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Kontaminierte Milch gilt als nicht belastet

Debatte über hohe Gebühren für stärkere Kontrollen

Auf der Suche nach Keimen und Schimmelpilzen in Rohmilch (dpa / Julian Stratenschulte)
Auf der Suche nach Keimen und Schimmelpilzen in Rohmilch (dpa / Julian Stratenschulte)

Nach dem Fund krebserregender Stoffe in Futtermittel für Milchkühe geben die Behörden Entwarnung: Rohmilch aus Agrarbetrieben in Niedersachsen sei nicht belastet. Derweil streiten die Politiker über die Konsequenzen des neuerlichen Skandals.

Erst Pferdefleisch, dann Eier, jetzt Milch: Die Politik rätselt darüber, wie sie die schwarzen Schafe in der Lebensmittelindustrie besser erkennen kann. Im Falle des verseuchten Tierfutters, das unter anderem Milchkühe bekamen, brachten Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) Gebühren für stärkere Kontrollen ins Gespräch. Die Aufklärung des Falls läuft auf Hochtouren.

Rund 4.500 Betriebe betroffen

Eine Milchkuh futtert Heu, Mais und Rübenschnitzel (dpa / Daniel Reinhardt)Eine Milchkuh futtert Heu, Mais und Rübenschnitzel (dpa / Daniel Reinhardt)Krebserregendes Futtermittel, verunreinigt durch verseuchten Mais mit dem Schimmelgift Aflatoxin, haben nach korrigierten Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums 4.467 Betriebe erhalten. Zuvor war von 6.457 Betrieben die Rede gewesen. Der Rechenfehler basiere auf Doppelnennungen, hieß es. Auch in Nordrhein-Westfalen wurde die Zahl der betroffenen Höfe korrigiert, von zunächst 15 auf mehr als 110.

Die Behörden in Hannover entdeckten bei den untersuchten Milchproben nach eigenen Angaben bislang keine Auffälligkeiten. 79 Milchproben seien untersucht worden. Der Grenzwert für das als krebserregend geltende Aflatoxin wurde laut Ministerium dort nicht überschritten. Die Sperrung der entsprechenden Höfen wurde derweil aufgehoben. Von bislang 19 amtlich untersuchten Futtermittelproben waren den Angaben zufolge jedoch acht positiv, elf lagen unterhalb des zulässigen Grenzwertes.

Politik droht der Industrie

Zu möglichen höheren Gebühren für die Industrie sagte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Meyer dem Magazin "Focus", der Staat könne 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen, wenn die Kosten der Wirtschaft in Rechnung gestellt würden.

Bundesministerin Aigner warf den Herstellern Versagen bei den Eigenkontrollen vor. "Es gab frühzeitig Hinweise von verschiedenen Seiten, doch diese wurden offenbar ignoriert." Die zuständigen Länderbehörden müssten "deutlich schärfer als bisher" überwachen, ob die Unternehmen ihre Pflichten einhielten. "Wenn die Bundesländer ausreichende Kontrollen nicht leisten können, liegt es auf der Hand, die amtlichen Kontrollen in Zukunft stärker als bisher durch Gebühren zu finanzieren."

Verband warnt vor Billig-Milch

Ein Glas Mich wird gefüllt. (AP)Schimmelpilz kann in geringen Mengen in die Milch gelangen (AP)Der Verband der Milchbauern warnt unterdessen vor einem weiteren Abbau von Handelsschranken im Agrarsektor. "Unsere Milch, die kontrolliert zu höchsten Standards erzeugt wird, muss dann mit Billigprodukten aus Ländern konkurrieren, in denen Umwelt- und Tierschutz und Lebensmittelsicherheit eine weitaus geringere Rolle spielen", hieß es in einer Mitteilung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter BDM in Schleswig-Holstein. Zudem steige das Risiko, dass vergleichsweise billige Futtermittel und verarbeitete Produkte auf den europäischen Markt kommen, die unter ganz anderen Voraussetzungen erzeugt und verarbeitet würden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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