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Königshaus kritisiert Führungsschwächen in der Bundeswehr

Wehrbericht vorgelegt

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), mit dem Jahresbericht. (picture alliance / dpa)
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), mit dem Jahresbericht. (picture alliance / dpa)

In seinem Bericht führt Wehrbeauftragter Hellmut Königshaus Führungsschwächen der Bundeswehr auf. Oftmals fehle unerfahrenen Vorgesetzten und jungen Rekruten ein Gespür für Grenzen überschreitendes Verhalten.

Hellmut Königshaus (FDP), Wehrbeauftragter des Bundestags, hat seinen ersten Jahresbericht vorgelegt. (pdf-Dokument)

In dem etwa 70 Seiten starken Dokument kritisiert er unter anderem das Verhalten junger Soldaten.

"Insbesondere jungen Mannschaftsdienstgraden und unerfahrenen Vorgesetzten fehlt es bisweilen an Wissen und Gespür dafür, wann die Grenzen zum Dienstvergehen beziehungsweise zur Straftat überschritten werden", heißt es in dem Wehrbericht.

Zudem fehle oft die Erkenntnis, "dass bestimmte Umgangsformen und Verhaltensweisen auch dann Anstoß erregen können, wenn sie nicht bereits strafrechtlich relevant sind, sondern unter die Rubrik fallen: "Das tut man einfach nicht"."

Als Beispiel nennt Königshaus Ereignisse bei Gebirgsjägern im Mittenwald vom Frühjahr vergangenen Jahres:

"Dort wurden über einen längeren Zeitraum hinweg von Mannschaftsdienstgraden nach Alkoholkonsum Aufnahmerituale praktiziert, bei denen nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks überschritten wurden", so Königshaus.

Der verteidigungspolitische Grünen-Sprecher Omid Nouripour sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk:

"Die Formulierung von Königshaus beim Führungsverhalten ist ja auch sehr dramatisch. Er sagt, es gibt erhebliche Mängel und das sehe man ja nicht nur an den Eingaben, sondern auch in den permanenten Gesprächen mit den Soldatinnen und Soldaten."

Die Gorch Fock entrollt während der Fahrt vor Warnemuende ihre Segel (Foto vom 10.08.02). (Jens Koehler/dapd)Die Gorch Fock entrollt während der Fahrt vor Warnemuende ihre Segel (Foto vom 10.08.02). (Jens Koehler/dapd)

Ereignisse auf der Gorch Fock werden nicht thematisiert

Auch geht Königshaus auf die neue Situation der Bundeswehr nach der Aussetzung der Wehrpflicht ein. Nur wenn der Wehrdienst seine Attraktivität behalte, erklärt Königshaus sinngemäß, könnten auch in Zukunft genug Nachwuchskräfte gewonnen werden. Zudem fordert er realistische Karrierechancen, die es nicht überall gäbe.

Die jüngst diskutierten Unglücke auf dem Marine-Schulschiff Gorch Fock werden im Bericht für 2010 nicht berücksichtigt. Der Grund: Die Ereignisse werden erst seit diesem Jahr untersucht.

Am Freitag hatte Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Kommandanten der Gorch Fock, Kapitän zur See Norbert Schatz, seiner Funktion enthoben. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sagte im Deutschlandfunk:

"Wir haben immer eine Gemengelage aus Tatsachen und aus Erzählungen von ehemaligen Soldaten, die sich da in der Angelegenheit betroffen fühlen. Man muss hier sehr sorgfältig aufklären, bevor man eine solche Entscheidung trifft."

Königshaus verteidigte zu Guttenbergs Entscheidung. Die Abberufung des Kapitäns sei als Schutzmaßnahme richtig, erklärte der Wehrbeauftragte. Köngishaus schlägt zudem vor, einen Gleichstellungsbeauftragten auf der Gorch Fock einzusetzen.

Mit seiner Untersuchung reagiert zu Guttenberg unter anderem auf den Tod einer Offiziers-Anwärterin auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock". Auch sollen auf dem Schiff Drill, Einschüchterung und Schlafmangel System gehabt haben.



Links:

Interview mit verteidigungspolitischem Grünen-Sprecher Omid NouripourI

Interview mit dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat

Interview mit Medienberater Michael Spreng

Zu Guttenberg auf Schlingerkurs

Verteidigungsminister legt "Gorch Fock" an die Kette

Kommandant der "Gorch Fock" abberufen

Verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU im Interview

<strong>Porträt des Wehrbeauftragten (Seite des Deutschen Bundestags)</strong>

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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