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Kompromiss bei Klimakonferenz

Gegen Boliviens Widerstand wird ein "Cancún Agreement" verkündet

Greenpeace-Aktivisten bei einer Demonstartion nahe der Klimakonfenrenz in Cancun. (AP)
Greenpeace-Aktivisten bei einer Demonstartion nahe der Klimakonfenrenz in Cancun. (AP)

Trotz der unnachgiebigen Haltung Boliviens hat die UN-Klimakonferenz in Cancún eine Fortschreibung des Kyoto-Protokolls von 1997 beschlossen.

Das bedeutet im Grundsatz, dass eine zweite Verpflichtungsperiode für die Zeit nach 2012 vereinbart wird. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Erderwärmung auf einen maximalen Anstieg um zwei Grad zu begrenzen. Konkrete Angaben und Umsetzungszeiträume werden jedoch kaum genannt. Die Rede ist von "substanziellen Verringerungen" der Treibhausgasemissionen bis 2050. Den Kompromiss im Kampf gegen den Klimawandel billigen alle Staaten - abgesehen von Bolivien.

Boliviens Präsident Evo Morales begrüßt einen Aktivisten der Kleinbauern-Vereinigung "La Via Campesina". (AP)Boliviens Präsident Evo Morales begrüßt einen Aktivisten der Kleinbauern-Vereinigung "La Via Campesina". (AP)Die Präsidentin der Konferenz, Mexikos Außenministerin Espinosa, teilte mit, dass die Ablehnung Boliviens im Protokoll festgehalten werden soll. Das südamerikanische Land ist jedoch der Auffassung, dass Einstimmigkeit erforderlich ist und will deshalb gegen die Entscheidung angehen.

Dies sei ein Bruch internationalen Rechts, den Bolivien nicht hinnehmen werde, erklärte der Vertreter des Andenstaates. Die anderen 193 anwesenden Staaten waren jedoch mit Espinozas Vorschlag einverstanden. Somit wird das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, zum Maßstab der internationalen Klimapolitik. Ein "grüner Fonds" mit einer Milliarde Dollar pro Jahr und ein besserer Schutz der tropischen Regenwälder werden als wichtige Vereinbarungen der Konferenz verbucht, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Georg Ehring aus Cancún (MP3-Audio).

Stürmischer Beifall der Delegierten

In dem Kompromisspapier, das Espinosa "Cancún Agreement" nannte, wird Bezug genommen auf Berechnungen des Weltklimarats, die den Industrieländern eine Minderung ihrer Treibhausgase um 25 bis 40 Prozent nahelegen. Indirekt ist dies als Bekräftigung der in Kyoto vereinbarten Ziele zu sehen. Konkrete Ziele zur CO2-Reduktion einzelner Länder nennt das Papier aber nicht. Die mexikanische Außenministerin erklärte den Kompromiss für angenommen, was die Delegierten mit stürmischem Beifall quittierten.

Nicht zu Unrecht, wie Hermann Ott von Bündnis 90/Die Grünen schon kurz vor der Verkündung des Kompromisses im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur befand: Schon kleine Fortschritte seien "Klatschorgien" wert, denn das totale Scheitern wie in Kopenhagen stehe den Delegierten bedrohlich vor Augen. Von großer Zufriedenheit dürfte bei Ott dennoch keine Spur sein, denn er kritisiert die allzu nachgiebige Strategie der Europäer und befindet: "Das, was jetzt so in dem Papier steht, was die Präsidentschaft hier vorgelegt hat, die mexikanische Außenministerin Espinosa, ist so ausbalanciert und ausgewogen formuliert, da sind alle weiter reichenden Pläne rausgestrichen worden, da ist vor allem - und das ist vielleicht das größte Manko dieses Textes - kein Enddatum festgeschrieben worden, bis zu dem die Verhandlungen erfolgreich sein sollen."

Der frühere Bundesumweltminister und Gründungsdirektor des neuen Klimaforschungsinstitutes "Institute for Advanced Sustainability Studies" (IASS) in Potsdam, Klaus Töpfer (AP)Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer. (AP)Wenig Verständnis für die zögerliche Haltung der Staaten im Bereich des Umweltschutzes bringt der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer auf, denn: "Dort, wo engagiert technologische Neuerungen herausgekitzelt wurden, dadurch dass man Knappheiten machte, dass man Vorgaben machte, sind diese Technologien zu einem Exportschlager geworden". Gerade Deutschland sei ein sehr gutes Beispiel für die positiven wirtschaftlichen Effekte von Vorreitern im Umweltschutz, sagte Töpfer im DLF-Interview. Außerdem warnte er, dass die drohende Klima-Katastrophe auch die schon bestehende Nahrungsmittelkrise verschärfen werde.

Weitere Informationen zum Thema:

Bei der UNO-Klimakonferenz muss der letzte Tag den Durchbruch bringen - oder einen Formelkompromiss - Aktuell vom 10.12.2010
"Ich bin sehr, sehr pessimistisch", Sigmar Gabriel vermisst Führungsrolle Europas beim Klimaschutz (DLF) - Interview vom 10.12. 2010
Die offizielle Website der Klimakonferenz in Cancun (engl.)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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