Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kommandant der "Gorch Fock" abberufen

Guttenberg ordnet sofortige Rückkehr des Segelschulschiffs an

Das Segelschulschiff Gorch Fock (Jens Koehler/dapd)
Das Segelschulschiff Gorch Fock (Jens Koehler/dapd)

Die Vorfälle bei der Bundeswehr ziehen die ersten Konsequenzen nach sich. Der Kommandant des Segelschulschiffs "Gorch Fock", Norbert Schatz, wurde abberufen. Von dem Inspekteur der Marine wurde Schatz telefonisch über den Schritt informiert.

Nach Informationen des ARD-Nachtmagazins und der "Bild am Sonntag" hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Kommandanten des Segelschulschiffs "Gorch Fock" von seinem Posten enthoben. "Ich habe den Inspekteur der Marine angewiesen, den Kommandanten des Schiffes von der Führung des Schiffes zu entbinden", sagte Guttenberg der "Bild am Sonntag".

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte die Meldungen. Darüberhinaus habe der Minister die sofortige Rückkehr des Schiffes nach Deutschland angeordnet. Derzeit liegt die "Gorch Fock" in Ushuai an der argentinischen Küste vor Anker. Nach Informationen der ARD soll das Schiff voraussichtlich am 4. Februar auslaufen und nach Kiel zurückkehren. Zuvor wird am kommenden Donnerstag noch eine Untersuchungskommission an Bord gehen. Nach Informationen des ARD-Nachtmagazins soll Michael Brühn, der Vorgänger von Norbert Schatz, das Kommando des Schulschiffes übernehmen.

Norbert Schatz, Kommandant des Segelschulschiffes Gorch Fock wurde am 21. 01.2011 von seinem Posten abgelöst. (dapd)Norbert Schatz, Kommandant des Segelschulschiffes Gorch Fock, wurde von seinem Posten abgelöst. (dapd)In dieser Woche war bekannt geworden, dass Mitglieder der Besatzung Kadetten drangsaliert haben sollen. Nach einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus soll vier Auszubildenden Meuterei vorgeworfen worden sein. Nachdem im November 2010 eine Offizieren aus der Takelage aufs Deck gestürzt und gestorben war, sollen Kadetten dazu gedrängt worden sein, wieder in die Takelage zu klettern, obwohl sie das nicht mehr wollten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhard Beck hat im Deutschlandfunk davor gewarnt, die Bundeswehr nach den Vorfällen an Bord der "Gorch Fock" und dem Todesfall in Afghanistan unter Generalverdacht zu stellen. Zunächst müsse das Ergebnis der Ermittlungen abgewartet werden. Angesprochen darauf, ob er auch Parallelen zur Kundus-Affäre im Herbst 2009 und die damaligen Konsequenzen sehe, antwortete der Unionspolitiker: "Man muss also hier sagen, das sind Schießunfälle, Diebstähle, jetzt also auch Todesfälle auf einem Segelschiff, das ist immer was Tragisches, was Schlimmes, aber es ist also irgendwo zum militärischen Alltag dazugehörend."

Der ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr und Vorstandsmitglied des bundeswehr-kritischen Arbeitskreises "Darmstädter Signal", Jürgen Rose, vermutet bei den Vorfällen auf dem Bundeswehrschulschiff "Gorch Fock" einen Verstoß gegen das Prinzip der Inneren Führung, nach dem Vorgesetzte bei ihren Befehlen zwischen den individuellen Rechten des freien Bürgers und den militärischen Pflichten des Soldaten abwägen sollen.

Im Interview mit Deutschlandradio Kultur sagte er zudem, einerseits könnte bei der Absetzung des Kommandanten der Gorch Fock der Eindruck eines "Bauernopfers" naheliegen, um die Handlungsfähigkeit des Verteidigungsministers zu demonstrieren. Andererseits könnten für die Absetzung auch "handfeste" Gründe existieren: "Man wird das sicherlich nicht ohne Grund gemacht haben, denn den Medienberichten zufolge scheint es schon so gewesen zu sein, dass dort nicht entsprechend den Grundsätzen der Inneren Führung mit den Auszubildenden umgegangen worden zu sein scheint."

Laut Informationen von Spiegel Online fordert SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier Guttenberg auf etwaige Konsequenzen persönlich zu tragen. Er erwarte, dass der Verteidigungsminister nicht wieder Sündenböcke suche und spielt damit wohl auf die Kundus-Affäre im Herbst 2009 an. Guttenberg hatte damals in diesem Zusammenhang Wolfgang Schneiderhahn, Generalinspekteur der Bundeswehr, entlassen.

Mehr zum Thema:

Guttenberg zieht Konsequenzen aus den Zwischenfällen bei der Bundeswehr: Beitrag aus der Ortszeit im Deutschlandradio Kultur vom 22.01.2011

ARD-Nachtmagazin, Beitrag und Sendungsausschnitt vom 21. Januar 2011

Verteidigungsminister kontert Kritik am Führungsmanagement in der Bundeswehr, Aktuell vom 21. Januar

SPD zitiert zu Guttenberg vor den Verteidigungsausschuss, Aktuell vom 20. Januar

Webseite der Deutschen Marine: Die "Gorch Fock"



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:35 Uhr Tag für Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:07 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Jesidin in Deutschland"Es ist Angst, Angst, Angst"

Teilnehmer des Kulturtages der Jesiden sitzen am 20.08.2016 in einem traditionellen Zelt in Celle (Niedersachsen). Die gr (dpa)

Die Jesidin Irina Badavi erlebte ihre Ehe als Leidensweg. Ihr Mann vergewaltigte und verprügelte sie, Solidarität von anderen Familienmitgliedern blieb aus. Badavi macht die Religion mitverantwortlich für die Gewalt. Seit sie ihre Erfahrungen öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin.

Die Rhetorik des Joachim GauckBetroffenheit durch Kunstpause

Gauck mit ernstem Blick vor einem Weihnachtsbaum und einer Bundesfahne. (Markus Schreiber / dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck geht - und mit ihm ein ganz spezieller Redestil: pastoral, menschelnd, bedeutungsschwanger. Wie macht er das? Wir haben den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram nach den rhetorischen Kniffen des Präsidenten gefragt.

"Der Geschmack von Laub und Erde"Das Leben aus der Perspektive eines Tieres

Ein Dachs im Tierpark Eeckholt in der Nähe des schleswig-holsteinischen Großenaspe. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Skurrile Zivilisationsflucht: Tierarzt Charles Foster lebt versuchsweise wie ein Tier im Wald. Das gestattet ihm einen neuen Blick aufs eigene Menschsein. Seinen augenzwinkernden Bericht lesen auch Zivilisationsfreunde mit Gewinn.

WikileaksObama begnadigt Whistleblowerin Manning

ARCHIV - HANDOUT - Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke. Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. (U.S. Army / dpa - Bildfunk+++)

Nur wenige Tage vor seinem Ausscheiden als US-Präsident hat Barack Obama die Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt. Sie soll schon im Mai freikommen. Manning hatte vertrauliche Dokumente des US-Militärs an Wikileaks weitergeleitet.

Politische MoralIst Solidarität aus der Mode gekommen?

Königsallee in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Foto: Martin Gerten)

Mehr Solidarität wagen! Dafür plädiert die Soziologin Sabine Hark. Sie sagt: Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral - in Zeiten globaler Ungleichheiten mehr denn je.

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik

18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundestag  Gedenken an die Opfer des Berliner Anschlags | mehr

Kulturnachrichten

Bruce Springsteen spielt für Obama-Angestellte  | mehr

Wissensnachrichten

Alkohol  Jede vierte Schwangere trinkt | mehr