Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal

Minister wollen Etikettenschwindler strenger bestrafen

Untersuchung einer Lasagne-Probe (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
Untersuchung einer Lasagne-Probe (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Die Verbraucherminister der Länder sind den Vorschlägen von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) gefolgt: Sie wollen strenger gegen Etikettenschwindel vorgehen. Lebensmittelhändler sollen Verdachtsfälle melden. Und auf Fleischprodukten soll die Herkunft der Zutaten klarer angeben werden.

Mit sieben Punkten ging Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in das Treffen, mit zehn kamen sie und ihre Länderminister wieder heraus. "Nationaler Aktionsplan" haben sie das Papier genannt - mit dem sperrigen Untertitel "Aufklärung – Transparenz – Information – Regionalität". Nicht alles davon ist neu - zum Beispiel, dass sich Deutschland am EU-Plan beteiligt, Fleischprodukte auf die nicht angegebene Beimischung von Pferdefleisch zu untersuchen.

Doch das reicht den Landesministern nicht aus, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Stefan Maas aus Berlin. Die Vorsitzende der Konferenz der Länderverbraucherministerin, Lucia Puttrich (CDU) aus Hessen, sagte: "Deshalb haben wir auch vereinbart, dass Deutschland mehr tun wird als die EU tun wird. Wir werden mehr untersuchen als es die EU vereinbart hat." Deutschland will also auch andere Fleischprodukte auf nicht deklarierte Zusätze untersuchen.

Minister wollen viel prüfen

Hessens Verbraucherministerin Lucia Puttrich (CDU) und ihre Bundeskollegin Ilse Aigner (CSU) (dpa / Wolfgang Kumm)Hessens Verbraucherministerin Lucia Puttrich (CDU) und ihre Bundeskollegin Ilse Aigner (CSU) (dpa / Wolfgang Kumm)Ansonsten soll viel überprüft werden: die Eigenkontrollsysteme der Unternehmen und deren Informationspflichten gegenüber den Behörden, die Möglichkeiten, Unternehmen bei Verstößen zu bestrafen, und ein Frühwarnsystem, mit dem systematische Täuschungen aufgedeckt werden könnten. Schließlich soll es darum gehen, Verbraucher leichter zu informieren. So stellen die Bundesländer Informationen über gefundenes Pferdefleisch in Produkten auf einer eigenen Internetseite zusammen, die sie ständig aktualisieren wollen. Informationen gibt es auch beim bereits bestehenden Hotline der "Verbraucherlotsen".

Schließlich wollen sich die Minister auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass die Herkunft von Fleisch in verarbeiteten Produkten immer angegeben wird - entweder auf der Verpackung oder etwa im Internet. In ihrer Erklärung heißt es: "Auch wenn damit ein mit krimineller Energie durchgeführter Betrug nicht verhindert werden kann, unterstützt Deutschland eine Erweiterung der bestehenden Herkunftskennzeichnung." Kurz vor ihrem Treffen mit den Länderkollegen hatte Verbraucherschutzministerin Aigner ihren Kurs am Morgen im Deutschlandfunk erläutert. Als Modell schwebt ihr vor, dass auf Lebensmittelprodukten in Zukunft nicht nur die einzelnen Zutaten aufgeführt werden. Vielmehr soll zum Beispiel bei Fleischzutaten auch darüber informiert werden, woher das Fleisch genau stammt: "Dann müssen wir uns noch darauf einigen, geht es um den Geburtsort, geht es um den Mastort, oder geht es um den Schlachtort", sagte Aigner.

Kritik von Verbraucherorganisationen

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte Aigners Plan als wirkungslos bezeichnet, es handle sich um "folgenlose Ankündigungspolitik". Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte engmaschigere Kontrollen. Verbandschef Gerd Billen sagte im Deutschlandfunk: "Die Regeln sind eigentlich ganz einfach: Was draufsteht, sollte drin sein, und was drin sein sollte, sollte draufstehen."


Mehr zum Thema:

Pferdefleisch-Skandal in Deutschland - Welche Produkte und Händler sind betroffen? (tagesschau.de)
Kommentar: "Das ist schlicht eine Schweinerei" - der Skandal um Fertiggerichte mit Pferdefleisch



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Hörspiel

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Eine Stunde Film

Aus unseren drei Programmen

Vor dem Bundesparteitag"Die CDU muss ein Gegensignal zum Populismus setzen"

Der CDU-Politiker Heiner Geißler in der Sendung "Menschen bei Maischberger". (picture alliance / dpa / Revierfoto)

Die CDU sei gut beraten, auf ihrem Parteitag ein Gegensignal zum Populismus in Europa zu setzen", sagte der CDU-Politiker Heiner Geißler im DLF. Im Bundestagswahlkampf 2017 müsse man beispielsweise die AfD von den Inhalten her bekämpfen.

Vor dem CDU-Parteitag"Asyl und Einwanderung sind zweierlei"

Der CDU-Vize und NRW-Parteivorsitzende Armin Laschet spricht bei der Zukunftskonferenz in Wuppertal. (AFP / Patrik Stollarz)

Vor Beginn des CDU-Parteitages in Essen hat sich Parteivizechef Armin Laschet für eine Präzisierung des Asylrechts ausgesprochen. Asyl für Verfolgte und Schutzbedürftige sei ein Grundrecht, das keine Obergenzen kenne, sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende im DLF.

Debatte um Abtreibung in PolenKampf um den weiblichen Körper

Demonstration gegen eine Verschärfung des Abtreibungsrechts in Polen. (AFP / WOJTEK RADWANSKI )

Polen hat bereits ein sehr restriktives Abtreibungsgesetz, nun will die Regierung es weiter verschärfen. Beifall kommt von der katholischen Kirche - doch die Frauen gehen für ihr Recht auf die Straße. Und das ist auch ganz richtig so, meint die Journalistin Beata Bielecka.

Freiburger Kriminalfall"Absurd, aus meiner Forderung Hetze zu machen"

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht beim Landeskongress der DPolG in Berlin. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hält trotz scharfer Kritik an seiner Aussage zum gewaltsamen Tod einer Studentin in Freiburg fest. "Man muss nach wie vor die Frage stellen, ob man hierzulande alles getan hat, um mögliche Gefahrenherde zu erkennen", sagte er im DLF. Tatverdächtig ist ein Flüchtling aus Afghanistan.

Vor 25 JahrenDer Angriff auf Dubrovnik

Zu sehen ist die Stadt Dubrovnik, im Vordergrund die mächtige alte Festung. (AFP / Elvis Barukcic)

Als "Perle der Adria" wurde Dubrovnik einst besungen, 1991 wird die kroatische Hafenstadt zum Kriegsschauplatz: Die Jugoslawische Volksarmee beschoss die historische Altstadt mit Granaten und Raketen. Doch dieser Angriff sollte nicht zum erhofften Ergebnis führen.

Deutsches BildungssystemLernunfähige Schulen

Schüler sitzen in einem Klassenzimmer.  (dpa / picture alliance / Marc Tirl)

Heute werden in Berlin die Ergebnisse der neuesten PISA-Studie vorgestellt. Verändern wird sich dadurch aber nur wenig, meint der Historiker Ulrich Heinemann. Denn das deutschen Bildungssystem sei alles - nur leider wenig lernfreudig.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

CDU-Parteitag  Merkel als Vorsitzende bestätigt | mehr

Kulturnachrichten

Islam-Stiftung in Frankreich gestartet  | mehr

Wissensnachrichten

Ernährung  Männer essen in Gesellschaft mehr | mehr