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Kölner Polizei übernimmt Loveparade-Ermittlungen

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Nach der Massenpanik in Duisburg: Suche nach den Verantwortlichen (AP)
Nach der Massenpanik in Duisburg: Suche nach den Verantwortlichen (AP)

Das nordrhein-westfälische Innenministerium hat die Ermittlungen nach der Katastrophe von Duisburg an die Kölner Polizei übertragen, um Befangenheit zu vermeiden. Die Staatsanwaltschaft Duisburg untersucht eventuelle Sicherheitslücken bei der Massenveranstaltung.

Außerdem beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft die Unterlagen der Loveparade-Veranstalter. Diese werden im Augenblick daraufhin gesichtet, ob sich der Tatverdacht der fahrlässigen Tötung erhärtet.

"SPIEGEL ONLINE" berichtet, dass die Loveparade-Veranstaltervon der Einhaltung der vorgeschriebenen Breite der Fluchtwege befreit worden sein sollen. Zudem sei das Gelände ausdrücklich nur für 250.000 Menschen zugelassen worden. Die Stadt und der Veranstalter hatten kurz vor dem Unglück am Samstagnachmittag die Zahl der Teilnehmer auf rund 1,4 Millionen geschätzt.

Die Zahl der Verletzten wurde unterdessen deutlich nach oben korrigiert: Mehr als 500 Menschen sollen verletzt worden sein, 19 Menschen starben bei der Massenpanik.

"Oberbürgermeister lehnt Rücktritt ab"

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wehrte sich gegen Kritik und Rücktrittsforderungen. Diese seien zwar verständlich, doch jetzt müsse es darum gehen, "die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten". Die Stadt Duisburg werde die Staatsanwaltschaft unterstützen.

Gegen Sauerland sowie leitende Beamte der Stadt und die Veranstalter erstattete der ehemalige Bochumer Polizeipräsident Thomas Wenner unterdessen persönlich Anzeige.

"Veranstalter verkündet das Aus für die Loveparade"

Eine Neuauflage der Loveparade werde es nicht geben, erklärte Rainer Schaller, Geschäftsführer der Loveparade AG, am Sonntagmittag während einer Pressekonferenz in Duisburg.

"Die Loveparade war immer eine friedliche Veranstaltung und fröhliche Party, die von den gestrigen Unglücksfällen für immer überschattet sein wird. Aus Respekt werden wir die Veranstaltung nicht mehr fortsetzen", sagte Schaller.

Weiterhin erklärte er: "Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären". Ihm sei alles daran gelegen, das Geschehene vollständig aufzuklären.

Dem Ruhrgebiet werde die Loveparade nicht fehlen, glaubt der Journalist Tobias Rapp, denn anders als in Berlin wurde durch die Loveparade kein "warmer Geldstrom in die ganze Infrastruktur vor Ort gespült".

"Man kann sich einfach nicht hundertprozentig absichern"

Eine Menschenansammlung wie auf der Loveparade in Duisburgoder beim alljährlichen Gläubigeransturm auf Mekka sei immer ein Risiko, sagt Evakuierungsfachmann Tim Meyer-König. Einziges Gegenmittel sei es, Stauungen der Massen zu vermeiden.

Eine Massenpanik müsse im Sicherheitskonzept einkalkuliert werden,forderte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Deutschlandradio Kultur.

Die Polizei hatte keine Hinweise auf Sicherheitsbedenken vor der Duisburger Loveparade,sagt NRW-Polizeigewerkschaftler Frank Richter.

Der frühere WDR-Chef und jetzige Geschäftsführer der Ruhr 2010 warnte davor, über die möglichen Verantwortlichen vorschnelle Urteile zu fällen. So ein Ereignis habe "viele Wahrheiten", sagte Pleitgen.

Nach der Massenpanik: Sanitäter und Feuerwehrleute helfen in dem Tunnel. (AP)Nach der Massenpanik: Sanitäter und Feuerwehrleute helfen im Tunnel. (AP)Zu der Massenpanik war es am Eingangstunnel vor dem Veranstaltungsgelände am ehemaligen Güterbahnhof gekommen. Ausgelöst wurde sie nach bisherigen Erkenntnissen durch Besucher, die Zäune überstiegen, um zu der Veranstaltung zu gelangen. Einige stürzten dabei von einer Treppe in die Menge.


"Politiker bekunden ihr Mitgefühl"

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) betonte, das ganze Land trauere um die jungen Frauen und Männer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, in diesen schweren Stunden sei sie in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer. Bundespräsident Christian Wulff forderte in Berlin eine rückhaltlose Aufklärung der Ursachen.

Die Loveparade findet seit 1989 - bis auf wenige Ausnahmen - jährlich statt und zählt zu den größten Technofestivals der Welt.


"Zum Loveparade-Unglück auf dradio.de: "

"Sicherheit muss immer Vorrang haben" <br> Bayerischer Innenminister fordert Überprüfung aller Großveranstaltungen

"Wir haben da keine belastenden Hinweise" <br> Vorsitzender der Polizeigewerkschaft NRW über Sicherheitswarnungen vor der Loveparade

Massenpanik auf der Loveparade - <br> Technofest in Duisburg forderte mindestens 19 Tote

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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