister, sprach gegenüber "Spiegel-Online" von einem großen Verlust für die CDU, das Land Hessen und den Bund. Koch sei ein großartiger Politiker mit ungewöhnlich klaren Positionierungen.

Der Politologe Jürgen Falter bezeichnet den Rücktritt von Hessens Ministerpräsident Roland Koch als "geordneten Rückzug". Der Schritt sei wahrscheinlich von langer Hand geplant worden. Die Bundeskanzlerin verliere mit Koch einen unbequemen aber letztlich loyalen Mitstreiter. Der Rücktritt von Roland Koch werde ein Erdbeben auslösen, das weit über Hessen hinausgehe. Und das werde auch die Bundeskanzlerin zu spüren bekommen, sagt Deutschlandfunk-Chefredakteur Stefan Detjen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Interview der Woche

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Internationaler Karlspreis 2017 Historiker Garton Ash ausgezeichnet

Der britische Historiker Timothy Garton Ash (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Der Aachener Karlspreis geht in diesem Jahr an den britischen Historiker Timothy Garton Ash. Er biete den Populisten und Vereinfachern unserer Zeit die Stirn und entwickele Ideen, wie wir uns in der globalisierten Welt verhalten sollten, hieß es in der Begründung.

Social BotsWahlkampf der Algorithmen

Hande über einer beleuchteten Computertastatur (dpa / picture alliance / Silas Stein)

Donald Trump hat gezeigt, wie es geht: Der Weg an die Macht führt neuerdings über Social Bots. Die Computerprogramme agieren in sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer. Mit Hilfe von Big-Data-Algorithmen finden sie das richtige Publikum für ihre Botschaften. Wird diese Art des Wahlkampfes nun auch die bundesdeutsche Wahl entscheiden?

Japan Projektionen (3/3)Das "wahre" Japan in der Fotografie

Vier japanische Tänzerinnen auf einer Fotografie von Kimbei Kusakabe (1841-1932) (Kimbei Kusakabe)

In den 1860er-Jahren schuf der europäische Fotograf Felice Beato erste Bilder von Japan, die dokumentarischen Charakter hatten. Gleichzeitig etabliert er aber sogenannte Costumes: Er inszenierte Fotografien von Geishas, Samurai, Ringern und Lastenträgern in landestypischer Kleidung.

Biografien über Kracauer und KerrAuf der Suche nach der biografischen Wahrheit

Der Theaterkritiker Alfred Kerr (1867-1946) in einer undatierten Karikatur (dpa / picture alliance)

Jüdisch, kriegsbegeistert, im Exil - Siegfried Kracauer und Alfred Kerr haben einige Gemeinsamkeiten. Nun erschienen fast zeitgleich erste große Biografien über den Filmsoziologen und den Theaterkritiker. Doch wie wird man einem vergangenen Leben gerecht?

Die AntilopengangPunk, Politik und Atombomben auf Deutschland

Die drei Jungs von der Antilopengang singen über Beate Zschäpe, Gotteskrieger und Pizza. Die Gang gilt als eine der politischsten Rap-Bands in Deutschland - auch wenn ihnen das gar nicht immer so recht ist.

Sundance-Filmfestival eröffnetWeltpremiere von Helene Hegemanns "Axolotl Overkill"

Jasna Fritzi Bauer als Mifti in "Axolotl Overkill" von Helene Hegemann (© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Lina Grün)

Das Sundance Filmfestival in Utah ist eröffnet. Gleich zu Beginn war dort "Axolotl Overkill" von Helene Hegemann als deutscher Beitrag im internationalen Wettbewerb zu sehen. Wir waren bei der Premiere.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kasachstan  Neuer Anlauf für Frieden in Syrien | mehr

Kulturnachrichten

Spanische Polizei deckt Kunstschmugglerring auf  | mehr

Wissensnachrichten

Navigation  Ameisen finden den Weg auch rückwärts | mehr