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Köhler, Afrika und der Welthandel

Das Engagement des zurückgetretenen Bundespräsidenten

Von Jule Reimer

Bundespräsident Horst Köhler (AP)
Bundespräsident Horst Köhler (AP)

Die Erfahrungen beim Internationalen Währungsfonds prägte bereits Köhlers Antrittsrede als Bundespräsident im Jahr 2004:

"Für mich entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas. Ist es nicht eine Frage der Selbstachtung Europas, sich - mit Blick auf unsere eigenen Fundamente, unsere Werte und Geschichte - in Afrika ehrlich und großzügig zu engagieren – ist das nicht eine Frage der Selbstachtung Europas?"

"Partnerschaft mit Afrika" – ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Staatschefs, Intellektuellen, Wirtschaftsvertretern und jungen Führungskräften aus Europa und Afrika – eine Art jährliches Wochenendseminar für ausgewählte Gäste, das war Köhlers eigene Antwort auf die von ihm gestellt Frage nach der Selbstachtung. Im Bundespräsidialamt wurde es nicht immer gern gesehen, aber Köhler geißelte alsbald die Agrarsubventionen und die Einfuhrhürden der Industriestaaten als unfair gegenüber dem armen Teil der Welt, er plädierte für die Korruptionsbekämpfung auf Seiten der afrikanischen Regierungen, aber auch in den Vorstandsetagen der multinationalen Unternehmen.

Als die Bankenkrise von New York, London und Frankfurt 2008 auch die unbeteiligten Entwicklungsländer in die Rezession zu reißen drohte, forderte er im nigerianischen Abuja eindringlich ein Umsteuern:

"Es geht um einen neuen Ordnungsrahmen für die Weltwirtschaft, der Kapital zum Diener und nicht zum Herrscher über die Menschen macht und in dem die Bekämpfung der Armut und des Klimawandels als strategische Aufgabe für alle definiert sind."

In einer globalisierten Welt bedeute Egoismus, sich auch um den anderen zu kümmern, mahnte der Pragmatiker Köhler damals.

"Was in Afrika misslingt, betrifft unweigerlich früher oder später Europa; sei es durch Flüchtlinge, Schmuggel, Piraterie oder Terrorismus. Was in Afrika gelingt, bedeutet für Deutschlands Unternehmen Zugang zu Rohstoffen und Exportchancen und fördert weltweit Sicherheit und Stabilität."

Schreibt Köhler in dem Buch "Schicksal Afrika", das gerade auf dem Markt gekommen ist. Die aus seiner Sicht wünschenswerte Konsequenz aus der Weltwirtschaftskrise trug er seinen afrikanischen Gastgebern im November 2008 so vor:

"Ein entwicklungsfreundliches – ich unterstreiche das – multilaterales Handelssystem ohne Doppelstandards entsteht. Rohstoffhändler und Rohstoffabnehmer gehen energisch gegen illegalen Rohstoffhandel vor. Wo Konflikte ausbrechen, da stellen sich die regionalen Partner der Konfliktparteien ihrer Verantwortung, wirken Blutvergießen und Gewalt entgegen und unterstützen eine Lösungsfindung auf der Basis des Rechts."

Die entwicklungspolitische Lobby-Organisation "One" bedauerte gestern Köhlers Rücktritt als Verlust für die deutsch-afrikanische Partnerschaft.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

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